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Burst of Metal

Auf der einen Seite gibt es da draußen so richtig schlechte Alben wie etwa Backstreet Boys’ Never Gone, Puddle Of Mudds Life On Display, DJ Peinlichs Blush oder Barb Wire OST …

Von Jens Marder


Es gab einmal eine Zeit, als „Guns N’ Roses“ durchaus ein Song von den Sex Pistols gewesen sein könnte. Oder war es Janis Joplin? Als der Autor dieser Zeilen vor rund zwanzig Jahren zum Metal kam, hatte er nicht ganz so viel Ahnung von dieser dunklen Materie, sodass an erster Stelle seiner Einkaufsliste damals (neben einigen essenziellen und bereits herausrecherchierten Alben) die Rock-Hard-Veröffentlichung Best of Rock & Metal – Die 500 stärksten Scheiben aller Zeiten (hrsg. von Michael Rensen) gestanden hätte, hätte es sie damals schon gegeben. Der Kauf des toll aufgemachten Folianten, der halbwegs vergriffen zu sein scheint, kann nicht nur Neueinsteigern, sondern auch fachwissensmäßig gereifteren Fans des Schweren Schalls empfohlen werden: 500 nicht gerade kurze, mit herzblutgetränkter Leidenschaft für das Genre verfasste Rezensionen von Fachleuten, auf deren Meinung (fast) immer Verlass ist, dazu über 20 Zusatzartikel wie zum Beispiel „Die Roots des Heavy Metal“, „Deep Purple“, „Metallica“, „Progressive Rock & Metal“ machen das Buch zu einer spannenden und Speichel-/Geldfluss anregenden Lektüre. Dabei finden natürlich nicht nur absolute Pflicht-Acts wie Black Sabbath, Iron Maiden oder Slayer einen Ehrenplatz, sondern auch kleinere, feinere Bands wie Atheist, Cynic, Realm, Thought Industry, Toxik, Vauxdvihl oder die unvergesslichen Watchtower, was Kennern ein zufriedenes Kopfnicken inkl. Grinse bescheren dürfte.

Dass bei der Auswahl der Referenzwerke der einzelnen Künstler überraschend oft auf (die etwas schwächelnden) Veröffentlichungen jüngeren Datums zurückgegriffen wurde, erscheint etwa im Falle von Threshold oder System Of A Down etwas merkwürdig. Andererseits ist man als unignoranter Hörer überfroh, dass die ach so gekünstelten, overhypten und musikalisch/künstlerisch angeblich unfähigen US-Armenier oder auch Slipknot (hier mit ihrem erfrischenden Vol. 3 vertreten) es tatsächlich auch in die Top 500 geschafft haben. Schließlich darf man nicht vergessen, dass der gnadenlos originelle Geniestreich Toxicity seinerzeit als „fünfundvierzigminütiger Blender“ (!) (O-Ton Wolf-Rüdiger Mühlmann, vgl. Rock Hard-Ausgabe Nr. 172) mit 5 von 10 Punkten (!!) bewertet und Slipknot aufgrund ihrer aufrichtigen Liebe zum Grotesken als amerikanischer Konsum-Schwachsinn abgetan wurden.

Und nun sind wir auch schon bei der passenden Laune angelangt, um vom Loben wegzukommen, hin zur dunkleren Seite der journalistischen Macht: Es lässt sich keine Entschuldigung dafür finden, dass die RHaudegen es tatsächlich geschafft haben, solche Innovations- und Kompositionsgiganten wie Meshuggah, Opeth, Pain Of Salvation, Shadow Gallery (und sicher noch ein paar mehr) auf Kosten diverser „Langweiler“-Bands/-Alben (lieber keine Namen), die allesamt mit mindestens einem Album zu viel vertreten sind, außen vorzulassen. Nein, da kann man auch nicht mit der „Natürlich wird diese Liste niemanden endgültig zufrieden stellen können, denn sie kann und will nicht objektiv sein“-Masche kommen. Dass Bands wie Martyr, Spiral Architect oder gar die Metal-Avantgardisten Behold … The Arctopus keine Erwähnung finden, ist nicht überraschend und verzeihlich. Aber Meisterwerker wie Daniel Gildenlöw und Michael Åckerfeldt zu ignorieren, ist eigentlich Wahnwitz. Wie dem auch sei: Im Großen und Ganzen ist dieses Buch eine sehr gute Investition und Rock Hard nach wie vor die beste deutschsprachige Institution in Sachen „Rock hart!“. Und Opeth zu seinen Favoriten zählen kann man natürlich auch ohne Sekundärliteratur.

THE PROVENANCE: Red Flags

Die Schweden The Provenance sind eine Prog/Gothic/Modern-Metal-Band mit Niveau, daher enthält ihr Album Red Flags fast ausschließlich sehr gute, äußerst gefühlvoll komponierte Songs, die subtile Melancholie und Düsternis propagieren. Das Album eröffnet mit dem erstklassigen „At The Barricades“, dessen origineller Refrain durch Emma Hellströms Stimme zusätzlich an Wert gewinnt. Immer wieder gibt es auch schöne Gesangsduette mit Gitarrist Martinsson. „Thanks To You“ setzt gleich zu Beginn mit einem einprägsamen, etwas opethoiden Riff ein, der sich zu einer überaus feinen Nummer entwickelt. Dann noch die zwei hervorragenden Balladen „Second And Last But Not Always“ & „Deadened“ und das mit superber Melodie aufwartende „One Warning“ obendrauf. Wer bis dahin noch immer nicht von der Überdurchschnittlichkeit dieses Albums überzeugt ist, dem sei der ausgezeichnete, wirklich mitreißende Abschlusssong „Settle Soon“ anempfohlen – dolles Ding!

PHIDEAUX: 313

Die amerikanischen Prog-Rocker bzw. Art-Popper Phideaux haben hier ein verdammt gutes Album vorgelegt, das den Hörer zurück in die Ära von Genesis, Marillion und 80er-Seligkeit mitnimmt. Der erste Song „Railyard“ ist wohl als Geniestreich zu bezeichnen, auch wenn er einem irgendwie (?) bekannt vorkommt. Was vielleicht nur ein weiterer Beweis für dessen Klassikerstatus ist. Wie erwartet können die übrigen Songs auf 313 mit dem Monsteropener nicht ganz mithalten. Aber das ist nicht schlimm ist, denn die anderen Kompositionen sind überaus trotzdem atmosphärisch, spacig, melodisch, meist einfallsreich, immer wieder schimmern SF-Motive durch. „Have You Hugged Your Robot?“ beispielsweise ist zwar einfach gebaut, groovt aber schwer. „Sick Of Me“ ist eine Art eigene Version von Bronski Beats „Smalltown Boy“, zumindest was die Hauptmelodie angeht. „Pyramid“ glänzt mit nostalgischen Mellotron-Tönen. Alles in allem sehr harmonisch, sehr sympathisch, manchmal vielleicht einen Tick zu harmonisch-sympathisch. Manche Stellen hätte man evtl. spannender gestalten sollen, etwa durch Weglassen. In „Body In Space“ erfährt das überragende Hauptthema aus dem ersten Lied eine durch weibliche Engelsstimmen veredelte Reprise. Abschließen tut das Album mit dem wunderschön entrückten „Benediction“, das erneut die erstklassige Songwriting-Kunst unter Beweis stellt: superbes Album einer Band, die man vernommen haben sollte. Und das Cover-Artwork ist so was von farbenfroh und filigran.

PUPPET SHOW: The Tale Of Woe

Wer lässt hier die Neo-Prog-Puppen tanzen? Es ist die kalifornische Band Puppet Show aus Silicon Valley. Lang lebe der Longtrack, haben die Jungs sich überlegt und vier von den Viechern gebastelt. Zusammen mit zwei kürzeren Liedern wird hier cooler, sowohl nach vorne als auch auf Vorbilder wie Marillion, Kansas, Spock’s Beard u. a. blickender Progressive Rock mit einer dezenten Idee Hartwurst geboten. Die Musik ist sehr warmherzig und meistens originell, sodass sie einigen Längen und etwas zu fröhlichen Momenten locker trotzt. Der Opener „Seasons“ beispielsweise ist grandios: pumpende Basslinien, mitreißender Gesang, coole Breaks und Soli.

„The Seven Gentle Spirits“ nimmt sich relativ viel Zeit, um anzulaufen, aber spätestens in der zweiten Hälfte geht es mit fett epischer Progroove-Breitseite gehörig ab. Insgesamt schwächelt diese lange Nummer ein wenig, vor allem im direkten Vergleich zum nachfolgenden „Harold Cain“, das umschweiflos zum Punkt kommt und aufgrund seiner kompositorischen Prägnanz und gewitzter Lyrics Klassiker-Ambitionen aufweist. Auf den Sechzehnminüter „The Past Has Just Begun“ wäre Neil Morse bestimmt stolz, hier kommt nämlich all das zusammen, was Neo-Prog-Meisterklasse auszeichnet: ausladende Instrumental-Passagen, Mystery, Spannungsbögen samt Peripetie und natürlich ergreifende Melodien. Zum Schluss wird dieses Werk nochmals so richtig fesselnd und erreicht mit einigen Härten seinen dramatischen Höhepunkt. Es folgt das progmetallische und überraschend verquere „God’s Angry Man“, ein sehr gutes Instrumental mit prägnantem Hauptriff. Schließlich noch „On Second Thought“, eine delikate Ballade, die unter anderem mit einem echten Hinhörer von Keyboard-Solo punktet. Wer suchet, wird findig.

ABANDONED: Thrash Notes

Dieses Album dürfte ziemlich cool sein, denkt man sich schon nach ein paar Sekunden. Es wird offenbar eine Riffpolitik propagiert, die für unverfälschten Thrash-Metal-Spaß sorgt. An sich hat die Vokabel „Thrash“ mit Gewalt zu tun, aber wenn sich diese ausschließlich in einer unverblümt spielfreudigen Bedienung der Musikinstrumente manifestiert, dann ist Gewalt so ziemlich das Coolste. Zwar sind Abandoned nicht zu jedem Zeitpunkt einzigartig, aber wie auch, wenn man der klassischen Prügel-Schule frönt. Solange die Band-Homepage „www.gebolze.de“ lautet, das Emotionale stimmt und man an Bay Area & Klonsorten denken muss, während man dieser Hesssen-Dresche lauscht, ist alles in ordner Bestung. Die Reaktionen der Fachpresse auf ihre Demo waren schon sehr positiv, und dementsprechend positiv muss die Kritik zu ihrem ersten Album ausfallen, in dessen Titel „Thrash“ nicht ganz zufällig vorkommt: Songs wie das riffige „Pay The Dues“, der fixe Banger „Nightmares“, der einfallsreiche Opener „The Oncoming Storm“ oder das mit einem dramatischen Power-Metal-Refrain aufwartende „Return To One“ bestätigen die eingangs geäußerte Vermutung.

Pandemia: Riven

Spätestens nach dem zweiten Hören ist man sicher, dass es sich bei den Tschechen Pandemia um eine überdurchschnittliche Band handelt, die eine entsprechende Platte eingespielt hat. Alle Stücke sind gut, jeder Song hat irgendetwas zu bieten, was ihn auszeichnet. Die Liedanfänge sind fast ausnahmslos prägnant, was schon mal ein gutes Omen (nicht der Film) ist. Der Titeltrack und Opener knallt beispielsweise ganz schön ordentlich aus den Boxen (nicht die Sportart), „Stream Of Destinies“ ist stellenweise noch bombiger, da könnten sich sogar Morbid Angel das eine oder andere Stück Hack vom Grotesküchlein abknipsen. „Us And Them“ enthält ebenfalls ein Riff-Attentat, auf das der Death-Metal-Fan nicht verzichten sollte. Das ein wenig von Death (nicht der Zustand) inspirierte resp. plagiierte Instrumental „Dispirited“ hingegen erreicht leider nicht das Genie des Riff-Fürsten Schuldiner, der für ProgDeath ungefähr dasselbe ist wie Schindler für die Juden. Insgesamt betrachtet ist Riven zwar nicht ganz so kopfmenschenfreundlich wie seine Vorbilder, aber dennoch ziemlich dicht komponiert und technisch exekutiert, sodass die Spielzeit von etwas über 30 Minuten kein Nachteil ist. Fazit: Uneingeschränkte Antest-Empfehlung für diesen groovyTotmachbrocken!

Hyades: Abuse Your Illusions

Was bloß ist das Geheimnis der uneingeschränkten Sympathie, die sich innerhalb kürzester Zeit einstellt, obwohl dem Hörer die starke Anlehnung an alte Originale und dadurch bedingte Nichtinnovativität von Hyades bewusst ist? Nun, trotz aller Rückwärtsgerichtetheit kommen die Riffs äußerst flott gezockt und frisch gerockt daher, halt so, als ob ein guter alter Wind wehen würde, der keinesfalls nach Gammel riecht. Abuse Your Illusions ist keine Revolution, aber Mann ist das Album Banger-SpaßThrash, sprich: truer als ein Tru(e)thahn! Die Jungs, deren Motto „Four albums and still no ballads!“ lautet, orientieren sich ganz bewusst am Knüppel-Kult der 80er, und die Art, wie sie es tun, ist genau richtig: unprätentiös, ehrlich und mit jeder Menge cooler Gitarren im Panzer. Eines dieser Alben, die im besten Sinne des Wortes total eingängig sind und gleich beim ersten Hören eine negative Rezension absurd erscheinen lassen.

Freak Neil Inc.: Characters

Freak Neil Inc. ist das Progjekt von Rob van der Loo (Sun Caged), der einige prominente Gastmusiker wie Steve DiGiorgio, James Murphy oder Sean Malone (Death, Cynic) zum Mitspielen eingeladen hat. Herausgekommen ist ein zwar nicht 100%-ig freakiges, aber relativ vielseitiges Progressive-Metal-Album, das sich echt hören lassen kann. Nach dem kurzen Intro, in dem wohl das Stimmengewirr der verschiedenen Characters zu hören ist, geht es mit „Talking Chair“ richtig metallig zur Sache: Der Eröffnungsriff zählt nicht unbedingt zu den wahnwitzigsten, hat aber den richtigen Drive, um dem Song Prägnanz zu verpassen.

„I’m The Hero“ hat noch mehr zu bieten: Funk & Drive, verursacht durch den auch später mehr im Vorder- als Hintergrund agierenden Chapman Stick, eine schöne Melodie, anspruchsvolle Soli und ein paar verrückte Stimmverzerrungen. Das gelungene „I Understand“ überrascht durch elektronische Drum-Sequenzen, gefolgt von cynicsch verfremdetem Gesang und träumerischen Entspannungssoli. „Downtown“ weist zum ersten Mal charakteristische Progmetal-Stilistik auf, die immer wieder von virtuosen Fusion-Parts durchbohrt wird. Und der „Bulldozer Blues“ hält, was der Titel verspricht: Meshuggah-Riffing auf dünnem Blues-Gerüst erzeugt eine schwere Groove-Maschinerie, die insgesamt allerdings etwas unspektakulärer als die vorangegangenen Tracks bumst. Das abschließende „Absence“ beginnt mit einem für Misophoniker herausfordernden Flüstern, das aber glücklicherweise schnell Musik Platz macht. Diese ist epischer als die restlichen Tracks und vereint deren verschiedene Stilmerkmale wie Elektrobeats, Metal, Fusion und Balladeskes zu einem soliden, wenn auch streckenweise farblos wirkenden Ganzen, das mit seinen 13 Minuten nicht den quantitativ vorgegebenen Höhepunkt bildet. Unterm Strich eine Platte, die eine Empfehlung wert ist, da echte Schwachstellen fehlen.

MANNGARD: Circling Buzzards

Allein „Safe With Me“ bietet genug progressive Derbheit, um Circling Buzzards, seines Zeichens krasses Prog-Geknüppel auf William-Faulkner-Basis, zu einer echten Extremperle zu erklären. Jede Menge Riffs und Breaks, unvorhergesehene Wendungen und brutal-brillante Instrumente, die ordentlich Irrsinn akkumulieren. Das müssen knallharte Death-Metal-Bussarde sein, die da ihre kniffligen Psycho-Kreise ziehen. Zugegeben, so eindeutig grandios wie das eingangs erwähnte Stück sind die restlichen Songs vielleicht nicht, aber allemal toll genug, um die Hervorhebung irgendeines weiteren Titels fast unmöglich zu machen. Ein in helle Begeisterung versetzendes Album also, das nicht nur musikalisch, sondern auch durch sein düsteres Textkonzept überraschende Gefilde erschließt und somit jedem (ernstzunehmenden) Kritiker Respektbekundungen entlocken möge.

KAYSER: Frame The World … Hang It On The Wall

Dieses Album ist knüppelharte Unterhaltung aus Schweden und kommt dem Zuhörer auf Anhieb überaus solide vor. Bei genauerer Untersuchung festigt sich der positive Ersteindruck: Frame The World … Hang It On The Wall ist ein melodiereicher und klischeearmer Klopper der Modern-Metal-Schule. „The Cake“ eröffnet die Platte mit einem Leckerbissen (toller Refrain), es folgen das dreckige „Lost In The Mud“ und das gut entwickelte „Evolution“, das belebende „Not Dead … Yet“ (deftiger Refrain-Riff mit einem Fusion-Intermezzo) sowie das geistesgegenwärtige „Absence“. Eine klare Produktion und prima Gitarristik machen diese voller großer Momente steckende Empfehlung für Freunde des Empfehlenswerten empfehlenswert.

DECAPITATED: Organic Hallucinosis

Decapitated haben ja mit ihren ersten Alben mächtig Wind (of Creation) aufwirbeln können, weil die Bandmitglieder trotz ihres verdammt jungen Alters (damals 14 oder so) an ihren jeweiligen Instrumenten schon viel asozialer drauf waren als so mancher Hip-Hop-Stirnband-Fubu-Assi auf der hintersten Sitzbank im Bus nach Tannenbusch. Apropos Bank: Das vierte Output der Polen ist durch dieselbige gut. Grotesk-Gitarren braten das Trommelfell, während die Drums das Öffnen so mancher Kiste Chuck Norris überflüssig machen. Der Prog-Level der Platte ist wie gehabt etwa mit Morbid Angel oder Hate Eternal zu vergleichen, also recht technisch. Songs wie der opulent-brachiale erste Track oder das Doublebassin „Day 69“ (inklusive des bandtypischen Schlagzeug-Solos in der Songmitte) sprechen an. In „Post(?)organic“ wissen zwei virtuose Gitarren-Soli in eine für das Death-Metal-Genre unerlässliche Schlimmwelt zu entführen. „Visual Delusion“ ist ein blastbeastig dreschender Song, der, zwar etwas fremdbestimmt, die besten Momente der zwei oben genannten Vergleichsbands einfängt. Die restlichen drei Lieder erscheinen einen Tick unprägnanter, was uns aber nicht daran hindern soll, dieses Album allen Toddlern an den Herzschrittmacher zu legen.

Slipknot: 9.0: Live

Spätestens seit diesem Live-Album ist die Zahl „9“ bzw. deren IT-Bruder „9.0“ mit Groteske zu assoziieren. Denn hier kommen 9.0 ziemlich kranke Typen mit schlimmen Masken und beschallen einen mit krassen Projektilen des modernen (und immer öfter auch progressiven) Nu Metals wie „The Blister Exists“, „(Sic)“, „Pulse Of The Maggots“, „The Nameless“, „Duality“ u. a. In 24 Tracks wird die Geschichte einer immer wieder vollkommen zu Unrecht als unauthentisches, kurzlebiges Produkt der Werbeindustrie angeprangerten, ziemlich extremen Band nacherzählt, die mit ihrem Debüt Slipknot einen echten Meilenstein veröffentlichte. Nach dem schwächelnden Zweitling Iowa wollten sich die Musiker weiterentwickeln, und dementsprechend fiel auch die dritte Studioproduktion aus: Mit feiner als je zuvor gespitzten Drumsticks, virtuosen Gitarrenläufen, asozialen Riffs, originellen Samples und verstärktem Griff auch zu ruhigeren Tönen aufwartend, stellte Vol. 3: The Subliminal Verses 2004 eine würdige Erneuerung des eher rauen Slipknot-Sounds von anno 1999/2001 dar.

Der Nachteil des vorliegenden Live-Dokuments ist aber, dass die irgendwie verwaschen klingende Produktion richtig fiese Riffer neueren Datums nicht perfekt zur Geltung kommen lässt; die Liedversionen auf den regulären Studiowerken sind eigentlich immer vorzuziehen. Überhaupt haben Live-Alben ja ein bisschen an Bedeutung verloren, seit es sowohl sound- als auch bildtechnisch überaus hochwertige Live-Mitschnitte auf DVD bzw. BD (nicht das Klosett-Addon) gibt. Deswegen ist etwa der Slipknot-Mitschnitt Disasterpieces zu empfehlen: Dort bekommt man den kaputten Clown, das Stachel-Schwein, Cyranose de Bergerac, das Drum-Karussell (gutes Solo) und die restlichen Monstermänner auch mal richtig zu Gesichtsgrusel.

Akercocke: Words That Go Unspoken, Deeds That Go Undone

Die Briten Akercocke umschiffen geschickt 08/15-Riffs, wie sie von Black-Metal-Riesen Dimmu Borgir, Nagelfart etc. wirkungsvoll, bombastisch, pathetisch – aber gerade darin ist der Keim von Geschmacklosigkeit zu suchen – inszeniert werden, indem sie das Vehikel Black Metal mit genrefremden Aspekten anreichern. Neben ungebremstem Doublebass-Geblaste und monströsen Growls gibt es auch besinnliche Momente zu bestaunen. Eröffnet wird das Album von „Verdelet“, worin ein aggressiver Riff die Grundlage für einen sehnsuchtsvollen Gesangspart bildet. „Seduced“ ist Black/Death Metal pur, wobei das kompromisslose Riffing hier und da etwas unfrische Züge annimmt; nichtsdestotrotz ein gutes Stück, das vor allem gegen Ende noch einmal seine gesamte Energie im ultimativen Banger bündelt. „Shelter From The Sand“ bezieht seine Schönheit aus den von akustischer Gitarre begleiteten Clear-Voice-Passagen, die immer wieder von verschiedenen Zwischenspielen heftigeren Kalibers durchboxt werden.

„Eyes Of Dawn“ kommt schnell zur Sache, ein einfacher und prägnanter Riff macht den Anfang, wonach der Song einige leicht avantgardistische Wendungen nimmt und so bis zum Ende interessant bleibt. Das Instrumental „Dying In The Sun“ klingt in etwa genauso, wie der Titel es verlangt: exotische Wüstenklänge, gepaart mit dem einen oder anderen Geräusch extraterrestrischer Fauna als Prolog zum darauffolgenden Zweiteiler „Words That Go Unspoken“: In diesem finden sich sanfte, hammerharte und ambientrückte Elemente, die zusammengenommen etwas Unheimlich-Auswegloses heraufbeschwören. Den Abschluss und vielleicht auch emotionalen Höhepunkt dieses Albums bildet das von schwerem Nostalgyll umhauchte „Lex Talionis“, worin des Hörers Seele eine Rührung erfährt. Nimmt man all diese Eindrücke zusammen, entsteht ein Gesamteindruck, der besagt, dass es sich hier um ein richtig gutes Album handelt.

3: Wake Pig

Die vier 3er klingen ein bisschen wie The Mars Volta, Coheed & Cambria und Umphrey’s McGee, also die Alternative-Metal-Kategorie mit perkussivem Guitar Slapping als USP. Aber Schubladendenken ist nicht Sinn der Übung, kommen wir daher zu den einzelnen Songs dieses wunderbaren Albums. „Alien Angel“ führt uns in die atmosphärische und hochtalentierte Melodiewelt der Band ohne Buchstaben ein. „Dregs“ beginnt mit einer Flamenco-Gitarre, die immer wieder vom E-Riffing unterstützt wird – ein melodisch-drummiger Song. Der Titelgeber „Wake Pig“ ist wohl als ein Hit zu verstehen, da großartiger Refrain und coolst aufspielendes Schlagzeug. Ein weiterer Hit oder vielmehr Klassiker ist „Dogs Of War“, eine mit geradezu Beatles’schen Harmonien auf Filigranit beißende Ballade: Sahne Nummer 1! „Queen“ lässt Magie walten, ebenso das authentisch melancholische „Circus Without Clowns“, was für das ganz große Zweiohrkino. „Where’s Max“ ist ein kurzer, verrückter Song, der wie eine Hommage an System Of A Down wirkt. Seinen (nicht zwingend krönenden) Abschluss findet das überaus empfehlenswerte Plättchen mit „Amaze Disgrace“, das zwar epischer als die restlichen Perlen ausgefallen ist, aber möglicherweise nicht ganz so tiefgreifend wirkt.

Bathtub Shitter: Dance Hall Grind

Mir sind ja Bands auf Anhieb sympathisch, die das Wort „Scheiße“ oder Ähnliches im Bandnamen führen auf die Gefahr hin, dass irgendein Rezensierling es völlig schamlos gegen sie verwenden wird. Aller Koprophilie zum Trotz sei dennoch ein genauerer Blick auf dieses typischerweise durchgeknallte Japandämonium geworfen. Der Stil von Bathtub Shitter ist Latrinen-Grind ohne Klospülung, wo viel gekrischen und noch mehr geschissen wird. Bis auf das recht hübsche, aus einem Myamoto-Klassiker zu stammen scheinende Akustik-Scheißtrumental „Shit Drop“ und die dudelig-gewitzte Einscheißung „Introduction“ sind Schlagzeug und E-Gitarren erwartungsgemäß im Kriegseinsatz und man fragt sich, wie viel die Jungs eigentlich fressen müssen, um so viel Scheiß zu produzieren. Wie dem auch scheiß, musikalisch gesehen handelt es sich hier nicht durchgehend um bek(n)ackten Durchfall. Titel wie zum Beispiel „Skate Of Bulgaria“, „Umber“, „Re-Shit“ oder „Rest In Piss“ können sich echt hören lassen, obgleich das häufig eingesetzte Hochfrequenz-Gekreisch von Vokalköter Masato gewöhnungsbedürftig ist. Bilanz: Trash wird ja gerne als Synonym für Kult verwendet, was nicht immer falsch sein muss: ein Jascheißénochmal! für diesen keinesfalls kompletten Bullshit.

Beneath the Massacre: Mechanics Of Dysfunction

Das Warten auf das dritte Album von Necrophagist, das nie kommen wird, weil Suiçmez offenbar bei BMW arbeitet, ist für manche von uns eine recht proglematische Angelegenheit. Zwar haben Bands wie Spawn Of Possession oder Obscura die Lebensbedingungen einer Person, welche sich höchstwahrscheinlich auch im Opa-Stadium Filigrangeknüppel ins Quantenmechatroniker-Death gewohnte Hörgerät hämmern wird, heftigst versüßt, doch so langsam lässt die nicht zu unterschätzende Wirkung jenes extremen Meilensteinchens nach. Also schnell zu Beneath The Massacre aus (dem offenbar abnormen) Kanada gegriffen, einem weiteren Vertreter jener eindrucksvollen Musikrichtung, die man als break- und blastbeatverseuchten, hypertight gespielten Frickeltod bezeichnen darf, wobei der Touch des Robotisch-Übermenschlichen bei den jeweiligen Virtuoso-Gitarristen als ein enorm wirkungsvoller Derbheitsverstärker genutzt wird, von den unmenschlich tiefen Growls und dem rabiaten Schlagzeugspiel mal ganz abgesehen.

Exakt eine halbe Stunde lang werden dem hoffentlich unkaputtbaren Hörer die Mechanics Of Dysfunction in zehn Lektionen nähergebracht. Einen repräsentativen Song auszuwählen ist etwas schwierig und vielleicht nicht nötig, da man dieses Album als eine homogene Portion Hirnklopp internalisieren sollte. Dennoch kann man folgende vollkommen enorme MG-Salven am ehesten empfehlen: „The Surface“, „Modern Age Slavery“ und „Sleepless“. Teilweise hat man das Gefühl, dass hier sogar das absolut gestörte Necrophagist-Niveau überschritten wird, was ja eigentlich nicht möglich sein dürfte. Wie dem auch sei: Für Breaks-Freaks und Freunde des hypertechnoiden Todesbleis ist neben Art Bleeds, Colonizing The Sun, Epitaph, Warp Zone etc. dieses Album ein Total-Muss!

Coroner: Mental Vortex

Nach dem kurzen Intro wird auf unbeschreiblich begnadete Weise die Wortkonstellation „Mental Vortex“ musikalisch eingefangen. Trotz geordnet daherkommender Progriffs wird durchaus so etwas wie ein knorker Wirbelsturm erzeugt. Es geht gleich voll zur Sache, eine Feinheit folgt der anderen. An Talent nicht zu überbieten ist schließlich das qualitativ in umgekehrter Proportion zu seinem Bekanntheitsgrad stehende Solo (was natürlich für das komplette Album gesagt werden kann), das bei 4:11 in „Son Of Lilith“ einsetzt und verglichen werden kann mit einem „Kohärenz gewordenen Kosmos“ (Albensammlers Prognase, Bd. 4, S. 000). Wenn es um Musik geht, so gibt es fast nichts, was ich so gern und so ausführlich und so oft und […] und so unterschiedlich in der Formulierung ansprechen möchte wie dieses Solo, welches einen eigenen Namen verdient: Intergalaxax Ofu? 4:11er? Ich bin nicht ganz sicher, aber extraterrestrisch ist es auf jeden Fall.

Disillusion: Gloria

Bei dem Zweitwerk der Deutschen Disillusion wird sich ganz bestimmt die Frage nach der Toleranz der Fans und Befürworter ihres Debüts Back To Times Of Splendor stellen, welches die meisten noch als eine echte Perle des progressiv-epischen Death Metals à la Opeth im Ohr haben dürften. Der Hörer ist desillusioniert und fühlt sich eingeladen, ggf. kalauernde Anspielungen an den retrospektiv womöglich prophetischen Titel des Erstlings zu machen. Doch wie lange hält diese Enttäuschung an, die sich vor allem aus dem massiven Stilwechsel der Band speist, welche neuerdings eher Industrial/Gothic/Psychedelic/Electronica (Pop-)Rock als Death Metal zuzuordnen ist?

Immerhin sind fast alle der hier gebotenen Songs, so wird man schnell zugeben müssen, eigensinnig, originell und nicht unproggy ausgefallen. Also die Vorurteile schnell und mit ordentlich Scham hinweggefegt und sich ehrlich ans Liedgut rangeschmissen: Die Platte beginnt mit dem dramatischen „The Black Sea“, worin rammsteiniger Sprechgesang, poppige Stimmverzerrungen und ein paar coole Riffs ihr Werk verrichten. Die immer wieder spezielle Gitarrenarbeit, die sich im ersten Track schon andeutet, kommt im Nachfolger „Dread It“ noch mehr zum Tragen. Hier trifft eine gewisse Lockerheit auf einen epischen Refrain, der kurzzeitig auch an die „alten“ DISILLUSION anknüpft. „Don’t Go Any Further“ ist eine klare Singleauskopplung, ein clawfingringer Modern-Metal-Hit mit einem sehr einprägsamen Hauptriff. „Avalanche“ könnte glatt Black Metal sein, obgleich die gedämpften Vocals an Till Lindemann und das elektronisch angehauchte Melodiegeflecht im Hintergrund an James Bond erinnern – schon wieder bemerkenswert.

Der Titeltrack ist nicht unbedingt der beste der Platte, punktet aber mit düsteren Hintergrundsamplings, einem erneut verfremdeten Sprechgesang und seltsamen Bläsern in der Mitte dennoch ganz schön. Nach dem triphoppelnden Intermezzo „Aerophobic“ geht es mit originellem Metal weiter, diesmal ist es eine orientalische Melodie, die, unterstützt von der doppelten Fußmaschine, mitzureißen weiß. Hitverdächtig ist auch der Refrain in „Save The Past“ – unkompliziert und wirkungsvoll. Das nicht unbedingt unentbehrliche Instrumental „Lava“ ist zähflüssig und heavy umgesetzt und leitet zu dem eher langweiligen „Too Many Broken Cease Fires“ über, das durch Schwäche überrascht. Den Abschluss bildet „Untiefen“, ein düsterer und zugleich nichtssagender Song, der das Album (leider) nicht auf einem kreativen Höhepunkt ausklingen lässt. Dennoch: Wer gutes Songwriting mag und bereit ist, den Künstlern ihre legitime Weiterentwicklung zuzugestehen, der möge sich dieses interessante Album zulegen.

Ephel Duath: Pain Necessary To Know

Ephel Duath sind schön schräg von A (wie abstrus) bis Z (wie Zorn-ig, John). Mehr Avantgarde, Free Jazz und scheinbare Rifflosigkeit haben die italienischen „Ultraprog-Extremisten“ (vgl. PR-Beilage) noch nie in ein Album gepackt. So viel steht nach dem ersten Durchlauf schon einmal fest: The Dillinger Escape Plan etwa, die trotz ihrer unanzweifelbaren Abgefahrenheit häufig gleich von Beginn an gut mitverfolgbar sind (man nehme nur mal die in ihrer Krassheit doch irgendwie straighte Mathcore-Perle „43% Burnt“ von Calculating Infinity), steckt Pain Necessary To Know locker in die Tasche, zumindest was die Zugänglichkeit und Verschrobenheit angeht. In Bezug auf das Kompositorische allerdings können konkrete Angaben erst gemacht werden, nachdem man sich das unmäßige Produkt mindestens vier bis fünf Mal eingebaut hat. Alles beginnt mit einem unscheinbaren, etwas autistischen Riff. Schon bald nimmt ein ungebremstes und verrücktes Spiel mit der zunächst leicht überschaubaren Figur seinen Lauf, Tempo und Dichte nehmen zu, Unberechenbares wird hinzuaddiert und wieder subtrahiert, kleine Jazz-Kaskaden kommen und gehen, dazwischen ein bisschen Elekronikgeloope. Dann wieder Besinnung auf Klarheit, eine schöne Melodie wird herausgearbeitet und durchgehalten. Äußerst gewiefte AvantRiffs und andere Unerhörtheiten durchziehen die Platte und sorgen regelmäßig für Erfrischung. Hat man einmal das Album (mehr oder weniger) durchschauen und schätzen gelernt, erkennt man, dass es sich bei diesem artrockenden & progmetallischen Bewusstseinsstrom um ein echtes Kunstwerk handelt. Wenn man einmal von dem ein wenig schlaffen Mittelteil („I Killed Rebecca“) und einem gewissen Epigonentum gegen Ende der Platte („Imploding“) absieht, kann man eigentlich nur loben. Und das geht unter Zuhilfenahme unzähliger Attribute wie zum Beispiel: verspielt, komplex, seelenvoll, dramatisch, tiefsinnig, irre, tragisch, traumhaft, abartig, sentimental, rigoros … Wenn die offenbar gegebene Befähigung, solche Gemüts- und Geisteszustände nahezu simultan zu evozieren, kein Lob verdient, dann verdient dieses Album natürlich auch keine 1-.

Gory Blister: Art Bleeds

Damals bei Zazie Dans Le Métro hätte ich auch nicht geglaubt, dass der Film bloß 80 Minuten geht. Und hier glaubt man das mit den 26 Minuten auch nicht so auf Anhieb. Denn es steckt eine Menge an krassem Sound in dieser auf derbe, fiese, wenn nicht gar geschmacklose Art und Weise vertrackten Death/Watchtower/Atheist-Konglamelange. Die Riffs sind fast durchgehend gelungen, einige sind einsame Spitze, breakmäßig sicher ein Rekordhalter. Es geht von Anfang bis Ende zur Sache. Gleich der Beginn des ersten Liedes zaubert ein respektvolles, die gestört/bedenklich hohe Break- und Informationsdichte absolut nicht vertragen wollendes Lächeln auf die Lippen des Zuhörers. Und dann geht es weiter und lässt im Grunde genommen nicht nach. Hervorstechen tun aber vor allem Track Nr. 1, Nr. 3 und Nr. 5. Meine Güte, bei diesem Album handelt es sich um eine Art CT-gestützten Gehirntritt. „Wir, Gehirnchirurgen auf 450-Euro-Basis, kommen vorbei und machen euer HRN platt!“, scheint uns Gory (falls dies der Name des Bandlieders ist) sagen zu wollen. Herr Blister (falls das nicht bloß ein Pseudonym ist), Ihre Frickelkünste sind ganz klar bewundernswert, liefern Sie uns regelmäßig EPische Wunderwerke mit eklatanter Soundsoße ab.

Martyr: Feeding The Abscess

Wer sie noch nicht kennt, dem seien sie sofortst ins technische Death-Metal-Herz eingeklebt! Die Wunderprogger Martyr aus (dem offenbar enormen) Kanada haben mit Hopeless Hopes und Warp Zone bereits zwei erstaunlich elegante Komplexbrocken ausgetüftelt, die vor genialen Melodien, Breaks und Soli bersten, und dann kam auf den (am Geduldsfaden hängenden) Connaisseur ihr drittes Album Feeding The Abscess zu. Man kann sich vortrefflich über Besser oder Schlechter streiten, eins hat diese Platte mit ihren (nach wie vor als Geheimtipps zu behandelnden) Vorgängern gemeinsam – es ist ein aus dem Staunen nicht mehr herauskommen lassender Umhau! Mag sein, dass das Debüt der Québestien einen Tick abwechslungsreicher und vielfältiger ausgefallen ist, dafür gibt es auf dem neuen Album mehr exquisite Jazzläufe zu hören, und manchmal fiedeln sich gar genrefremde Violinen prima ins hochenergetische Gesamtkonzept ein. Die gitarristischen Aspekte des vorliegenden Werkes sind jedenfalls nach wie vor über jeden denkbaren Zweifel erhaben. Hier herrscht raffinierte Virtuosität, sowohl die rund 500 Riffs als auch Soloeinlagen sind pfeilschnell, originell und faszinierend, nicht zuletzt wegen der stets spannend aufgebauten Übergänge zwischen den einzelnen Passagen. Trotz des durchweg hervorragenden Materials gibt es einige besondere Höhepunkte zu vermelden: „Perpetual Healing (Infinite Pain)“ ist ein sehr technisches und höchst genießbares Metal-Gedicht mit einigen Trademarks der Band wie dem verquer-düsteren Dissonant-Riffing, das ein Gefühl von subtil groteskem Drama vermittelt. Nach einer Zäsur in der Liedmitte leitet eine fulminante Fusion-Einlage zum zweiten Liedteil über. „Lost In Sanity“ ist unerbittlich dargebotenes, präzis abgefeuertes Riffgehacke mit Tief-, Eigen- und (last but not least) Wahnsinn im Blut. „Feast Of Vermin“ eröffnet eindrucksvoll mit einem atmosphärischen Instrumentalpart, der dann einer Reihe von prächtigen, immer wieder durch markante Rhythmik bestechenden Riffs Platz macht. Bei „Interlude – Desolate Ruins“ handelt es sich um ein beeindruckendes Instrumental-Trauma, dessen kryptisch-schwüle Jazzrock-Attitüde den Soundtrack eines David-Lynch-Films ganz bestimmt kongenial veredelt hätte. „Nameless, Faceless, Neverborn“ schließlich ist eine ungeheuerlich daherpeitschende Prog-Metal-Attacke, die sich entwickelt und entwickelt und (wie jeder andere Song von Martyr) nie langweilig wird. Ein fein ausgearbeiteter Lick führt zum nächsten, die kompositorische Dichte kennt auch hier wieder kaum eine Grenze – die Schlussbetrachtung muss daher lauten: Martyr sprechen nach wie vor ein echtes Machtwort im technischen Death Metal. Ihnen können nur ganz wenige das Wasser reichen, denn hier gibt es eine musikalische Seele zu bewundern, die in ein beachtliches Techno-Kostüm eingebettet ist. Es gilt nämlich die perfekte Synthese von technischem Overkill à la Necrophagist und der melancholischen Vielschichtigkeit von Chuck Schuldiner / Death. Eine derart fulminante Kombination braucht die Welt unbedingt.

Opeth: Ghost Reveries

Sollte ich irgendwann einmal den Wunsch äußern, in Scheiben geschnitten zu werden, wie es die einstige, inzwischen seriös-schnöde „Reviews“ heißende Rezensionsabteilung in der Rock Hard nahelegte, dann müssten es schon recht viele sein, und vor allem auch recht progressive. Alle mögliche geile Scheiße müsste darunter zu finden sein, von Atheist bis Zero Tower, und dazwischen – neben vielen anderen klasse Bands – natürlich auch die begnadeten Opeth. Still Life, Blackwater Park und Deliverance müssten darunter auf jeden Fall vertreten sein.

Und wie stehts mit Ghost Reveries? Nun, nach dem recht meinungsspaltenden (aber leider nicht schädelspaltenden, da durchgehend sanft gehaltenen) Damnation ist dieser Output wieder richtiger Prog Metal mit (inzwischen nicht mehr) gewohnten Opeth-Trademarks wie ultramelancholischem Gesang und derbem Gegrunz geworden, wobei der Krachanteil etwas zurückgegangen ist. Obwohl harmonietechnisch auf Bewährtes zurückgegriffen wird, wirken die Songs frisch, was vor allem an der einen oder anderen progressiven Spielerei, einfallsreichen bis genialen Melodie oder den gar völlig entspannten Ambient-Parts liegt, die einen Einfluss des Elektronica-Enthusiasten Steven Wilson auf Mikael Åkerfeldt, der das Album diesmal selbst produziert hat, erkennen lassen. Insgesamt wird also genügend Neuartiges geliefert, um behaupten zu dürfen, dass die Band sich weiterentwickelt. So ist zum Beispiel der Opener „Ghost Of Perdition“ sehr vielfältig und kann seiner im besten Sinne des Wortes heterogenen Gestaltung wegen durchaus als repräsentativ für das gesamte Album gesehen werden. „The Baying Of The Hounds“ bietet ebenfalls viel Abwechslung in Form von edlem Prog-Riffing und einem entrückten Mittelteil, zusätzlich sorgt eine Hammondorgel für gelungene Erweiterung des Gesamtsounds. „Beneath The Mire“ beginnt mit einem recht exotischen Riff und mündet über einige Zwischenspiele hinweg in einen ersten emotionalen Höhepunkt des Albums, wo eine gewohnt exzellente Akustikgitarre den sehr gefühlvollen Gesang begleitet. „Reverie/Harlequin Forest“ ist ein gehaltvoller, cleverer Überzehnminüter geworden, während „Isolation Years“, eine sehr fragile Ballade, vor allem mit ihrem wunderschönen, etwas an James LaBrie / Dream Theater erinnernden Chorus glänzt. Aufgrund einiger Stilerweiterungen mag Ghost Reveries vielleicht einen Tick filigraner als die Vorgänger ausgefallen sein, was diese natürlich nicht im Geringsten herabwürdigen soll: Cineasten aufgepasst – großes Kino!

Sieges Even: Steps 

Ein Problem ist der Sänger, der so klingt, als würde er gewürgt. Eigenwillig möchte man das nennen, gedrückt, so viel seltsamer als etwa die göttlichen Vokalisten von Fastes Warming oder Sukkotic Ploetz (die Tatsache der Veralberung der Bandnamen ist nichts anderes als verkappte Respektsbekundung). Dagegen sind hier viele Melodien und Elemente vertreten, die besondere Achtung verdienen und sehr begnadet rüberkommen. Nach dem einen oder anderen Vertrack kommt ganz unverhofft so ein Hammerteil von Tonfolge, dass es dir die Eingeweide in eine 5*-Amazon-Rezension umkocht. Nur komme ich mit einem der letzten Lieder nicht ganz klar, wo nämlich Versatzstücke aus Watchtowers „Control & Resistance“ auftauchen inkl. Textzeilen wie „Controlled by confusion, confused by control“, obwohl nirgends angegeben ist, dass dies Plagiart sein soll. Für Progfans jedenfalls ist der Besitz (und am besten auch das Eigentum) dieser Scheibe eine Ehrensache!

Aktor: Paranoia

Mindestens neun von zehn Songs dieses ersten abendfüllenden Albums des finnisch-amerikanischen Trios schaffen es auf Anhieb, sich gleichermaßen im Herz wie Hirn festzusetzen, weil sie einerseits eins a eingängig, andererseits subtil skurril sind und damit emotional wie intellektuell überaus ansprechen. Während der lässig-harmlose Opener „Devil And Doctor“ nicht so recht die kompositorische Originalität und Dichte, aber schon durchaus die himmlische Tightness von Aktor einfängt, offenbart sich beim nachfolgenden „Gone Again“ gleich zu Beginn ein eigenwilliger, voivodesker Ansatz, der Paranoia zu einer reichlich unprätentiös, aber dafür umso effektiver proggenden Melodic-Rock/Metal-Platte macht. Auch alle nachfolgenden Stücke glänzen mit mindestens einem eigentümlichen Kerngedanken, auf den etwas grobe „Widerhaken in Lippe“-Metapher nicht so recht passen mag, sondern eher das Bild eines delikaten, den Hörer erfrischenden und erfreuenden Sommerabendlüftchens. „Stop Fooling Around“ ist von Thresholder Jenseitigkeit, „I Was The Son Of God” klingt mit seinen melancholisch-schrulligen Keyboards ein bisschen wie der Soundtrack zu einem Indie-Retrogame, und „Where Is Home“ hat gar einen outlandishen Grusel-Refrain in petto. All diese präzis angebrachten Schrägen und Kanten runden das Werk derart ab, dass die Vokabel „genial“ ganz ohne schlechtes Gewissen gezückt werden darf. So viel Inspiration, Finesse und Musikalität in nur 34 Minuten Spieldauer – da klatscht es Beifall (und zwar ausschließlich).

Redemption: The Fullness Of Time: „Sapphire“

Gewiss ist „‚Sapphire’ ist die genialste Komposition aller Zeiten!“ eine gewagte Behauptung, wenn man bedenkt, dass es da solch umwerfende Musikgiganten wie Bach, Jean-Michel Jarre, Queen oder Dream Theater gibt, um nur mal drei von rund googol äußerst begabten Tonkünstlern zu nennen. Aber „Sapphire“ verdient wenigstens die Top-Platzierung in den Kategorien „Beste Prog-Metal-Ballade“, „Emotionalster Love-Song“, „Vielschichtigster Spannungsbogen“ und „Atemberaubendste Melodik“. Der Song erzählt die vielleicht zu 2,7 Prozent kitschige und weit über 180 Prozent mitreißende, von Larger-than-Life-Tragik getragene Geschichte einer verlorenen Liebe. Der leidenschaftliche Gesang von Ray Alder (nomen est omen), den man ja von diversen Fates-Warning-Masterkloppern kennt, ist Gott.

Weitere Götter, die zum Ultragelingen dieses ultramelancholischen Opus magnum beigetragen haben, sind das sagenhafte Talent van Dyks, echte menschliche Gänsehaut durch die perfekte Mischung aus Herz und Hirn, authentische Lyrics, grandiose Arrangements und nicht zuletzt eine eindrucksvolle Dramaturgie hervorzulocken, die mit erstaunlicher Leichtigkeit und Präzision für Abwechslung, Power, Fragilität, Genialität, Härte, Epik, geradezu jenseitige Nostalgie, und natürlich jede Menge Genialität sorgt. Die Riffs, die Soli, das Storytelling – man möchte fast sagen, dass Redemption mit diesem kolossalen Edelstein von Liedgut die Erschaffung eines eigenen emotionalen Kosmos geglückt ist. „Sapphire“ ist also für den (melodischen) Prog Metal das, was Bill Gates für Geld, Stephen Hawking für ALS, Wikipedia für Nachschlagewerke oder Google für Künstler ist, die sichergehen wollen, dass ein von ihnen soeben ersonnener Spontan-Neologismus wie etwa „Grüchnauß“ tatsächlich einzigartig ist und nicht etwa in irgendeinem Blog oder Nickname bereits seit dem Mauerfall Verwendung findet. Doch zurück zur simplen Formel, welche ich im Laufe der letzten Jahre erarbeitet habe: „Sapphire“ = Gott.


Jens Marder veröffentlichte bereits 2009 einen Artikel im Online-Magazin Amazon, den 28 Personen als hilfreich markiert haben. Bei postmondän fiel er bereits als Autor der korrespondierenden Liste Wurst of Metal über schlechte und unbedeutende Veröffentlichungen des Genres positiv auf. Jetzt weiterlesen!

Sleepless in Reykjavík – An interview with Sóley

Sóley’s third album “Endless Summer” raises questions. After her dreamy debut “We Sink” and the almost depressive “Ask the Deep” we began thinking she can’t surprise us anymore – but then she suddenly does the unthinkable: creating cheerful music. At least that’s what she claims. Scenic lyrics are still combined with the piano and a remarkable voice. Apart from that she did not only paint her studio in new colours but also definitely stopped killing clowns. Nevertheless she accidentally ended up in an Icelandic thriller. Weird stuff. We have questions. So many questions.

An interview by Moritz Bouws and Gregor van Dülmen


Congratulations for your new album which is called “Endless Summer”. Is that a desire you have during these long Icelandic winters – to have an endless summer?

Yeah, in a way. Because I started writing it in January and it can be quite dark in Iceland then. So there is always this time when you’re craving for summer. Actually the title came up before I started writing the album. Consequently, I decided to make an album that is going to be called “Endless Summer” although I didn’t know how it would sound.

It’s also linked to the Icelandic summer because the sun never goes down, so it feels kind of endless. You just wake up, there’s a new day and you never go to sleep – there’s so much energy. It’s kind of a mixture of both craving for summer and the endless character of the Icelandic summer. Everything fades into each other, like day and night.

In comparison to your previous record “Ask the deep”, which was released in 2015, “Endless Summer” apparently has a far more optimistic approach. You dedicated the opening song (Úa) to your two year old daughter. Would you say that this optimism is due to the impact your daughter has on your work recently?

Probably in a way, yes. It’s funny how children change your life. I don’t know if you have got children, but life will never be the same. First, I’m more tired and I’d never been that tired in my life before. But when you see a child born, there’s just a weird thing going on. Life is just amazing. Having a child is amazing. I never wanted to write ‚mommy songs‘ or something like that. But it definitely has an effect on how I want to be. Obviously I want to be a good role model for her. I don’t want to be in this depressing shit all my life. I guess this is my attempt to get out, like crawling back seeing the lights of the happy end of the tunnel thinking, “I wanted to go there. This is where I want to be.” Maybe she inspired me in a good way. Well, I’m pretty sure she does.

Recording impressions:

source: Twitter

And apart from your daughter: what influences you when you make music? For instance, you painted the walls of your studio purple and yellow. Does it matter which colours are surrounding you?

I think so. I think it’s the mood I’m in, the emotional state I’m in when I make albums. I had a plan for this album: I wanted to write a song in a major key. That was one of my goals, because I never had written songs in a major key. So now I achieved that. Besides I wanted to make more music just with piano and voice, going back to my roots. I love sitting by the piano playing a theme. Apart from that I wanted to challenge myself a bit. Regarding the compositions I tried to make it more complex. I just wanted to sit by the piano and make a new album. So I sat down and those songs just came out. That’s what I did.

Which colours are you going to choose for your next album?

Well, that’s a good question. Which are the remaining options? My daughter’s favourite colour is pink. First I replied, “Don’t you like black?”, but she said, “No, I like pink and purple and glitter and gold.” However, I think about a lot of colours when I’m writing albums. For this one I preferred brighter colours. With regard to that my friend Inga (Ingibjörg Birgisdóttir), who does the artwork, and me have a close collaboration. I told her about the colours I was thinking about and she made it kind of bluish. There’s also a little bit of pink in there. But in the end she decides. I have these ideas of colours, but it’s her work to make it visually look like how it sounds. To answer you question, obviously pink will be the colour for the next album.

Album cover by Birgisdóttir Ingibjörg

Last year you played a small tour in order to try if people like your new songs and the new major key sound. Did you really fear losing the interest of your audience while working on your new album?

Hmmm, good question! I don’t know. It was like this: I showed the album to people saying, „Guys, I made a happy album.“ And everyone who listened to it replied, „It’s not really happy.“ I assume I have a lower standard of happiness than other people. I couldn’t really act like “la la la la”, so we are meeting in the middle. I think it’s not a happy album. It’s more an album where you crave for what you love. Would I love an endless summer? I don’t think so. But I like craving for it. I kind of like it, when you have this desire for summer.

On this tour you also introduced your new live band, including a small orchestra and a second vocalist. What are the main differences playing with such a huge ensemble in comparison to the minimalistic sets you used to play before?

It’s much more fun. I won’t say anything against my friends who were working in my band, they’re unquestionably great. But what I love about it is that I actually could play these songs acoustically without any amplification. I don’t like my voice quietly. Composing and arranging a band is what I always want to do. I definitely would like to make an album with a symphonic orchestra. Maybe the next one, we’ll see. At the moment we’re rehearsing for the upcoming tour but having a big band on tour is quite expensive. In fact there’s a willingness on both sides, but financially we have to wait what happens. It definitely will be a bigger band.

Sóleys aktuelle Single “Grow”:

Quelle: YouTube

Your Berlin concert on that tour was at a church (Passionskirche Kreuzberg). This year in May you come back to Berlin and play a show at a church again (Apostel-Paulus-Kirche in Schöneberg). In Cologne you play at „Kulturkirche“, which also was a church once. Why do you choose churches? Is it just the sound?

Yes, on the one hand it’s the acoustics. Even though it sometimes can evoke a crazy reverb. But that’s the problem of my sound technician. On the other hand I also think when you enter a church the vibe is totally different to when you go to a club. I’m not a big fan of me playing in a club because I don’t think it fits me or my project. So I’m always trying to be at sitting shows where people are not really drunk but listen for an hour and then go for a drink. Because I love just sitting down and listening, enjoying.

And your show in Leipzig is at Felsenkeller which is quite a special venue, too. As you possibly know all these cities are well-known for having many music clubs. Is this characteristic important to you when you are on tour?

I love Germany. I’d like to live in Germany. I like both playing in bigger cities and small towns in Germany, Italy, and so on. It’s also nice to visit towns you’ve never heard about before and to see so many people showing up. It’s a nice mixture of both. It’s also hard when you play only big cities. It’s a longer drive. But it makes sense to do it in a way. I like both. And I love Leipzig.

What’s really interesting for us is the close collaboration that within the Icelandic artistic scene you’re a part of. You support each other on records, go on tour together, and apart from that established artists don’t forget to promote young talents. Do networks like Icelandic Music Export Office play a role for these collaborations or are all of you just friends who support each other in creating their own music?

I think both. Export Office has a really important part in the Icelandic scene. They have contacts and they are willing to help artists – like even me when I’m lost in the music industry. We have a coffee and we talk about it. And it’s important for new bands, too. I’m thirty, I don’t know people who are twenty and starting making music now. So I’m just growing up with my generation of the music scene. I think these networks are really important to get to know each other. There are just tons of bands and musicians, and there a young kids who do cool stuff. So people just talk about new stuff and then go taking it out.

But can you still say that generally you all know each other?

Yes. If we don’t know each other we know the same friends. It’s really small. So it’s really hard not to know each other. The music scene is really close, we’re all buddies. And it’s fun.

The Icelandic music export obviously works very well. Your last album “Ask the Deep” even was used for a German TV crime television series. Do you know about this?

Ehm, what is it called?

“Der Island-Krimi”. Like “The Icelandic Crime Show”.

Really? I don’t know everything that happens with my music. But I might have gotten an email about that. Okay, that’s funny.

It was a big production, starring Franka Potente. So everybody knows you now in Germany.
Is it a crime show about Iceland?

The other kind of music video:

Yes, it’s set in Iceland and has German actors who pretend to be Icelandic.

Oh my god, I have to see it. I’d like to see German people acting like Icelanders.

Since the sound of the record was dark and heavy it actually fit very well with the mood of the series. What kind of TV series do you think would be a good fit for your new album?

I love this one song, the last song “Endless Summer”. I thought it might fit to a teenage movie or maybe to “Skam”. It’s a series from Norway and it’s about kids in college. I watched all episodes. I’m going to talk to my manager to put the song in this season, it’s really popular. There’s a lot of cool music in it. They even have a Spotify playlist featuring many popular songs from Scandinavia.

You used to tell this poetic horror fairytales on your earlier albums. And still your lyrics are very scenic and theatrical. Did you ever think about publishing a book with the stories you make up? Or will music always be more important to you?

No, I thought about it. Actually I started writing a book two times. I’m always to busy and I don’t have time for it.

Maybe when you’re old?

Yeah, maybe when I’m old and have a whisky voice and don’t like to sing anymore. Well, I’m thinking about writing Icelandic poems. I’m going to release a poem book one day, either in Icelandic or English. I mean, Icelandic is my mother tongue, so for me it’s easier to express myself. Let’s see.

Talking to you or watching you playing a show it seems that humour plays a big role in your life. But your songs, especially the older ones, on the other hand have titles like “I’ll drown”, “Smashed Birds”, “Follow me down” or “Kill the clown”. Is that something you do when you write music: Kill the clown inside of you to make some serious art?

(laughter) I don’t know who I am when I write this stuff. I hope this child will make me a better person. I’m afraid of myself sometimes. Why would someone write this down and even release it? I mean, I can’t watch horror movies because I’m so afraid, I can’t go to the bathroom for months after I watch “The Shining” or something comparable. So this is my approach: to write a horror song, and just imagining it – and I know I wrote it so it’s not real. This is my thing to satisfy the horror desire. Because you need something scary in your life, it keeps your heartbeat going.

Sóley – Kill the Clown (live):

Quelle: YouTube

So you write horror stories because you can control them?

Exactly. That’s a good thing. Because I can choose the end. Or can I? I don’t know. I like it, but on my new album I was writing less about horror stuff, I guess. I was just trying something else. And I think it’s always good to not to get stuck anywhere and challenge yourself, do something. Because usually I would say that I would never write a song about my daughter or I’d never write songs in a major key, because it’s not me.

But then I question that and ask myself: Why don’t I do that? Why would I put myself in a box? Why don’t I try out something else and see what happens ? And that was just what I was trying to do on my new album. I just tried out a lot of stuff I thought I wasn’t supposed to do because I had put myself in some sort of box.

And we think it really worked out.

I’m really happy with the album. I did it in a year, I just shut down and all these songs came out and I was pushing songs out and I didn’t force anything. So all these songs just came within four months and then I just finished them. Why should I spend more time with it? So I’ll just release it and start to do something else. I don’t know about working on an album for ten years and I think life is too short to do it. You just start doing something new. I enjoyed the process of making the album, it’s all really natural. I’m really happy.

So best wishes for the release and thank you for the interview.

Danke. See you around.


Sóleys third album “Endless Summer” will be released on may the 5th at Morr Music. Afterwards she’ll play a tour with a small or big band in small and big towns:

May 10 Kulturkirche Cologne, Germany
May 11 Felsenkeller Leipzig, Germany
May 12 Apostel-Paulus-Kirche Berlin, Germany,
May 14 Mousonturm Frankfurt Am Main, Germany
May 16 Hybernia Theater Prague, Czech Republic
May 18 Aula Artis Poznan, Poland
May 19 NIEBO Warszawa, Poland
May 20 Kino-Teatr RIALTO Katowice, Poland
May 21 Brno, Czech Republic
May 23 A38 Budapest, Hungary
May 24 Culture Factory Zagreb, Croatia
May 25 Kino Šiška Ljubljana, Slovenia
May 27 Posthof Linz, Austria
May 28 A4 Bratislava, Slovakia
May 29 WUK Vienna, Austria
Jul 04 Covo Summer Bologna, Italy
Jul 05 Circolo Magnolia Segrate Milano, Italy

Cover picture: © Birgisdóttir Ingibjörg

Schlaflos in Reykjavík – Sóley im Interview

Sóleys drittes Album „Endless Summer“ wirft Fragen auf. Nach dem verträumten Debüt „We sink“ und dem fast depressiven „Ask the Deep“ – und gerade als man dachte, sie könnte uns nicht mehr erschüttern, macht die Isländerin plötzlich das Undenkbare: fröhliche Musik. Zumindest behauptet sie das. Immer noch treffen szenische Songtexte auf Klavier und präsenten Gesang. Aber nicht nur ihrem Studio hat sie einen neuen Anstrich verpasst. Und Sóley hat definitiv aufgehört, Clowns zu töten. War aber trotzdem aus Versehen im Island-Krimi. Fragen über Fragen:

Das Interview führten Moritz Bouws und Gregor van Dülmen


Herzlichen Glückwunsch zu „Endless Summer“, deinem neuen Album. Wie kamst du auf den Titel? Ist ein endloser Sommer so eine Sehnsucht, die man während des langen isländischen Winters entwickelt?

Ja, in gewisser Weise. Als ich anfing, das Album zu schreiben, war Januar. Und Januare sind oft sehr dunkel in Island. Da ist immer dieses Verlangen nach Sommer. Der Titel stand schon fest, bevor ich angefangen hab, das Album zu schreiben. Es stand fest, dass es „Endless Summer“ heißen soll, obwohl ich keine Ahnung hatte, wie es klingen könnte.

Der Titel bezieht sich aber auch auf die isländischen Sommer. Die Sonne geht hier nie wirklich unter und es fühlt sich irgendwie endlos an. Du wachst auf, es ist immer ein neuer Tag da, du gehst nie schlafen und es gibt so viel Energie. Der Titel ist also eine Mischung aus beidem: der Sehnsucht nach Sommer und dem endlosen Charakter isländischer Sommer. Alles strömt ineinander, wie Tag und Nacht.

Und im direkten Vergleich zu deinem letzten Album „Ask The Deep“ (2015) hat „Endless Summer“ ja einen einen deutlich optimistischeren Ansatz. Den Eröffnungssong „Úa“ hast du deiner zweijährigen gleichnamigen Tochter gewidmet. Würdest du sagen, dieser Optimismus ist der Einfluss, den deine Tochter auf deine Arbeit nimmt?

Bestimmt. Es ist witzig, wie Kinder dein Leben verändern. Ich weiß nicht, ob ihr Kinder habt, aber das Leben wird nie dasselbe wie zuvor sein. Zum einen bin ich viel müder seitdem – ich war in meinem Leben noch nie so müde. Aber wenn man sieht, wie ein Kind geboren wird, passiert etwas Merkwürdiges. Das Leben ist einfach großartig. Ein Kind zu haben ist großartig. Ich wollte niemals Mami-Songs oder Ähnliches schreiben. Aber es wirkt sich definitiv darauf aus, wie ich sein möchte. Denn ich möchte meiner Tochter ein gutes Vorbild sein. Ich will nicht mein ganzes Leben lang in diesem depressiven Scheiß feststecken. Was ich jetzt mache, ist mein Versuch, herauszukommen, auf das Licht am glücklichen Ende des Tunnels zuzukriechen und mir zu sagen: „Ich will hier raus. Das ist, was ich sein will.“ Ich glaube, sie inspiriert mich auf eine gute Weise.

Aufnahme-Impressionen:
https://twitter.com/soleysoleysoley/status/852127261012766721

Quelle: Twitter

Was beeinflusst dich denn außer deiner Tochter noch, wenn du Musik machst? Spielt die Farbe deiner Studio-Wände eine Rolle? Denn du hast sie vor den Aufnahmen lila und gelb gestrichen, oder?

Ich glaube schon. Aber es ist vor allem die Stimmung, in der ich bin, die Gefühlslage, in der ich bin, wenn ich ein Album mache. Denn ich hatte für das Album einen Plan. Eines der Ziele war, endlich einmal einen Song in Dur zu schreiben. Das hab ich noch nie gemacht. Jetzt habe ich es geschafft. Außerdem wollte ich wieder stärker zu Klavier und Stimme zurück, zurück zu meinen Wurzeln. Ich liebe es, am Klavier zu sitzen und ein Thema zu spielen. Das ist eigentlich meine Lieblingsbeschäftigung. Und ich wollte mich in den Kompositionen ein wenig herausfordern und versuchen, sie komplexer zu gestalten. Ich wollte am Klavier sitzen und ein neues Album machen. Das hab ich getan. Ich saß also da und die Songs kamen dabei heraus.

Welche Wandfarben wirst du für dein nächstes Album wählen?

Gute Frage. Was ist noch übrig? Die Lieblingsfarbe meiner Tochter ist pink. Ich hab sie gefragt, ob sie nicht vielleicht schwarz mag, aber sie präferiert derzeit eher pink, lila, Glitzer und Gold. Ich denke tatsächlich viel über Farben nach, wenn ich Alben schreibe. Ich wollte bei dieser Platte auf jeden Fall hellere Farben haben. Ich arbeite auch sehr eng mit meiner Freundin Inga (Ingibjörg Birgisdóttir) zusammen, die die Artworks zu meinen Alben macht. Ich hab ihr von den Farben erzählt, an die ich dachte, und sie machte daraus etwas Bläuliches – vielleicht sogar mit ein paar Pink-Anteilen. Aber ich überlasse ihr die Wahl. Ich hab nur eine Vorstellungen von Farben, sie schafft es, das Album so aussehen zu lassen, wie es klingt. Aber die Wandfarbe fürs nächste Album wird auf jeden Fall pink.

Album-Cover von Birgisdóttir Ingibjörg

Letztes Jahr hast du eine kleine Europa-Tour gespielt, um herauszufinden, ob dein neues Album und dein neuer Sound deinem Publikum gefällt. War das wirklich eine Angst die du hattest – dein Publikum zu verlieren?

Ich weiß nicht. Es lief dann eher so: Ich hab das Album allen gezeigt und gesagt “Guckt mal, ich hab eine fröhliches Album gemacht.” Und alle haben es sich angehört haben und meinten: “Das ist eigentlich gar nicht richtig fröhlich.” Ich glaube, ich hab niedrige Ansprüche an das Glück als andere Menschen. Ich konnte nie so richtige “la la la la”-Musik machen, also treffen wir uns in der Mitte. Ich glaube, es ist kein fröhliches Album, sondern eher ein Album, das sich nach Liebe sehnt. Würde ich einen endlosen Sommer haben wollen? Ich glaube nicht. Aber ich mag es, mich danach zu sehnen. Ich mag es, diese Sehnsucht nach Sommer zu haben.

Auf dieser Tour hast du auch deine neue Live-Band vorgestellt, die auch eine kleines Orchester und eine zweite Sängerin beinhaltet. Was sind die Hauptunterschiede dazwischen, mit einem so großen Ensemble zu spielen statt mit der minimalistischen Band, mit der du vorher unterwegs warst?

Es macht einfach viel mehr Spaß. Nichts gegen meine Freunde, die vorher schon in meiner Band waren – die sind super. Aber was ich daran so liebe, ist, dass ich die Songs tatsächlich akustisch ohne Verstärker spielen könnte. Das ist, wohin ich wollte. Leise mag ich meine Stimme gar nicht so gern. Ich wollte immer schon Songs für eine Band arrangieren und würde echt gern auch mal ein Album mit einem Sinfonieorchester machen. Vielleicht ja das Nächste. Ich komponiere und arrangiere das dann auch gern alles. Aber wir werden sehen. Momentan proben wir zusammen für die anstehende Tour, aber es ist echt teuer, mit einer großen Band unterwegs zu sein. Ich wollte es mal ausprobieren und zusammen diese kleine Tour zu spielen. Alle würden gern mitkommen auf der Tour, aber wir müssen finanziell schauen, was passiert. Eine größere Band wird es aber definitiv sein.

Sóleys aktuelle Single „Grow“:

 

Quelle: YouTube

Das Berlin-Konzert auf dieser Tour letztes Jahr fand ja in einer Kirche (Passionskirche Kreuzberg) statt. Auch im Mai spielst du wieder in einer Berliner Kirche (Apostel-Paulus-Kirche in Schöneberg). Und in Köln spielst du in der Kulturkirche, einer ehemaligen Kirche. Warum immer Kirchen? Ist die Akustik der vorrangige Grund?

Ja, auf der einen Seite ist es die Akustik. Obwohl man manchmal echt mit einem Wahnsinns-Hall zu kämpfen hat. Aber das ist ja das Problem meines Tontechnikers. Auf der anderen Seite ist die Stimmung in einer Kirche aber auch eine völlig andere als in einem Klub. Ich bin keine große Freundin davon, in einem Klub zu spielen, denn ich finde nicht, dass es zu meinem Projekt passt. Deswegen versuche ich immer bestuhlte Shows zu spielen, bei denen die Leute nicht einfach nur betrunken sind, sondern sich für eine Stunde hinsetzen und Musik hören – und danach was trinken gehen. Es gefällt mir, sich einfach hinzusetzen, zuzuhören und zu genießen.

Und dein Konzert in Leipzig findet ja ebenfalls an einem besonderen Ort statt, im Felsenkeller. Die ganzen Städte, in denen du spielst, sind sehr berühmt für ihre Klub- und Musikszenen. Ist das ein Auswahlkriterium für dich, wenn du deine Tour planst?

Mir gefällt Deutschland. Ich würde hier leben. Ich spiele gern in den großen Städten, aber genauso gern mag ich es in kleinen Städten, sei es in Deutschland, Italien oder woanders, zu spielen. Es ist schön in eine Stadt zu kommen, von der ich noch nie etwas gehört habe, auf die Bühne zu gehen und zu sehen, dass so viele Menschen gekommen sind. Beides zusammen ist eine schöne Mischung. Und nur in großen Städten zu spielen ist echt schwer. Man muss auch viel weiter fahren. Es ist also sinnvoll, es so zu machen. Ich mag beides. Und ich liebe Leipzig.

Was für uns ebenfalls sehr spannend ist, ist die Musikszene, aus der du kommst und die enge Zusammenarbeit zwischen isländischen Musiker*innen untereinander. Ihr begleitet euch gegenseitig bei den Aufnahmen, begleitet euch in verschiedenen Projekten auf Tour, und unterstützt nicht nur etablierte Künstler, sondern fördert auch junge Talente. Seid ihr einfach alle miteinander befreundet oder spielen dabei auch Netzwerke wie zum Beispiel das Iceland Music Export Office eine Rolle?

Ich glaube, es ist beides. Das Export Office ist sehr wichtig für die isländische Musikszene. Es verfügt über Kontakte, und man ist dort bereit, Künstlern zu helfen – auch mir, wenn ich in der Musikindustrie verloren bin. Wir trinken einen Kaffee und reden darüber. Für junge Bands ist es ebenfalls sehr wichtig. Ich bin dreißig und kenne die Leute nicht, die erst zwanzig sind und gerade anfangen Musik zu machen. Ich wachse nur mit meiner Generation der Musikszene auf. Deswegen glaube ich, dass diese Netzwerke sehr wichtig sind, um einander kennenzulernen. Es gibt einfach unzählige Bands und Musiker*innen, und es gibt wirklich viele Kids, die ziemlich coole Sachen machen. Also sollte man sich treffen, über neue Projekte reden und das mit hinaustragen.

Kennt ihr euch alle untereinander?

Ja. Wenn wir uns nicht persönlich kennen, dann zumindest über gemeinsame Freunde. Die Szene ist wirklich klein. Es ist also schwer, sich nicht gegenseitig zu kennen. Wir stehen uns alle nahe, wir sind alle Buddys. Und das ist schön.

Der Musikexport scheint zu funktionieren. Dein letztes Album „Ask The Deep“ hat es ja sogar in den Soundtrack einer deutschen Krimiserie geschafft. Weißt du davon?

Ämm, wie heißt die Serie?

„Der Island-Krimi“.

Was? Ich weiß leider nicht alles darüber, wie und wo meine Musik verwendet wird. Aber es könnte sein, dass ich da eine E-Mail bekommen hab. Okay, das ist lustig.
Das war eine große Fernseh-Produktion, mit Franka Potente. Dich kennt also jetzt jeder in Deutschland.

Und das ist eine Krimiserie über Island?

Ja, es spielt in Island, mit deutschen Schauspielern, die so tun als wären sie Isländer.
Oh mein Gott, das muss ich sehen! Ich würde gern Deutsche sehen, die sich wie Isländer verhalten.

Die andere Art von Musik-Video:

Quelle: YouTube

Der dunkle, schwere Sound des Albums passte aber ziemlich gut zur Stimmung der Serie. Was würdest du denn sagen, zu was für einer Serie dein neues Album passen würde?

Ich mag „Endless Summer“, den letzten Song. Ich dachte, er passt vielleicht zu einem Teenie-Film oder zu „Skam“. Das ist eine norwegische Serie über College Kids. Ich hab alle Folgen gesehen. Ich hoffe und spreche mal mit meinem Manager, ob er den Song in der neuen Staffel unterbringen kann. Die Serie ist sehr berühmt und hat viel coole Musik. „Skam“ hat auch eine Spotify-Playlist, auf der auch viele berühmte skandinavische Songs auftauchen.

Auf deinen früheren Alben hast du immer diese poetischen Horror-Märchen erzählt. Und auch auf dem neuen sind die Texte sehr szenisch und theatralisch. Hast du jemals darüber nachgedacht, ein Buch aus diesen Geschichten zu schreiben? Oder wird Musik für dich immer wichtiger bleiben?

Nein, ich habe tatsächlich darüber nachgedacht. Ich habe schon zweimal angefangen ein Buch zu schreiben. Aber ich bin immer zu beschäftigt und hab dann doch keine Zeit dafür.

Vielleicht wenn du alt bist?

Genau, vielleicht wenn ich alt bin, und mit meiner Whisky-Stimme eh nicht mehr singen kann. Aber ich denke darüber nach, Gedichte auf Isländisch zu schreiben. In meiner Muttersprache ist es für mich einfacher, mich auszudrücken. Mal sehen.

Und wenn man sich so mit dir unterhält oder dich bei einer Show sieht, fällt auf, dass Humor in deinem Leben eine wichtige Rolle spielt. Deine Songs tragen dagegen aber oftmals Titel wie „I’ll drown“, „Smashed Birds“, „Follow me down“ oder „Kill the Clown“. Ist das etwas, was du tust, wenn du Musik schreibst: deinen inneren Clown töten, um ernste Kunst zu machen?

(lacht) Ich weiß nicht, wer ich bin, wenn ich diese Songs schreibe. Ich hoffe, das Kind macht mich zu einem besseren Menschen. Manchmal habe ich vor mir selbst Angst. Warum schreibt jemand sowas und veröffentlicht es auch noch? Ich kann noch nicht mal Horrorfilme gucken. Ich habe solche Angst davor, dass ich Monate lang nicht ins Bad gehen kann, nachdem ich „Shining“ geguckt habe. Mein Ansatz ist also: Ich schreibe einen Horror-Song und denke mir die Geschichte aus – also ich weiß, dass das, was ich geschrieben habe, nicht real ist. Auf diese Weise stille ich mein persönliches Horrorbedürfnis. Denn man braucht etwas Unheimliches in seinem Leben, es hält den Herzschlag in Gang.

Sóley – Kill the Clown (live):

Quelle: YouTube

Du schreibst Horror-Geschichten also, um sie kontrollieren zu können?

Genau. Weil ich das Ende bestimmen kann. Kann ich das? Ich bin mir gar nicht sicher. Ich mag es, aber auf dem neuen Album wollte ich weniger Horror. Ich wollte etwas Neues probieren. Es ist immer besser sich selbst herauszufordern, anstatt festzustecken. Denn normalerweise würde ich nie ein Lied über meine Tochter oder ein Lied in Dur schreiben, weil es nicht zu mir passt. Aber sowas stelle ich in Frage und frage mich: Warum machst du das nicht? Warum steckst du dich in eine Schublade und versuchst nicht etwas Neues, einfach um zu sehen, was passiert? Und das hab’ ich auf dem neuen Album versucht. Ich habe viel Neues ausprobiert, von dem ich dachte, dass ich es nicht tun sollte, weil ich mich selbst in eine Art Schublade gesteckt hatte.

Was sich auf dem Album auf jeden Fall auszahlt.

Ich bin mit dem Album wirklich zufrieden. Ich hab es in einem Jahr fertiggestellt, habe mich einfach eingeschlossen und all diese Songs kamen heraus, ohne dass ich es erzwungen habe. Die Songs waren nach vier Monaten alle da und dann habe ich sie einfach fertig gemacht. Warum sollte ich länger daran arbeiten? Ich werde sie einfach veröffentlich und mich etwas Neuem widmen. Ich weiß nicht, wie es ist, über zehn Jahre an einem Album zu arbeiten, und ich glaube dafür ist das Leben einfach zu kurz. Man sollte einfach anfangen, etwas Neues zu machen. Ich habe den Entstehungsprozess des Albums sehr genossen, er war sehr natürlich. Ich bin wirklich glücklich.

Wie schön. Alles Gute für den Release und vielen Dank für das Interview.

Danke. Wir sehen uns.


Sóleys drittes Album „Endless Summer“ erscheint am 5. Mai bei Morr Music. Danach spielt sie mit einer kleinen oder großen Band in großen und kleinen Städten:

10.5. Kulturkirche Köln, DE
11.5. Felsenkeller Leipzig, DE
12.5. Apostel-Paulus-Kirche Berlin, DE
14.5. Mousonturm Frankfurt Am Main, DE
16.5. Hybernia Theater Prague, CZ
18.5. Aula Artis Poznan, PL
19.5. NIEBO Warszawa, PL
20.5. Kino-Teatr RIALTO Katowice, PL
21.5. Brno, CZ
23.5. A38 Budapest, HU
24.5. Culture Factory Zagreb, HR
25.5. Kino Šiška Ljubljana, SI
27.5. Posthof Linz, AT
28.5. A4 Bratislava, SK
29.5. WUK Vienna, AT
4.7. Covo Summer Bologna, IT
5.7. Circolo Magnolia Segrate Milano, IT

Titelbild: © Birgisdóttir Ingibjörg

A life dedicated to music. An interview with Notwist singer Markus “Rayon” Acher

This week Markus Acher released his new solo album “A Beat of Silence” on Morr Music, it’s his second full length album under the synonym “Rayon”. He is known best for his various other projects which deserve articles of their own – however, there is one thing they all have in common: musical sensitiveness, diversity and devotion. In this interview he talks about his motivation and what is yet to come in his musical life.

An interview by Moritz Bouws and Gregor van Dülmen, translated into English by Martin Kulik and Moritz Bouws


Let’s get this straight: „Notwist“ or „The Notwist“? Does it matter?

It really doesn’t – we’re not overly uptight about that. We called us “The Notwist” back when we thought: This sounds like “underground”.

Just for keeping track – could you please list all names of the bands and synonyms under which you performed or released records with?

Certainly. Here it goes: Notwist, Lali Puna, Rayon, Tied + Tickled Trio, You + Your D. Metal Friend, 13&God, Village of Savoonga, Hochzeitskapelle, 3 Shades.

That’s quite a few. How much time do you spend in studios and rehearsal rooms?

Oh, a lot actually. However, much of the stuff we did in the studio can also be worked from our computers at home now. But of course it’s always invaluable to record together.

What’s the process creating a (The) Notwist album like?

Primarily: really slow. Apart from that, there are different ways in which we make an album. Everyone composes by themselves, then we share ideas, go to the studio together and record, edit the different parts etc. But that’s really an individual process that is very specific to particular songs. Somewhere along this line an idea for the whole record is born that unites all the different parts. That’s really important because otherwise you have nothing to aim for.

“With the labels, concerts, records and fanzines we created an alternative for ourselves – against our reactionary, conservative and catholic surroundings.”

Now that you released “Superheroes, Ghostvillains + Stuff” you are on tour with Notwist again. Your last live album was released 20 years ago, why did you decide to produce a new one now?

The songs for a new published record are really fresh by the time they are released and have not been played live yet most of the time. They are snapshots and evolve with time. We wanted to document these changes in this record. I think some of the songs found their true form only after a long period of time.

Source: Bandcamp

What made you choose UT Connewitz in Leipzig as the location for the album? Do you have a special connection to this place?

The audiences in Leipzig and Berlin are always really enthusiastic – we get a kick from that. UT Connewitz is a beautiful location with great organizing staff.

But in the end it was a practical thing as well: We had three days in a row in Leipzig to get everything right. The second day was the best one and that’s the material that you can hear on the record now.

Another really exciting project of yours is 13&God where Notwist collaborates with Themselves, a hip hop combo from Oakland. How did you get together with them?

I was a big Anticon fan. And when Themselves played in Munich we met and discovered our mutual appreciation. We immediately planned a tour together and recorded an album shortly after that.

We hope to come together again this year and do another record. We have become good friends.

Source: YouTube

Alongside the international tours with Notwist all of the bandmembers are involved in the regional music scene of Bavaria. Is there a big difference for you personally when you play a show in Landsberg or in cities like Seattle or Mexico City?

Of course there is a difference because the audience reacts differently. We want to play internationally and travel the world with our music. But at the same time we appreciate the shows in our hometowns.

You often get categorized as part of the “New Weird Bavaria” movement because of your involvement in the regional music scene. Do you agree with this classification or is it just a label that doesn’t have any significance for your art?

Actually it doesn’t have any significance.

The term also has a political dimension: There is a connotation that the scene tries to show a more diverse picture of Bavaria through forms of art, which isn’t distorted by the populism of conservative politicians like Horst Seehofer. Would agree with that? Does this dimension have any influence on your art?

We always tried to direct our endeavours to the edges of society and we are mostly interested what is considered weird or strange. Our music embodies this view and shows a world that we wished to live in. With the labels, concerts, records and fanzines we created an alternative for ourselves – against our reactionary, conservative and catholic surroundings.

But we didn’t really think about the image of Bavaria. We never saw our roots in that particular place. Our musical role models were other bands in Germany like Mouse on Mars or Can as well as other scenes like those in New Zealand or Glasgow.

„What Notwist is going to be – we don’t really know yet.“

What made you start your solo project Rayon?

Rayon exists since I released a double 7” on Kollaps under that name. I always rekindle the name when I record something by myself.

The new album was produced after Daniel and Karin from the experimental festival Frameless in Munich asked me to record something new. With their programme in mind I composed some songs and finally got around recording it.

The style of “A Beat of Silence” is really spheric but also minimalistic. We are curious in which places the ideas and concepts for the album developed and how this is reflected in the record. Could you give any insight to that?

The actual composing was done at home in front of the computer. But before that I spent a lot of time contemplating on the different ideas. Each song has an abstract idea – rhythm, patterns, overlapping structures – that I expressed in music afterwards. I hoped to achieve an unique structure for each song that differs from the usual musical pattern.

I got a lot of inspiration from visual artists. Agnes Martin, japanese photographers, or the great canadian Michael Dumontier who also made the cover for the album which made me really happy.

An essential part of “A Beat of Silence” consists in the use of indonesian Gamelan Ensembles. Where did you get in contact with those instruments and why were they fitting for this album?

We didn’t use real Gamelan instruments. But the sound and the characteristics of this unique music was a reference point throughout the whole record. You can’t really reproduce those sounds, it’s far too complex.We rather tried to find a certain type of shimmering and hypnotic atmosphere that we really liked about the Gamelan sounds.

When recording as Rayon Markus Acher is not alone: Rayon Band © Johannes Haslinger

When recording as Rayon Markus Acher is not alone: Rayon Band © Johannes Haslinger

When do you decide if a song should be part of a Notwist or a Rayon album?

Most of the time I compose for a specific record or band project. It happens very rarely (like on “Messier Objects”) that two recordings or settings mix up.

On “A Beat of Silence” there is a song that already was released in a different version on the soundtrack album “Messier Objects”. It was titled “Object 16” back then, now “On the Quiet”. Will there be additional versions of this particular song?

I composed this song for the first Rayon concert on the Frameless Festival. That was with a different band cast. After that we created the music to Jette Steckels’ stage play “Das Spiel ist aus” and the song was a good fit there as well. I wanted to record the song again in its raw acoustic form. That’s why it made it to the new album again. I don’t think we will ever record that one again :).

Source: Bandcamp

“A Beat of Silence” seems to trace the use of digital music via analogous means. Would you consider this a tendency that is also apparent in Notwist after Martin Gretschmann left the band?

On the Rayon record I only wanted electronic sounds that were generated from acoustic sounds – that was the idea. Distorted and blurred. Take details and magnify them. Like the piles of sand on the cover photo by Michael Dumontier which lose their form and become indistinct. In the end I wanted an unified sound. What Notwist is going to be – we don’t know yet.

“A Beat of Silence” - Cover by Michael Dumontier

“A Beat of Silence” – Cover by Michael Dumontier

So now you will go on tour. But what will be your next project in the studio? Will there be a new studio album after your live album with Notwist? Or will you prioritize other projects?

We definitely plan to make a new Notwist record next. In the very near future there will be the Alien Disko Festival, which we can realize here in Munich at the Kammerspiele on December 2nd and 3rd. We invited some of our favourite ands that burst through genre boundaries.

We can’t wait! We are extremely excited to be joined by: Sun Ra Arkestra, Dawn of Midi, Ras G + Afrikan Space Program, Carla dal Forno, Sacred Paws, Melt Banana, tenniscoats, Jam Money, Mark Ernestus Ndagga Rhythm Force, the comet is coming, mimiCof and others.

Of course The Notwist will also be playing.


If you wanna see Markus Acher live before the Alien Disko Festival and somewhere that’s not Munich you can check him out at November 20th at the Berlin Radialsystem V where he plays a release show for “A Beat of Silence”. Just saying.

cover photo: © Johannes Haslinger

Music, Iceland, poetry, and sisterly love. An interview with Jófríður Ákadóttir

Together with her sister she forms the band Pascal Pinon. Furthermore she is part of the musical project Samaris and performs solo as JFDR as well. Because of the upcoming Pascal Pinon album “Sundur”, we seized the opportunity of having a chat with her during Jófríður’s Berlin stay. In Morr Music’s kitchen she explained both her new work and the world.

an interview by Gregor van Dülmen and Moritz Bouws

and postmondän’s first blog post in English (feels like the beginning of something)


Pascal Pinon consists of you and your twin sister Ásthildur. Have you been making music all your life together or was there a certain point in your musical life where you said, “Let’s start a band!”?

Yes, there was a certain point when we were eleven years old. Our mom or our dad lent us their laptop and introduced us into the music software GarageBand. We found it amazing and just started recording even though we had no idea how to do that. We didn’t even have headphones, but we recorded anyway and produced two albums under the name “Við og Tölvan”, which means “We and the computer”. At that time we said, “We’re gonna start a band now.” Then we got a sound card, a microphone, and a midi keyboard for a christmas present. We still have this midi keyboard. No, sorry, my sister left it in Amsterdam where she lived to study. When she moved away from Amsterdam she left all of her things. She still hasn’t come back to pick them up. That’s already two or three years ago.

Where does she live now?

In Reykjavík. She only left Reykjavík twice since that time. One time was to go to London to visit me and to go to Berlin once for a couple of meetings.

You are following a nomadic kind of lifestyle at the moment, don’t you?

Yeah, I can’t sit still, I can’t stay anywhere. Also I’m really thrifty, I don’t want to spend much on rent when I’m not there most of the time anyway. I think you just really have to go hardcore doing one thing like travelling all the time or settling down – or live somewhere cheap. I don’t know, I’m working on this.

We would like to talk to you about your upcoming album “Sundur”. Your father helped producing your new album. Did he play an important role in the whole process?

Yes, he helped us. I would say my sister actually is the producer, because she is the one who had the most issues with everything. She was the one who actually kept everything super real, super raw, and she decided how we roll this album. I even would have put reverb on the mastering, like it’s my vibe that everything is in reverb. So for me it was really hard to say, “Okay, we’re just gonna do this.” And my dad was the one who said, “Just relax, I’ll come with you, I’ll help you out, I’ll set the microphones for you and I’ll be there and push the buttons.”

And he helped you to not get into a fight with one another?

Exactly, that’s the thing. Because the issue is I wouldn’t have minded if somebody else had done that for us. I wanted to pay a person to do that for us, just because I didn’t want to do that. But she said, “No way. We’re not going to hire anybody. It’s just a waste of money and we can do everything ourselves.” And I replied, “No, because you don’t know how to do that and then I’m going to be the one and I don’t want to.” That argument was for months. So our father was the one who said, “You go ahead and book a studio. I’ll be the one to engineer.” So both of us kind of got what we wanted. She didn’t even want to book a studio, but I told her, “There are people who want to hear this album and there’s a certain kind of pressure on this. They don’t want to listen to your bedroom recordings.” But at the same time I felt like, “Maybe they do, I don’t know.” So we met somewhere in between.

Das neue Album der Schwestern "Sundur" erscheint am 19. August.

The sister’s new album „Sundur“ will be released on 19th august

So it was just the three of you in the studio?

Yes.

Were you and your sister also the only ones playing music on your last album?

We got a guitar player for a couple of tracks, so we met and improvised a few different songs. But yes, generally it was pretty much the two of us. And a producer in addition.

But you started your bands with four members. What happened to the other two?

We were so young and actually kind of doing a lot: We released the first album ourselves before it got re-released by Morr Music. But up onto that point we were doing everything ourselves. We ordered CDs in a manufactory and we walked to the shops when we were fifteen and asked, “We have ten CDs. Do you want to sell them?” – and they all consented. But it was a lot of pressure, because somebody had to take care of the accounting and somebody had to take care of actually going to the shops to see whether it’s sold out or not.

The thing is, it’s just too much to be friends – and we were really good friends to begin with – and to run a business at the same time when you are fifteen. It didn’t really go hand in hand very well and it became this kind of division between the two other girls on the one hand and Ásthildur and me on the other hand. There accidentally was a tension between those two groups. I was sad about it and it really wasn’t pleasant. So together we decided that they would leave the group and we would continue. We rather wanted to stay friends than letting this completely seperate us. That was the reason. And then a couple of month later we got the record deal, which was great. It was easier for us to continue with this. But then the guitar player went on tour with us a few times. She was in the tour band for three years. So that issue didn’t actually make a big difference.

Pascal Pinon as a quartet:

source: youtube

Regarding your name: We think it’s really interesting, because Pasqual Piñón is a historic person – a Mexican guy who worked on a circus. What’s the connection, why did you choose his name for your band?

The four of us sat in a café together and we just opened this book and there was a picture of him and we were like, “The name is Pasqual Piñón, let’s go for that, that sounds weird!” We just liked the name.

And he neither seemed to be a bad guy, did he?

No, he seems to have been misunderstood, the poor thing.

Pasqual Pinon - The Two-Headed Mexican

Pasqual Pinon – „The Two-Headed Mexican“ (Source: Wikimedia Commons)

He was in kind of a freak-show in the beginning of the twentieth century.

Yeah, I wouldn’t have wanted to be in his position of being laughed and stared at. It must be hard if the whole purpose of your existence is to creep people out. But there’s something beautiful about it, embracing being a little bit different and to make that your something. So the name is for everyone who is different.

And concerning your home, Iceland: We got the impression that there’s always the question of an affiliation due to the isolation. On the one hand you feel connected to Europe, on the other hand to the U.S.A., right? If you agree with that impression, could you describe these influences?

It’s right. And I think Iceland is ridiculous in so many ways. One of the things is exactly what you’re talking about. We’re influenced both by America and Europe. And we are a part of Europe and we’re also kind of a part of America. We had the U.S. Army base for many years and that was right at the time when we gained our independence and caught up with the rest of the world. Before that we were such a poor country and that was the time when there was actually a lot of prosperity and really good changes in the economy. So that was thanks to the U.S. Army. And the crazy thing is that this happened during World War II. Everywhere else in the world things were just blown up and destroyed, but in Iceland things went as well as never before. There was a celebration. That’s why people in Iceland are not sensitive about anything that has got to do with the war and the terrible things that happened there, because they’re used to think of the time period as such a positive thing. And this just doesn’t make sense to the rest of the world. It was a world war and almost everywhere there was chaos and in Iceland there was growth. That’s kind of the American influence.

And then we are in Europe but we keep fighting it, thinking we are independent. There are so many ads and anti-EU campaigns. And there are people who generally just feel like we’re losing our independence. They think because we’re an island we can be totally sufficient for ourselves. But the world doesn’t work like that. Such a stated idea. We are a small community and the different parts of the earth should work together more closely. People don’t see that. And Iceland is a joke compared to that. We are about 300.000 people. And if we weren’t in the EEA I wouldn’t be able to be here. It wouldn’t be that easy for me to travel. But enough about politics, let’s go back to music!

Okay, but let’s do this switch with one more Iceland question: Like many Icelandic artists you’re signed at Morr Music. Would you say the Berlin-based label or, let’s say, labels like Morr Music in general play a significant role for Iceland’s indie scene to become recognized internationally? Because from a German point of view it seems that there has been a particular development during the last years.

Definitely. The people see that they can travel more, that they can go abroad and that there is interest. But this is happening everywhere in the music industry anyway. Everywhere there’s a lot of music being made and there’s a lot of interesting things happening. Something is always getting through and something’s always staying under the radar. Same for Iceland. But now we have this Music Export Office that was founded only a couple of years ago. They’re doing great things, give out grants and care about new artists. It’s definitely becoming more common that bands go abroad and that they are signed at an earlier stage in their careers. For instance, have a look at the work of Seabear for so many years.

So is it a motivation for young musicians to be able to go abroad with their own music?

Absolutely. That’s what they try to do. But it takes time. And you don’t really go abroad unless you have a label that is putting money into your marketing. I remember that with Pascal Pinon we wouldn’t go abroad until we started working with Morr Music. Before that we went to Sweden once which was a joke although it was great nevertheless. But otherwise we didn’t go abroad the first two years and now we play more shows in other countries than we do in Iceland. I actually think it plays such a big role in the whole thing.

With respect to the language in which you are singing: Do you prefer Icelandic or English? As you know worldwide there are millions of people, listening to Icelandic music even though they don’t understand the lyrics.

It’s really hard to say. Because first of all, I make music for myself. I have something in my head, like, “I need to make this one and it needs to be in Icelandic.” Just because the word and the poetry make sense that way to me. I could translate it, but it wouldn’t be the same. I think some people do it for the market or for the people they’re communicating with. And I understand and respect that. It’s really cool, too, when people understand you, when you have something to say. Then you give it another layer of depth, like the feeling and the emotion of the music. But for us, I mean, there are two songs on Sundur that don’t even have any words. They’re just instrumental. So we just don’t give a fuck. We just do whatever we want. I like to sing in English as well.

Your new album’s title is “Sundur” which is the Icelandic word for “apart”, right? Is that the main theme of your album, standing apart from each other?

It’s definitely the main theme in the whole process of making this album. When we started doing it Ásthildur had already left to Holland and before that we used to have such an easy access to each other. We were sharing a bedroom most of the time growing up. We are twins and we always had a super tight relationship, whether we wanted to have or not. Making music was such an easy thing to do because we always were around each other. But then she was away and things went up in the air. We realised it’s even a struggle merely to see each other.

And did songs come up in that process? Did you send demos to each other?

The first song of the album we wrote together. And it’s kind of an introduction to that situation. But I wrote all songs apart from the first one on my own. It was more like bringing a song to her and seeing if she likes it and if she wants to collaborate and just do something with it.

Your last album was called “Twosomeness”. Do both tell a story together?

They do. It’s a contrast. It’s like this vs. this. But it’s a natural kind of next chapter. The first album, “Pascal Pinon”, was just composed of home recordings. For the second album we worked with a producer for the first time. We were just messing around and exploring different things we can do in the studio, things that we had never done before. This album is kind of a going back to the beginning, this tight unit of going separate ways. And this is the result. In my mind it was such a chaotic piece of music, because the sound is just all over the place. I thought people might find it scattered and crazy. I’m so surprised that people seem to be so open-minded about it. That shows me that you just have to stay true to yourself and then people will respond. If you’re real, they will recognise it. And that’s great thing to be reminded of.

impressions of Twosomeness:

source: youtube

For the people who don’t know your new album yet: How would you describe its sound compared to the sound of the one before?

I would say that this is a ridiculous album. But listen to it if you want to! I’m so sorry to the label, I hope they didn’t hear this. (She’s laughing)

Because listening to it for the first time it sounded more melancholic than the last one. It sounds more raw and diverse. It’s not like a concept, but it sounds very real and natural.

Yeah, that’s actually kind of the best way to describe it. Saying it’s ridiculous is such a cheap way of describing. I’m so sorry, I’ll try a little bit harder. It’s just I had something in my head that I wanted to create. We started that journey and the result is not what we wanted to make at the beginning. But it’s obvious that you can’t ever think you have something in your mind and go out doing exactly that. It doesn’t work that way. Things change and that’s great. It’s worth celebrating. So this album is probably kind of fucked up as much as it possibly can be. But within that space it’s folk-cute music, it’s not fucked up music. If we were a little bit angrier as people we’d probably be making punk music and the concept would still be the same.

So if this is going to become the most popular of your albums so far. What will you do in the future?

I don’t know at all. Things are going to happen and I’m just learning.

So one last question: Will there be a tour after the release? Will you come back to Germany?

Yes. We have a tour coming in November. It’s from 10th to 20th November. Berlin, Münster, Tecklenburg and Cologne. Some shows are with Peter Broderick. The dates will be announced, but the Berlin show is on 11th November.

O cool, so we’ll meet again there. Thank you very much for the interview!

Thank you, guys!

 

One show missing in the list is the one at Alínæ Lumr Festival on 26th August in the internationally well-known metropolis of Storkow. Fair enough, since we only asked her for tour dates. But after the interview we feel prepared for a „Sundur“ review which will follow in a few days. But then we’ll switch back to German again. Sorry for that, such a cheap way of writing a review.

cover photo: © Magnus Andersen