Schlagwort: Mathrock

Battles! Musik von Nerds für Nerds

Battles konzentrieren sich auf ihrem neuen Album La Di Da Di darauf, was sie am besten können: aggressiv aneinander vorbeispielen.


Ein wenig klingen Battles ja wie das musikalische Pendant zu molekularem Kochen: plastisch, komplex, unstet, assoziativ, unwillkürlich, und so richtig satt wird man dabei nicht. Für ihr vor ein paar Wochen erschienenes Album La Di Da Di verdienen sie also zunächst Respekt für ein passendes Titelbild. Name wie Cover der Platte machen keinen Hehl daraus: Du kannst dir dieses Album gerne kaufen und anhören, aber du musst es wirklich, wirklich wollen.

Auch wenn es schwer ist, bei ihrem progressiven Mathrock überhaupt nichts zu empfinden, sind Battles ja nicht besonders zugänglich. Kein Gesang, zahlreiche, ständig wechselnde Sounds, und drei Musiker, die sich scheinbar gegenseitig hassen und sich unentwegt völlig widersprüchliche Elemente vor die Füße werfen. Das scheint auf La Di Da Di auch noch drastischer geworden zu sein als auf ihren beiden früheren Alben. Immer wieder klingen einzelne Spuren, als würden sie sich über die anderen lustig machen, obwohl die Musik von Battles ohne einen großen gegenseitigen Respekt zwischen den Musikern nicht funktionieren könnte – und sie nunmal funktioniert.

Quelle: Vimeo

Die größte Orientierung bieten fast noch die präsenten, zwischen Jazz und Grooverock stapfenden Spuren des Schlagzeugers John Stanier, was jedoch trügerisch ist, da sie selbst von größten Dynamikwechseln durchzogen sind. Im Schlusslied Luu Le beispielsweise bremst er ein prägnantes Riff plötzlich auf halbes Tempo ab, was die Gitarrenspur plötzlich trivial wirken lässt, aber das Schlagzeug stark in Szene setzt und ungefragt in den Mittelpunkt der Band rückt. Später schwankt das Tempo vor allem immer dann, wenn eines der Melodieinstrumente versucht, sich den Groove harmonisch zu eigen zu machen. Der Song, so viel kann verraten werden, geht also an den Schlagzeuger, die anderen sind völlig offen.

Manchmal dann klingt ihre Musik, als würde einer der beiden Multi-Instrumentalisten Dave Konopka und Ian Williams minutenlang bloß dröhnende Gitarreneffekte ausprobieren, während der andere sich mit seiner neuen Samplemaschine vertraut macht. Vielleicht macht auch einer beides gleichzeitig. Aber man lässt sich gewähren und stößt erst gegeneinander hervor, wenn sich einzelne Elemente in Sicherheit wähnen, versucht dabei aber gar nicht erst, sich zu Refrains oder Hooklines zu verabreden, denn viel interessanter ist doch, sich während des Umherirrens zufällig aus verschiedensten Perspektiven zu begegnen. Eine wirkliche Besonderheit der Band innerhalb der Indie-/Alternative-Szene ist, dass ihre Mitglieder völlig gleichberechtigte Spielpartner sind, was selbst unter experimentellen Bands eine Seltenheit ist.

Denn die Musiker von Battles führen auf La Di Da Di unbeirrt ihre Kämpfe, ihre „Battles“, fort, die sie 2003, ursprünglich zu viert, begonnen haben, und kämpfen um das präsentere Motiv, die prägnantere Dynamik, die interessantere Ton-Skala. Was das neue von den beiden früheren Alben unterscheidet, ist, dass es konzentrierter und stärker nach innen gewandt ist: kein gesampelter Chor wie im Song Atlas auf Mirrored, keine Gesangsfeatures wie auf Glass Drop. Obwohl sie am Anfang der Platte noch halbwegs sortiert klingen, machen sie sich trotzdem diesmal nicht wirklich die Mühe, ihre HörerInnen abzuholen, und holen ihre Kraft viel stärker von innen, gestalten ihren Sound also gleichzeitig freier und enger. Die resultierende Musik dieses Gegen- statt Miteinanderspielens ist zwar wenig entspannend, kann einen aber überallhin verschlagen, was manchmal durchaus lustig sein kann, zumindest aber immer spannend ist. Denn viel mehr noch als auf den Vorgängern spielen Battles auf La Di Da Di mit kulturellen Konnotationen bestimmter Motive.

Hörenswert ist die Platte vor allem durch Momente, in denen unbewusste musikalische Assoziationen an die Oberfläche dringen, seien es mit musikalischen Motiven konnotierte Gefühle oder kulturelle Verknüpfungen. Im Song FF Bada beispielsweise spielt eine der Gitarren plötzlich mit klassisch-chinesischen Tonleitern herum, während die anderen Musiker versuchen, diese wieder für sich im ohnehin schon komplexen Song einzufangen. Insgesamt lösen sich äußere Einflüsse aber, was die dem Album eigene Verengung ausmacht, stets in einen Widerstreit der Musiker auf. Und vermutlich führen sie jeden von uns auf seine eigene Reise.

Vielleicht ist das „FF“ im Songtitel „FF Bada“ ja auch eine Abkürzung für diese starken englischen Lutschbonbons und will sagen: Sind dir Battles zu krass, bist du zu verwöhnt. Anhören solltest du sie dir aber.

Quelle: YouTube