Schlagwort: Hanser Literaturverlage

Neue Buchtipps für die Quarantäne

Lesen hilft so oder so. Ob zur Ablenkung in der Quarantäne oder zur Einordnung von Isolation, Wahnsinn, Leben und Tod. Moment, das Intro kommt dir bekannt vor? Gut aufgepasst: Vor sechs Wochen sind hier schonmal Buchtipps für die Quarantäne erschienen. Hier kommen neue.


Stefan Weigand empfiehlt …

Die Straße von Cormac McCarthy

Es gibt Bücher, die sind wie Kometen: Man begegnet ihnen, liest sie, stellt sie ins Regal – und Jahre später kommen sie wieder ins Leben zurück. „Die Straße“ ist für mich so ein Buch.

Bestimmt ist es mehr als vier Jahre her, als ich die Erzählung zum ersten Mal gelesen habe. Nun, in Corona-Zeiten, fiel das Buch mir wieder in die Hände. Ein kurzes Blättern, und die vielen Bilder und klaren Szenen waren gleich wieder präsent. Cormac McCarthy zeigt hier seine großartige Erzählkunst in Perfektion. Kein Wunder, dass er hierfür 2007 den Pulitzer-Preis bekam.

Die Story selbst ist schlicht. Das Szenario ist die USA in einer Endzeitsituation. Es gibt kaum noch Menschen, eine moderne Infrastruktur ist so gut wie nicht mehr vorhanden. In dieser Welt macht sich ein Vater mit seinem Sohn auf dem Weg. „Wenn er im Dunkel und in der Kälte der Nacht im Wald erwachte, streckte er den Arm aus, um das Kind zu berühren, das neben ihm schlief.“ Wenn ein Roman so beginnt, dann ist klar: Der Leser bleibt nicht auf Distanz, sondern soll mitkommen auf diesen Weg, der an die Küste führen soll. Man begibt sich nicht unbedingt gerne, aber eben unweigerlich in die Obhut der beiden.

Warum die Reise eigentlich an die Küste gehen soll? Was erwarten die beiden dort? Die Fragen bleiben unbeantwortet. Wie eine Sehnsucht, die gar nicht näher bestimmt ist, entwickelt sich dadurch der Sog, der den Roman so bestimmt.

Die Straße wirkt wie ein Vakuum: Sie zieht einen hinein in die Geschichte. Es gibt Begegnungen mit anderen Menschen; kalte Nächte und die Suche nach Essen dominieren den Alltag. Doch das Eigentümliche und auch wundervoll Rätselhafte an der Erzählung ist, dass das Vakuum tatsächlich leer bleibt. Vielleicht ist es so, dass in einer Welt, in der alles infrage gestellt ist, allein schon die Erkenntnis trägt: Jede Leere ist mehr als das Nichts.

Die Straße erschien in der Übersetzung Nikolaus Stingls mit 256 Seiten bei Rowohlt.

Bild: © Stefan Weigand

Katharina van Dülmen empfiehlt …

Die Zeit, die Zeit von Martin Suter

Die Tage in der Quarantäne sind alle gleich. Oder ist es immer derselbe Tag, den wir erleben? Denn wer sagt denn, dass Zeit vergeht? Martin Suters „Die Zeit, die Zeit“ basiert auf der Theorie, „dass es keine Zeit gibt. Es gibt nur die Veränderungen. Wenn diese ausbleiben, steht das, was wir Zeit nennen, still.“

Eigentlich will Peter Taler nur den Tod seiner Frau Laura rächen: Ihren Mörder finden, umbringen und dann Selbstmord begehen. Anders sein alter Nachbar und Zeitnihilist Knupp, der ebenfalls um seine Frau trauert: Der will nämlich einen Moment wiederherstellen, an dem Martha noch lebt, und  ihren Tod verhindern. Taler soll ihm helfen, sträubt sich aber zunächst. Doch Knupp hat etwas, das er braucht, um Lauras Mörder zu finden. Und was ist, wenn sein seltsamer Nachbar recht hat? Wenn es stimmt, dass die Zeit nicht existiert? Dass ein bestimmter Moment wiederhergestellt werden kann, indem alle Veränderungen aufgehoben werden? Dann bestünde ja die Chance, Laura wiederzusehen.

Das Faszinierende an Suter ist doch, dass er das scheinbar Unmöglichste, ja, Unglaubwürdigste, mit einer Leichtigkeit und einer Portion Sachlichkeit glaubhaft macht. Sei es ein rosaroter leuchtender Elefant oder eben das Zurückdrehen der Zeit – alles ist möglich, ergibt Sinn, ja, ist logisch, verständlich und spannend zugleich. „Die Zeit, die Zeit“ ist einer der besten Romane Suters. Und die Zeit in der Quarantäne sollte genutzt werden, um ihn zu lesen.

Dabei könnte es sein, dass die Leser٭innen der Ausgabe von 2012 einen anderen Schluss lesen als die einer Ausgabe nach 2015. Denn laut Tages-Anzeiger hat Suter das Ende noch einmal umgeschrieben. Das würde ja heißen, beide Fassung existieren trotz Veränderung zur gleichen Zeit. Explodierender-Kopf-Emoji.

Die Zeit, die Zeit erschien bei Diogenes und hat 304 Seiten.

Bild: Katharina van Dülmen

Martin Kulik empfiehlt …

Utopien für Realisten von Rutger Bregman

Nicht verzagen, Bregman fragen.

Der junge niederländische Historiker Rutger Bregman hat in den letzten Jahren Aufsehen erregt. Nicht nur durch seine Wutrede gegen die Reichen auf dem Weltwirtschaftsgipfel 2019 in Davos, sondern auch durch seine kämpferischen und visionären Bücher. Und es gibt wohl kaum einen besseren Zeitpunkt als jetzt, sich Gedanken darüber zu machen, wie unsere Zukunft aussehen sollte. Die COVID19-Pandemie sorgt dafür, dass einige der Utopien, die Bregman in seinem Buch „Utopien für Realisten“ vorstellt, gar nicht mehr so weit von unserem Alltag entfernt scheinen: so stellt er uns beispielsweise die 15-Stunden-Woche als Antwort auf die Digitalisierung der Arbeit und das bedingungslose Grundeinkommen als realistische Option vor.

Bregmans Rede in Davos:

Quelle: YouTube

Doch Bregman ist nicht nur utopischer Realist, sondern auch Optimist. In seinem aktuellen Buch „Im Grunde gut“ stellt er eine These vor, die sich in der aktuellen Lage noch bewähren muss – der Mensch, so Bregman, sei im tiefsten Kern seines Wesens gut. Damit meint er vor allem, dass der Mensch eben nicht nur auf den eigenen Vorteil bedacht, sondern ein soziales, sanftmütiges und solidarisches Geschöpf ist. In Zeiten, in denen im Supermarkt kein Klopapier mehr zu finden ist, sicher eine steile Behauptung, die dem Pessimismus der plötzlichen Krise aber erfrischend widerspricht. „Das wahre Problem unserer Zeit ist nicht, dass es uns nicht gut ginge oder dass es uns in Zukunft schlechter gehen könnte. Das wahre Problem ist, dass wir uns nichts Besseres vorstellen können.“, sagt Bregman. Versuchen kann man es ja mal …

Utopien für Realisten erschien in der Übersetzung Stephan Gebauers bei Rowohlt und hat 304 Seiten.


Gregor van Dülmen empfiehlt …

Miroloi von Karen Köhler

Karen Köhlers Debütroman Miroloi warnt vor sozialen Gefahren dauerhafter Isolation, und ist damit im Moment noch aktueller als bei seinem Erscheinen letzten Sommer.

Das Buch erzählt aus dem glücklosen Leben einer namenlose Protagonistin, die als Findelkind in einem fast völlig von der Außenwelt abgeschnittenen Dorf auf einer abgeschlagenen Insel aufwächst und systematisch gemobbt und misshandelt wird. Eigentlich ließe sich die Geschichte locker in ein historisches Setting übertragen, zumal sie Informations- und Machtmechanismen nachzeichnet, die geschichtlich schon zu manchem gedanklichen und gesellschaftlichen Rückschritt geführt haben. An manchen Stellen würde man sich das sogar wünschen. Doch Köhler wählt einen fiktiven Handlungsraum, um die Kausalketten, passend zum Thema, zu isolieren. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass sie mit Konservatismus, religiösem Fanatismus und dem Patriarchat abrechnen kann, ohne konkrete Personen zu diffamieren. Auch wenn Miroloi teilweise karg und rau erzählt ist, ist Köhler damit ein lesenswertes, wichtiges Buch gelungen. Nicht zuletzt zeigt es uns, wie gut wir es haben, dass das Internet noch vor COVID-19 erfunden wurde. Besonderes Highlight: Miroloi wird mit einem Hannah-Arendt-Zitat eingeleitet und diesem voll und ganz gerecht.

Miroloi erschien bei Hanser und 463 Seiten.

Bild: © Katharina van Dülmen

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Buchtipps für die Quarantäne

Norbert Elias Über die Einsamkeit der Sterbenden

Lesen hilft so oder so. Ob zur Ablenkung in der Quarantäne oder zur Einordnung von Isolation, Wahnsinn, Leben und Tod. Welche Buch- oder eBook-Händler ihr im Moment auch unterstützen möchtet, hier sind ein paar Titel für eure Bestellliste.


Dirk Sorge empfiehlt …

 

Wenn ich mich nicht irre von Geert Keil

In den letzten Wochen ist vielen von uns wieder bewusst geworden, wie wichtig es ist, sicheres und verlässliches Wissen über die Welt zu erlangen.

Wir müssen uns auf Aussagen verlassen, die wir nicht alle bis ins letzte Detail nachprüfen können. Wir haben aber auch erlebt, dass selbst Wissenschaftler٭innen und Expert٭innen sich irren können. Wir alle sind fehlbar. Geert Keil analysiert die Fehlbarkeit als eine grundlegende menschliche Eigenschaft und untersucht, wie sie mit den Begriffen Wissen und Wahrheit zusammenhängt. Das schmale Büchlein gliedert sich in 11 Kapitel und wendet sich ausdrücklich nicht an Fachleute, sondern an interessierte Laien. Philosophisches Vorwissen wird nicht vorausgesetzt (kann aber nicht schaden, um den anspruchsvollen Gedankengang leichter nachzuvollziehen).

Die Lektüre von „Wenn ich mich nicht irre“ tut gut, denn Geert Keil rehabilitiert den Wissensbegriff, den wir jetzt dringender denn je brauchen. Einer radikalen grundlosen Skepsis erteilt er genauso eine Absage wie der Selbstüberschätzung des eigenen epistemischen Standpunkts.

Keil räumt in dem Buch mit einem populären Fehlschluss auf: Aus der Tatsache, dass wir uns irren können und nie sicher sein können, ob unsere Aussagen wahr oder falsch sind, folgt nicht, dass unsere Aussagen nie wahr sind und dass es gar keine Wahrheit gibt. Es folgt nur, dass wir die Möglichkeit des Irrtums nie ausschließen können und Fehler eingestehen müssen, sobald bessere Belege oder überzeugendere Argumente vorgelegt werden. Fehler zuzugeben, ist also kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen für Rationalität und Offenheit. Gute Wissenschaftler٭innen und Politiker٭innen räumen ein, wenn sie sich geirrt haben. Das unterscheidet sie von Scharlatanen, Esoteriker٭innen und Fanatiker٭innen.

Wenn ich mich nicht irre. Ein Versuch über die menschliche Fehlbarkeit erschien bei Reclam und hat 96 Seiten.

Bild: © Dirk Sorge

Franziska Friemann empfiehlt …

Grief Is the Thing with Feathers von Max Porter

Max Porter Grief is the thing with feathers

Was passiert, wenn ein Mensch plötzlich stirbt? Wie geht man mit der Leere um, die bleibt, wenn auch der letzte Kondolenzbesuch endet? Wie hält man den Schmerz und die Trauer aus?

In seinem Debütroman Grief is the Thing with Feathers widmet sich Max Porter auf überraschende, ergreifende, lustige und ehrliche Weise diesen Fragen. Ein Vater lebt mit seinen zwei Söhnen in London. Die Ehefrau und Mutter ist plötzlich verstorben. In einem Moment der Verzweiflung und der tiefen Trauer erscheint Crow, die Krähe – eben dieses Ding mit Federn – vor der Haustür der Familie und kündigt an, sie erst wieder zu verlassen, wenn sie nicht mehr gebraucht werde. Sie platzt in das Familienleben, ungehobelt, rotzfrech und gleichzeitig charmant. Allgegenwärtig und wenig zurückhaltend reißt die Krähe das Zepter innerhalb der Familie an sich.

CROW: “I was friend, excuse, deus ex machina, joke, symptom, figment, spectre, crutch, toy, phantom, gag, analyst and babysitter.”

Der Text wirkt seltsam lebendig, unbändig und schlicht wild. Er wechselt von Seite zu Seite die Perspektive – vom Vater zur Krähe, zu den Söhnen und wieder zurück. Auch sprachlich ist alles im Fluss. Prosatext wird durch lyrische Elemente gebrochen. Porter schafft, sozusagen federleicht, das Verschmelzen von Märchen, Wahn und der bitteren Realität der Trauer. Eine Geschichte, die noch lange nach Beenden der letzten Seite nachwirkt.

Grief Is the Thing with Feathers erschien 2015 bei Faber und hat 128 Seiten, die deutsche Übersetzung bei Hanser Berlin.

Bild: © Franziska Friemann

Lennart Colmer empfiehlt …

Rote Kreuze von Sasha Filipenko

Dass nur eine funktionierende Nachbarschaft bereichernd sein kann, hat die jetzige landesweite Quarantänesituation mit Sasha Filipenkos neuem Roman gemeinsam.

Wir schreiben das Jahr 2001 und sehen dem vom Schicksal gebeutelten Alexander bei der Wohnungsübergabe in einem Mehrparteienhaus in Minsk zu. Noch am selben Tag macht er die (anfangs widerwillige) Bekanntschaft mit seiner 90jährigen, an Alzheimer erkrankten Nachbarin. In lebhaften Rückblenden erzählt Tatjana ihre bewegende, vom sowjetischen System verstümmelte Lebensgeschichte, sodass sie schließlich auch zu einem Teil von Alexanders wird. Filipenkos Roman zeichnet ein stoisches wie einfühlsames Bild einer vom Sowjetsystem traumatisierten Gesellschaft, die noch Jahrzehnte später zwischen Erinnern und Vergessen schwankt. Bedrückend, herzlich, packend.

Rote Kreuze von Sasha Filipenko erschien 2020 bei Diogenes und hat 288 Seiten.

Tag der geschlossenen Tür von Rocko Schamoni

Der Titel des Romans scheint aktueller denn je.

Für Schamonis Antihelden Michael Sonntag hingegen stehen vielleicht sämtliche Türen offen, aber er hat wenig Elan, hindurchzugehen. Eingeschlossen in Lethargie und dem Gefühl der Sinnlosigkeit streift der Mittdreißiger ziellos durch Hamburg und legt paradoxerweise dadurch ein großes, kreatives Potenzial zutage, das Schamoni in unverwechselbarer Döspaddeligkeit schildert: Von dem Sammeln von Krankheiten in öffentlichen Räumen über jenes von Absagen bis zum vorgetäuschten Wärterjob in der Kunsthalle wird kaum etwas ausgelassen. So krude wie der Roman auch ist, so unterhaltsam und aus dem Leben gegriffen liest er sich.

Tag der geschlossenen Tür erschien 2012 bei Piper und hat 272 Seiten.

Rumo & Die Wunder im Dunkeln von Walter Moers

Ein Heldenroman wie man ihn nur selten findet, eine Liebesgeschichte wie keine zweite, eine einzigartige Reise ins Ungewisse.

Dieses Fantasy-Meisterwerk aus dem Hause Moers kann ich alle paar Jahre mit derselben Begeisterung lesen wie beim ersten Mal. Dass Harmlosigkeit ein Luftschloss ist, muss Rumo bereits in jüngstem Alter erfahren, als er seinem behutsamen Zuhause plötzlich entrissen wird. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, lernt Rumo das Entdecken und das Kämpfen, was sich ihm in den verschiedensten Lebenslagen noch als nützlich erweisen wird. Eine mitreißendes, düsteres Märchen vom Erwachsenwerden und seinen Herausforderungen.

Rumo & Die Wunder im Dunkeln erschien 2003 bei Piper und hat 704 Seiten.


Filiz Gisa Çakir empfiehlt …

Über die Einsamkeit der Sterbenden in unseren Tagen von Norbert Elias

Norbert Elias Über die Einsamkeit der Sterbenden

Der Tod ist ein Problem der Lebenden. Tote Menschen haben keine Probleme.

Und er ist ein großes Problem. Unseren Umgang mit dem Thema Tod und Sterben beleuchtet der deutsch-britische Soziologe Norbert Elias in seinem essayistischen Werk „Über die Einsamkeit der Sterbenden in unseren Tagen“. Erschienen im Jahre 1982, ist es aktuell wie eh und je. Denn welches Thema liegt während einer Pandemie näher als unsere Vergänglichkeit? Aber Spaß bei Seite, auch wenn es schwer zu glauben klingt, ist dieses Buch keineswegs so deprimierend zu lesen, wie der Titel vermuten lässt!

Ganz im Gegenteil … Obwohl, erbauend ist es auch nicht unbedingt. Es ist nun mal die Realität, dass auch in „Nicht-Corona-Zeiten“ Menschen einsam und allein in einem Krankenhausbett oder in einem kahlen Zimmer im Altersheim sterben. Warum ist das so? Warum schieben wir diesen einzigartigen, wichtigen Moment so weit aus unserem Blickfeld? Aus Angst, Egoismus, oder ist doch der Kapitalismus schuld? Mit diesen Fragen setzt sich der Autor in seiner soziologischen Abhandlung auseinander. Ursachen, aber auch Folgen dieser Verdrängung der Sterblichkeit, die in den westlichen Industrieländern vorherrscht und im Auslagern der sterbenden Menschen oder auch im Zulauf (alternativer) religiöser Strömungen endet, werden analysiert und untersucht. Aber keine Sorge, dies geschieht in einer verständlichen und kurzweiligen Art und Weise.

Bei der Reflexion unserer Auffassung vom Tod und was für uns „gelungenes Sterben“ bedeutet, können wir viel über uns selbst und die Zivilisationsprozesse deren Teil wir sind, lernen. Gerade in Zeiten, die zum Innehalten zwingen, haben wir die Chance uns aufs Wesentliche zu besinnen und uns essentiellen Fragen jenseits der täglichen Zerstreuung zu stellen. Und genau dafür gibt dieser Text von Elias großartigen Input. Es ist kleines Büchlein voller schlauer Sätze und Aha-Effekte, welches in wirklich keinem vernünftigen Bücherregal fehlen sollte!

Über die Einsamkeit der Sterbenden in unseren Tagen erschien 1982 bei Suhrkamp und hat 264 Seiten.

© Filiz Gisa Çakir

Lukas Lehning empfiehlt …

Manhattan Beach von Jennifer Egan

In Manhattan Beach lernen wir eine junge Amerikanerin kennen, die sich in den 40er Jahren in New York für den Zweiten Weltkrieg engagiert.

Dies tut sie, indem sie sich in der Marinewerft als Unterwasserschweißerin meldet – ein Knochenjob. Dabei kämpft sie nicht nur mit den Grenzen ihres Körpers, sondern auch mit denen der Gesellschaft. Weder ihr Chef noch ihre Kollegen und Kolleginnen trauen ihr diese Tätigkeit zu. Doch nach zahlreichen Rückschlägen, Enttäuschungen und Zufällen zu ihren Gunsten erreicht sie ihr Ziel: Die Heldin ist, nur umgeben von unendlichen Wassermassen und repariert den Rumpf eines Kriegsschiffs. Hierbei gelangt sie jedoch nicht nur auf den Grund des Hudson Rivers, sie erfährt auch, warum ihr Vater vor vielen Jahren spurlos verschwunden ist.

Jennifer Egan schreibt weniger ein Buch über eine junge Patriotin, als dass sie das Portrait einer Gesellschaft zeichnet, in der junge Frauen gesagt bekommen, was sich für sie schickt und was nicht, in der ihnen eine feste Rolle zugeschrieben wird und in der Ausbrechen nicht vorgesehen ist. All diese – erschreckend aktuellen Beobachtungen – verpackt Egan in einen Roman, der halb Gesellschaftskritik und halb Kriminalroman ist. Und genau darin liegt die Stärke dieses fast fünfhundert Seiten umfassenden Buches. So unbefangen, wie die Hauptdarstellerin zwischen New Yorker Nachtleben der 30er und 40er Jahre und der Arbeit in der Werft hin und her tanzt, gelingt es Egan, ein schwieriges Thema mitreißend zu erzählen.

Manhattan Beach erschien bei S. Fischer und hat 488 Seiten.

Bild: © Lukas Lehning

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Wilhelm Genazino: „Außer uns spricht niemand über uns“

Genanzino Außer uns spricht niemand über uns

Im neuen Roman von Wilhelm Genazino flaniert der Ich-Erzähler durch die verstaubte Realität seines Daseins. Eine Geschichte der Belanglosigkeit zwischen Dinkelbrot, Fluchtreflex und Konjunktiv-Kommunikation.


Außer uns spricht niemand über uns – ein Titel, der den misanthropischen Grundton von Genazinos neuem Roman schon erwarten lässt. Der Erzähler, ein gescheiterter Schauspieler mittleren Alters, der sich mit unregelmäßigen Minijobs als Radiosprecher über Wasser hält, schlendert durch sein Leben. Obwohl er dabei reichlich ziellos erscheint, ist er auf der ständigen Suche nach Bedeutsamkeit und findet doch nur Belanglosigkeit.

Bezeichnend für die Lähmung des Erzählers ist seine Beziehung zu der Telefonistin Carola. Da pendelt sich eine zwischenmenschliche Beziehung irgendwo zwischen dem Verlangen nach Nähe und einem immer mehr abflauenden Begehren ein. Doch ausgesprochen wird wenig – und wenn überhaupt, dann meistens nur in der Konjunktiv-Kommunikation mit sich selbst.. Das „Ich stellte mir vor, wie es wäre, wenn…“ nimmt einen Großteil des Buches ein. Irgendwo zwischen Dinkelbrot-für-Carola-Kaufen und Mittagsschlaf-vor-dem-Wunschkonzert-Planen kommen dem Erzähler auf einmal Gedanken, ob er seine Freundin nicht heiraten sollte, oder wie es wäre, wenn sie ein Kind kriegen würden. Doch diese Gedanken bleiben im privaten Monolog eines Charakters, der die ewige Wiederkehr des Gleichen als Grundkonstante seines Lebens akzeptiert hat und sich auch insgeheim garnichts anderes wünscht, als ziellos umherzuflanieren:

„Ich musste vertuschen, dass ich etwas anderes als ein umherschweifender Mensch nie hatte werden wollen. Mein oberstes Ziel war, der Penetranz des Wirklichen zu entkommen.“

Das erkennt irgendwann auch Carola, die sich mit dem Status-Quo ihres Partners nicht mehr so recht abfinden will. Carola wartet nicht, dass etwas passiert. Sie macht. Und manchmal macht sie dann eben auch harsche Vorwürfe:

„Sie warf mir vor, dass meine häuslichen Sitten mehr und mehr verwahrlosten. Ich war beinahe fassungslos. Konnte sie ein Zeichen oder einen Grund für meine angebliche Verwahrlosung nennen? Sie sagte: Der Grund ist meiner Meinung nach dein mehr und mehr vergammelndes Leben.“

Doch gänzlich kann sich Carola nicht von der Faszination dieses Lotterlebens lösen. Denn das vergammelnde Dasein des Erzählers hat durchaus Struktur. Auf den Vorwurf, er würde halbgelesene Bücher irgendwann einfach mit dem Fuß unter ein Regal stoßen, erwidert er ganz lässig, dass er aber gleichzeitig auch jede verstaubte Bücherecke, die man in seiner Wohnung erkennt, einem Autor und Buchtitel zuweisen könne. Das beschwichtigt Carola und regt zum gemeinsamen Kichern und Kuscheln ein.

Doch irgendwann wird es ihr dann doch zu bunt. Nach einem Schwangerschaftsabbruch, der zwar im inneren Monolog des Erzählers mit allerlei Theorien der Untreue versehen wird, aber in der direkten Kommunikation nie so richtig zum Thema avanciert, stellt Carola klar: Sie will wieder schwanger werden und zwar diesmal „so richtig“. Der Erzähler reagiert darauf in seiner ganz eigenen ewigen Widerkehr des Gleichen: Überhaupt nicht. Die Verweigerung der Konfrontation ist die persönliche Fluchtstrategie eines Menschen, der schon seit langer Zeit genug hat. Von so gut wie Allem.

„Ich fühlte, dass mein Innenleben auf Flucht angelegt war. Einen besonderen Grund zur Flucht brauchte ich schon lange nicht mehr.“

Der Höhepunkt dieser Realitätsflucht besteht darin, dass der Erzähler die folgenden drastischen Entwicklungen seines Beziehungslebens ohne allzu große Emotionsregung hinnimmt. Geradezu beiläufig erscheinen Trennung, Schmerz und Tod, wenn doch das einzige Glück des Erzählers – nach eigener Aussage – in der Beobachtung von Nichtigkeiten während seines Streifzugs durch das kleinstädtische Frankfurt besteht.

Und genau das ist die Essenz von Außer uns spricht niemand über uns. Der Reiz dieses Romans besteht nicht in einer konsistenten und überzeugenden Plotkonfiguration, sondern in den feinen Darstellungen eines überaus menschlichen Typus: Der Sinnsuchende in einer Welt, in der die Blaumeisen schon längst grau geworden sind.  Mit seiner feinen Prosa schafft es Wilhelm Genazino auf tragik-komische Weise menschliche Ängste, etwa vorm Altern, vorm Alleinsein oder einem gesellschaftlichen Verfall zu illustrieren. Gleichzeitig vermittelt er aber auch das diffuse Gefühl von Glück, das sich in den Beobachtungen des Alltags verbirgt.


Beitragsbild: Carl Hanser Verlag

Wilhelm Genazino:“Außer uns spricht niemand über uns“

Carl Hanser, München 2016 | ISBN: 978-3-446-25273-8

Wir danken dem Carl Hanser Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars

Das Konzept des Fortsetzungsromans – Tilman Rammstedt: „Morgen mehr“

Tilman Rammstedt und ich haben so einiges gemeinsam. Irgendwann mal in Tübingen Philosophie studiert.. Leben jetzt in Berlin… Nachtaktiv… Ingeborg-Bachmann-Preis… Ach ne, den hab ich ja garnicht. Bin aber auch kein Autor, wie der Tilman Rammstedt. Allerdings muss man als Autor ja Bücher veröffentlichen und das ist manchmal garnicht so einfach – seit Rammstedts letztem Roman „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“ sind nun immerhin auch schon ein paar Jährchen vergangen. Glücklicherweise hat sich Tilman Rammstedt jetzt mit den pfiffigen Leuten der Hanser Literaturverlage zusammengetan, die die Idee hatten, ihren Autor quasi zum Zwangsschreiben zu verdonnern und nebenbei noch ein sowohl aus Leser- als auch aus Marketingsicht interessantes Projekt zu starten: Tilman Rammstedt schreibt einen Fortsetzungsroman.


 

„Morgen mehr“ von und mit Tilman Rammstedt

Jo Lendle, seines Zeichens Chef des Hanser Verlags, beschreibt den Arbeitsalltag mit Autor Rammstedt folgendermaßen:

„Zu den erfreulichsten Momenten in dem von freudvollen Momenten nicht gänzlich freien Leben eines Lektors gehört die Arbeit an einem neuen Buch von Tilman Rammstedt. Morgens kommt man in den Verlag, da wartet, von einem knappen Verzweiflungsseufzer begleitet, im Posteingang das noch schreibwarme Ergebnis der vergangenen Nacht. Man liest in stillvergnügtem Glück die neuen Seiten, ruft den Autor an, kritisiert zum Schein einen Halbsatz, ein Komma, ein stilistisches Detail, preist dann vollmundig das täglich klarer sich abzeichnende Ganze, worauf Tilman Rammstedt sich – grummelnd, übermüdet, aber halbwegs mit der Nacht versöhnt – zur Ruhe legt.“

(Jo Lendle: morgen-mehr.de – Aufwachen mit Tilman Rammstedt)

Die morgendlichen Mails, die sonst nur Jo Lendle zu Gesicht bekommt, sollen bei dem neuen Buch Rammstedts „Morgen mehr“ mit der Welt geteilt werden und zwar tagesaktuell. Ab dem 11.01.2016 werden jeden Werktag zwei Seiten des Romans veröffentlicht. Dabei sein (per Email oder Whatsapp, als Text oder vom Autor gelesen) kann jeder, der sich über die Crowdfunding Plattform Startnext ein Abonnement sichert. Preislich startet das Ganze bei 8€ (nur Lese/Hörtexte). Für 20€ bekommt man nach Abschluss des Projektes auch eine vollständig lektorierte Fassung des Buches zugeschickt, welche später auch von Nicht-Abonnementen ganz normal im Buchhandel erworben werden kann.

Zwar bleibt zu vermuten (und auch zu hoffen), dass sich da im Laufe des Projektes noch so einiges ändert, aber einen groben Inhaltsteaser gibts auch schon:

„Es ist Sommer 1972. Seit Jahren schon. Die Farben verblassen, die Musik leiert, und ein Mann sehnt sich nach der Zukunft. Er vermisst all das, was es noch nicht gibt: Navigationssysteme, Glutenintoleranz, die Nostalgie nach klareren Zeiten. Er vermisst auch seine Frau, die er noch nicht hat, seine Kinder, die es nicht gibt. Er will nicht länger warten. Er beschließt, die Uhr nach vorne zu drehen. Und zwar nicht nur seine eigene, sondern die Koordinierte Weltzeit, an der sich alle Uhren orientieren. Dafür muss er nach Paris. In einem gestohlenen Taxi fährt er durch ein merkwürdiges Europa und sammelt auf dem Weg all diejenigen ein, die auch endlich in die Zeit fallen wollen, am besten mit Karacho.“

(Hanser News zu „Morgen mehr“)

Ok. Klingt Rammstedtsch.

Das Konzept des Fortsetzungsromans: Ein Dinosaurier?

Einen Roman in kleinen Stücken zu veröffentlichen ist nicht neu. Der sogenannte Fortsetzungs- oder Feuilletonroman hat in der europäischen Weltliteratur Tradition und boomte vor allem im 19. und 20. Jahrhundert. So sind beispielsweise Werke wie „David Copperfield“ und „Oliver Twist“ von Charles Dickens, genauso wie „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde, vor der Buchveröffentlichung seriell in Zeitschriften erschienen. Fjodor Dostojewski schrieb gar einen Großteil seiner Bücher auf diese Weise – und das immer unter Zeitdruck.

Zeitlich wenig aktueller war das experimentelle Fortsetzungsprojekt der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zusammen mit Science-Fiction Autor Andreas Eschbach: „Exponentialdrift„. Von September 2001 bis Juli 2002 erschienen wöchentlich neue Textstücke von Eschbach in der FAS. Die Handlung bezog sich dabei oft auf tagesaktuelle Geschehnisse. Die Resonanz der Leser blieb allerdings hinter der Erwartungen zurück. Eschbach, der  zum Start des Projektes durch die Veröffentlichung von „Eine Billionen Dollar“ eine starke mediale Präsenz innehatte, zieht im Nachwort der Buchfassung von „Exponentialdrift“ ein ernüchtertes Fazit zum Konzept des klassischen Fortsetzungsromans:

„Völlig falsch eingeschätzt haben alle Beteiligten, glaube ich, das Bedürfnis nach der Form des Fortsetzungsromans. Es stimmt, seit Charles Dickens hat das niemand mehr gemacht – aber vermutlich aus gutem Grund. […] Ich glaube, dass der klassische Fortsetzungsroman – einige wenige Spalten in einer Zeitung – eine überholte Form ist.“

(Andreas Eschbach: „Exponentialdrift“ Making Of)

Oha. Wikipedia konstatiert gar: „Gegenwärtig (Stand 2014) ist der Fortsetzungsroman so gut wie ausgestorben.“ Hat Hanser sich da ein konzeptuell verstaubtes Dinossauriergerippe ausgebuddelt, um seinen prokrastinierenden Autor doch noch zum Schreiben zu zwingen?

Der Fortsetzungsroman als Marketingstrategie: Von #Hashtagliebhabern und Autoren in Ketten

Obwohl sich „Morgen mehr“ nach Eigenaussage klar in die Tradition des klassichen Fortsetzungsromans stellt, stellt es trotzdem ein Novum dar. Im Gegensatz zu den üblichen seriellen Veröffentlichungen in Printmedien beschreitet Hanser mit dem Projekt die große weite Welt des digitalen Nutzers, oder anders: das Buch soll eine „experimentierfreudige Klientel ansprechen – #ZumBeispielSolcheDieHashtagsMögen“. Den Bedürfnissen dieser Zielgruppe sind nun auch einige  Faktoren angepasst, die für eine Rückkehr des Konzeptes Fortsetzungsroman eine entscheidende Rolle spielen könnten.

Der Hauptkritikpunkt der Leserschaft von Eschbachs „Exponentialdrift“ in der FAS war die wöchentlich Veröffentlichungsfrequenz relativ kurzer Textstellen. Bei „Morgen mehr„werden nun jeden Werktag zwei Seiten versprochen (toi toi toi, Herr Rammstedt!) – und zwar nicht nur als Text, sondern auf Wunsch auch als vom Autor eingelesene Audiodatei. Genau die richtige Länge um die tägliche Dosis Rammstedt als festes Tagesritual zu etablieren – am Frühstückstisch, der Mittagspause oder in der Ubahn.  Und noch besser: Die Zielgruppe der #Hashtagliebhaber kommuniziert über sowas gerne. Zum Beispiel über Twitter,  Facebook oder auf einem Blog und kurbelt natürlich damit ordentlich die Werbetrommel. Klappt ja ganz gut, wie man sieht.

Das Konzept von „Morgen mehr“ als Fortsetzungsroman ist nicht neu, aber im digitalen Kontext durchaus innovativ und trifft (vielleicht) den Zeitgeist. Ein großer Teil der Strategie im gegenwärtigen Buchmarketing ist die Vermarktung von Autoren und ihrer Schreibpraxis. Ein Fortsetzungsroman gibt dem Leser die Möglichkeit, sich dem kreativen Entstehungsprozess des Buches viel näher verbunden zu fühlen. Und zwar inklusive möglicher Schaffensflauten. Gerade jemandem wie Tilman Rammstedt, der sich schon mit Büchern wie „Der Kaiser von China“ ein etwas kurioses Image aufgebaut hat, traut man tatsächlich zu, dass er, wie in einer Bilderserie des Hanser Verlags prognostiziert, an Tag 22 des Projektes völlig verzweifelt versucht sich hanebüchen lustige Wendungen für das Kapitel des nächsten Tages aus den Fingern zu saugen und es am Ende trotzdem gut wird. Man ist gar neugierig, ob der übernächtigte Rammstedt denn nun tatsächlich jeden Tag zwei Seiten hinkriegt, oder ob irgendwann eine peinlich  berührte Entschuldigungsmail von Verleger Jo Lendle im Emailpostfach wartet.

Dementsprechend selbstironisch wird der Roman auch beworben. Häufig wiederkehrende Themen: Verschiedene Phasen der Rammstedtschen Auflösung in den Ketten seiner Veröffentlichungsverantwortung, Verwirrung ob der geplanten Planlosigkeit des Projekts und ein vollkommen verzückter Lektor, der eben für ein paar Monate mal „ein wenig früher aufstehen muss“.

Der Plan für „Morgen mehr“ steht also. Und ich bin gespannt auf das Experiment und freue mich morgens von den neuesten Rammstedtschen Schreibergüssen geweckt zu werden – ganz egal, ob der Autor nun wirklich jede Nacht schweißgebadet vor dem leeren Word-Dokument sitzt, oder ob das nicht doch alles strukturfester ist als suggeriert. In jedem Fall mal was Anderes!

Und was sagt eigentlich Tilman Rammstedt dazu?  Kein sehr guter Plan, sagt er laut eines aktuellen Youtubevideos von Hanser.

Er soll aber nicht so viel sagen, er soll verdammt nochmal schreiben. Seinen neuen Roman. Tag für Tag.

Na dann mal los, Herr Rammstedt.