Schlagwort: Donald Trump

Postfaktisch – Die Politik des Bauchgefühls

Das US-amerikanische Wahlvolk hat gesprochen. Es rief „TRUMP!“ Was es damit ausdrücken will, ist aber unklar, denn es spricht mit einem kaum verständlichen Dialekt, den Sprachforscher „Postfaktisch“ nennen.


Postfaktische Zeiten

Das kleine Wörtchen „post“ hat es ganz schön in sich: Es zeigt nicht nur einen zeitlichen Verlauf an (etwas ist nach etwas anderem), sondern es markiert auch einen qualitativen Unterschied. Die Postmoderne ist reflektierter als die Moderne. Die postcolonial studies sind besser als koloniale Forschungsreisen. Postmondän ist cooler als Die Welt. Doch was ist der Unterschied zwischen dem Postfaktischen und dem Faktischen?

Das Oxford Dictionary hat das englische Pendant „post-truth“ zum Wort des Jahres 2016 gewählt und begründet die Entscheidung mit dem Gebrauch des Worts im Zusammenhang mit dem Brexit und Donald Trumps Kandidatur im US-Wahlkampf. Das Wort bezeichne „circumstances in which objective facts are less influential in shaping public opinion than appeals to emotion and personal belief“. Objektive Tatsachen sind also für die öffentliche Meinungsbildung weniger einflussreich als Gefühle und die persönliche Überzeugung. Bezogen auf das Titelbild dieses Artikels würde der postfaktisch denkende Mensch sagen: „Ich könnte die Größe der Figuren auf dem Bild zwar nachmessen, aber ich verlasse mich lieber auf mein Bauchgefühl. Und das sagt mir, dass die Figuren nach hinten größer werden.“ Postfaktisch denkende sind anfällig für Täuschungen.

Angela Merkel sprach von „postfaktischen Zeiten“, als sie im September die schlechten Wahlergebnisse der CDU bei den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern kommentierte.

„Postfaktisch“ scheint sogar eine treffendere Benennung der gemeinten Phänomene zu sein als „post-truth“. Schließlich wird das Konzept der Wahrheit (truth) nicht insgesamt aufgegeben. Nur die Rolle, die Fakten bei der Wahrheitsfindung und bei der Begründung der Meinung spielen, ändert sich. Fakten sind nur noch dann Fakten, wenn sie mit meinen persönlichen Gefühlen übereinstimmen. Wenn nicht, dann sind die Fakten Lügen.

Tatsächlich kann aber niemand, der seine Meinung lautstark äußert, das Konzept der Wahrheit ganz über Bord werfen. Er fühlt sich ja zu seiner Meinung berechtigt und muss sie äußern, weil sie bis jetzt noch nicht von ‚denen da oben‘, vom Establishment oder von den Massenmedien genügend berücksichtigt wurde. Der Ausruf „Lügenpresse!“ setzt gerade voraus, dass es eine Wahrheit gibt, über die die Medien eigentlich berichten sollten.

Post-Kompetenz

Das Spannende ist nun, dass diese postfaktische Haltung nicht nur den wütenden Mob auf der Straße betrifft, sondern ins Innerste des politischen Systems vorgedrungen ist. Das Neue ist dabei nicht, dass Politiker heutzutage lügen – das haben sie vermutlich immer schon getan. Die neue Qualität entsteht, wenn sie nicht einmal mehr versuchen, ihre Meinung durch Fakten zu belegen. Und wenn sie einer Lüge überführt werden, hat das oftmals keine gravierenden Konsequenzen mehr. Die Lüge ist eben keine Lüge, wenn sie sich richtig anfühlt oder dem Belogenen in seiner Überzeugung bestätigt. Und ein digitaler Shitstorm wird so schnell vom nächsten abgelöst, dass die aufgedeckte Lüge in Vergessenheit gerät.

Nun haben wir den Salat: Donald Trump wird bald der mächtigste Politiker der Welt sein. Dass Prominente aus dem Showbusiness politische Ämter bekleiden, ist in den USA nicht neu. Arnold Schwarzenegger und Ronald Reagan sind die wohl bekanntesten Beispiele. Reagan hatte vor der Wahl zum US-Präsidenten 1980 allerdings immerhin schon viele Jahre lang politische Erfahrungen gesammelt (er war Gouverneur von Kalifornien 1966-1974). Trump hingegen ist politisch genau so erfahren wie ein Autoreifen. Man muss sich einmal klar machen, was die Wahl Trumps wirklich bedeutet: Das ist so, als wäre Dieter Bohlen der deutsche Bundeskanzler!

Aber nicht nur nimmt es Trump mit den Fakten nicht so genau. Auch das schwächere Kriterium der Kohärenz ignoriert er, die Forderung also, dass Aussagen einer Person wenigstens widerspruchsfrei zueinander passen. Seine Reden während des Wahlkampfs enthielten nicht nur zahlreiche Selbstwidersprüche, auch seine erklärten Ziele vor und nach der Wahl widersprechen sich bereits. Beispielsweise nannte er im Wahlkampf das Ziel, Obamacare abzuschaffen. Nach der Wahl ruderte er zurück und möchte Teile der Gesundheitsreform nun doch beibehalten. Das grundsätzliche Problem ist also, dass gar nicht klar ist, was die Wahl von Trump für Folgen haben wird – er scheint es ja selbst nicht zu wissen. Seine Ziele ändern sich mit seinen Gefühlen je nach Tagesform. Konrad Adenauer wird gerne mit der flapsigen Bemerkung zitiert: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Nichts hindert mich, weiser zu werden.“ Trumps Motto ist sinngemäß: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Nichts hindert mich, heute andere Gefühle zu haben.“

Donald Trump funktioniert wie eine Fernsehserie, bei der in jeder Episode eine unerwartete, schockierende Wendung in der Story das Publikum bei der Stange hält. Ob die Geschichte dabei logisch schlüssig ist, ist zweitrangig.

Posten, liken, sharen

Das ‚alte‘ Massenmedium Fernsehen macht es einer kontroversen Figur wie Trump leicht, gehört und gesehen zu werden. Trump ist auf skurrile und verstörende Art unterhaltsam und unberechenbar – ein Garant für Einschaltquoten. Der Fernsehsender CNN hat selbst eingeräumt, Trumps Reden zu oft und zu ausführlich ausgestrahlt zu haben, als sich dieser 2015 neben anderen Bewerbern im Vorwahlkampf der republikanischen Partei befand.

Der hauptberufliche Miesepeter Neil Postman hat den Zusammenhang zwischen medialer Aufmerksamkeit und politischer Meinungsbildung schon in den 1980er Jahren anschaulich dargestellt. Ihn sorgte die Tendenz des Fernsehens, alles im Format der Unterhaltung zu präsentieren und den ernsthaften Diskurs zu verdrängen. Durch die sozialen Medien, die Postman nicht mehr miterlebt hat, hat sich diese Tendenz sicherlich noch verstärkt. Man muss gar nicht kulturpessimistisch eingestellt sein, um zu verstehen, dass mit 140 Zeichen keine komplexen politischen Zusammenhänge dargestellt werden können. Emojis drücken standardisierte Gefühle aus, aber zum Argumentieren sind sie eher ungeeignet. Während die FDP einst forderte, dass die Steuererklärung so einfach sein müsse, dass sie auf einen Bierdeckel passt, scheint sich heute der gesamte politische Diskurs an solchen begrenzenden Formatvorgaben zu orientieren. Bierdeckel passen ja auch gut zu Stammtischparolen, bei denen die Faust auf den Tisch donnert.

Auf der Jagd nach Clicks, Likes und Einschaltquoten berichten die Medien lieber über verbale Entgleisungen und andere Fehltritte von Politiker*innen als über politische Inhalte. Günther Oettinger beispielsweise war aus personenbezogenen Gründen in den letzten Wochen gleich mehrfach in den Schlagzeilen. Was seine politischen Ziele und seine Aufgaben als EU-Kommissar eigentlich sind, bleibt dabei aber völlig im Dunkeln und scheint niemanden zu interessieren. Mit der Überschrift „Politiker*in XY will die Einkommenssteuer um 0,5 Prozent erhöhen!“ lässt sich eben keine Aufmerksamkeit generieren. Und für die Wähler*innen ist es natürlich auch bequemer und leichter, sich über eine öffentliche Person eine Meinung zu bilden als über ein Parteiprogramm, eine politische Debatte oder einen konkreten aber langweiligen Gesetzentwurf. So werden schließlich Politiker*innen gewählt, weil sie ’sympathisch rüberkommen‘. Aber selbst ein unsympathischer Kandidat hat im Zweifelsfall bessere Chancen als ein Name, dem man zum ersten Mal in der Wahlkabine begegnet.

Schön wäre es, wenn der Wahlsieg Trumps als Weckruf für Redaktionen und andere Entscheidungsträger*innen in der Medienbranche ernst genommen würde und eine selbstkritische Analyse stattfände.

Postproduktion der Stimme

Donald Trump hat verstanden, wie die Medien funktionieren und hat es geschafft, mediale Aufmerksamkeit in Wählerstimmen umzuwandeln. Neue Medientechnologien zu verstehen und zu nutzen, wird sich für Politiker*innen zukünftig wohl noch mehr lohnen, denn die Wahrheit wird durch diese zunehmend flexibel gestaltbar.

Jeder Hobbyfotograf kann heute mit Photoshop Bilder retouchieren und so bearbeiten, wie es zu Zeiten der Analogfotografie nur für Profis möglich war. Kinobesucher*innen haben sich längst daran gewöhnt, dass in Filmen virtuelle Welten gezeigt werden, die vollständig am Computer entstanden sind. Die Stimmen von animierten Figuren wurden bislang jedoch von Schauspieler*innen im Tonstudio gesprochen. Das könnte sich bald ändern, denn Adobe, die Entwicklungsfirma von Photoshop, hat den Prototypen der Software VoCo präsentiert, mit der beliebige Texte von beliebigen Stimmen gesprochen werden können. Und zwar nicht so, wie es synthetische Stimmen schon seit Jahren können, sondern mit Stimmen von ‚echten‘ Personen. Man kann jeder beliebigen Person, von der genügend lange digitale Tonaufnahmen existieren, jedes Wort in den Mund legen – im Idealfall klingt die Sprachausgabe so echt, dass durch bloßes Hören nicht entschieden werden kann, ob die Person den Text tatsächlich gesprochen hat oder ob es die Software ist, die nur die Stimme der Person nutzt.

Jede sprachliche Äußerung von Trump, die zukünftige Journalist*innen finden, könnte also prinzipiell ein Fake sein. Und Trump könnte jede seiner früheren Äußerungen bestreiten, indem er behauptet, dass seine politischen Gegner sie mit der Software generiert hätten. Der Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge hätte dann nur noch eine theoretische Relevanz. Für eine politische Diskussion hätte er gar keine Auswirkungen mehr. Das wäre dann tatsächlich post-truth.

Vielleicht sollten wir aber erst mal klein anfangen und eine Crowdfunding-Kampagne starten, um Hillary Clinton einen EDV-Kurs an der Volkshochschule zu spendieren. Es ist nie zu spät, den richtigen Umgang mit Email-Programmen zu lernen.

Angry White Men – Donald Trump’s Silent Majority

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Donald Trump’s elevation to the highest office in the United States came to most in the United States and abroad as a shock to the current political establishment.  A view into, as sociologist Michael Kimmel has named them, America’s ‚Angry White Men‘ shows that this decade long strain of frustration brewing among America’s self-endowed heirs to the American Dream laid fertile ground for the rise of a Trump-like authortarian character in American politics.  Feeling abandoned by Washington elites, progressives who seem to dismiss their legitimate hardships, and the media, these men turned to the darkest corners of political philosophy for the answers seeking to ‚Make America Great Again‘.

by Nicholas Babakitis


 

“When Mexico sends its people, they’re not sending the best. They’re not sending you, they’re sending people that have lots of problems and they’re bringing those problems with us. They’re bringing drugs. They’re bring crime. They’re rapists… And some, I assume, are good people.”

17 months ago, this ridiculous, now infamous statement was uttered by the, now, President of the United States, Donald J. Trump. Whipping up his abysmal cocktail of hyper-masculinity, rampant sexism, racism, homophobia, and pretty much anything else generations of men and women in the United States have been fighting against, yet somehow in this slew of word vomit, Mr. Trump secured his place in being the next Commander in Chief. These sentiments, obviously, must have resonated with some Americans (over 58 million at the time of writing this piece), but how did these vile, archaic ideas take center-stage in American politics and mobilize massive groups of people to support him? Michael Kimmel, author of Angry White Men and sociologist at the Stony Brook University in New York, offers an insight into these groups of disenfranchised men, clinging on to their ‚values‘ and imaginary utopia of a time when men were men, that many Americans have long overlooked as being simply an unwillingness to adapt to the times.

Kimmel scores the nation searching for groups most men (and women) would not only disregard, but some whom many would wish to avoid at all costs: neo-Nazis, men’s rights activists, school shooters, and others compelled to rebel against a system they find to be oppressing them. The 1960s, while giving minorities and women more rights and opportunities in the American way of life, had immediate backlash from conservative communities prompting the promotion of ‚Law and Order‘ values from notable politicians the likes of Richard Nixon, Ronald Reagan, and now Donald Trump in the decades following. This opposition, which still carries over into modern politics, is felt by many of these men and in their eyes isn’t seen as being racially driven, rather that these groups (women and minorities) were ‚taking their jobs‘ and threatening their way of life.

“Make America Great Again”

American jobs belong to Americans, right? This sense of entitlement, as Kimmel notes, is a tenant of the American way these men felt was guaranteed to them as being hard working Americans, depicting themselves akin to the modern-day frontiersmen. Hard work equated to having a stable job, being able to feed their families, in most cases owning a house and a car, many staples of American life which, post-2008, have been more and more difficult for hard-working Americans to access, in turn leaving many angry, wishing to position their rage at anything which seems somewhat feasible to them and developing a nostalgia for a time that never really existed.

The self-made man, who left the city generations ago to set out west and make a new life for himself, honing his skills for survival while embarking on grand adventures. This self-made man was America and the beginning of the truest expression of freedom and the American dream to these men, something far in the past due to progressive reforms of the last century. Kimmel, however, pulls off the rose-colored glasses, which many Americans, not just these angry white men, have on, shedding some light on the situation of these idolized frontiersmen and their reasons for abandoning their lives in the North; namely an inability for these men to become successful in their towns and cities where they were from attempting to sacrifice all they had to be successful, simply because they had the open wilderness at their disposal.

Free-market capitalism, the epicenter of all of America’s growth, wealth, and industrial power, remained in the eyes of not only Angry White Men, but most Americans, as a piece of the American dream they could take part in, express their freedoms the true American way, and become successful. Once again, this staple promise of the American Dream was never really fulfilled for these men. Oblivious to the basics of labor exploitation, the mobility of labor, and the now new competition for positions in the labor market due to the influx of minorities and women introduced in the work force over the next few decades, promises of a life destined through their position as white American men, dwindled for many in front of their eyes.

“Grab ‘em by the pussy”     

Feminism, rather Women’s Liberation as a whole, has found many men in a similar state of panic with many of whom are in a defensive struggle to ‚get their balls back‘. Consistent complaints of ‚men unable to be men‘ resonate throughout Kimmel’s chapter focusing on such Men’s Rights groups, rather childishly due to women having more, although not equal, opportunities in the workforce. What Trump dismissed a few weeks prior to his election as simply ‚locker-room talk‘ is a private-sphere in which these men feel they can no longer express and represent themselves in traditionally male-dominated fields (the overall workspace). These men yearn for the good ol‘ days, when women held jobs in ‚women specific‘ fields and a nostalgia reminiscent of Mad Men tickles their fantasies of how great it must have been to be a man in the era of Fordism.

Antifeminists in the 1950s and 60s viewed feminism as a means of turning women into consumerist gold-diggers, ruing the docile nature of the pre-feminist woman. While America sees itself founded on consumerism, anti-feminists have continuously held the belief that this culture and behavior is inclined more to the male gender and the preservation of the patriarchy. Men Right’s Activists of today see these continuous pushes from women wishing to make themselves an equal part of a society notorious for denying them the right to be seen as equals as the federal government taking a political agenda that is a feminist ploy to rig the system against men and tilt it into the favor of women.

“I have a great relationship with the Blacks. I’ve always had a great relationship with the Blacks”

Race in the eyes of many of these Angry White Men is something Kimmel describes as a ‘Goldilocks’ affect: too hot, too cold, or just right. Western outlooks on race and the attributes men (and women) have displayed supposedly due to their race is a long, upsetting history which is unfortunately far from being a thing of the past. White Men have seen other races as either being far too hypo-masculine, Latinos or Asians, or hyper-masculine, particularly Black men, and are not fit for the world the white man resides in. While Kimmel does not address this issue the way famous sociologies like Frantz Fanon have marvelously done in the past, he uses these stereotypes as the mechanism which men have historically used to promote white-American values and have seemed to slip into an unconscious realm of thought potentially unknowingly racist in many cases.

Similarly to how MRA’s (Men’s Rights Activists) feel their right to the patriarchy is being threatened by a relatively recent addition into the traditionally white, male dominated workforce seeking equality, many working class white males, and those who give an outlet to this rage and in many cases paired with scientifically inaccurate ideas of race, feel they’re being forced out of the places predetermined to them by their status and skin color. Kimmel points continuously to recent American pop culture as a visualization of this attitude many white working class men, most recently, and possibly most accurately depicted in the Clint Eastwood film Grand Tornio.

“If you’re a conservative Republican, you’ve got to fight for your life. It’s really an amazing thing.

Obviously, as history has shown, this rage doesn’t remain bottled up and has developed itself into a massive, politically active network ready to mobilize and take their country back which they feel they have been robbed of. Conservatives cry of the unfair tilt ‘liberal media’ has in the United States (Lügenpresse!11!1!), yet tuning into talk radio will show a rather drastic bias towards far-right wing political leanings, oddly symbolic of a somewhat outdated means of broadcasting being used to broadcast and expand outdated ideas and sentiments. Rush Limbaugh, Michael Savage, Sean Hannity, Mark Levin, and many many more, create a seemingly never ending list of far-right pundits who broadcast coast to coast from morning into the wee hours of the night producing delusions of grandeur for these men to tap into and, in many cases, mobilize into a strong political community. Promoting seemingly obvious white nationalist sympathies, Kimmel notes how these mouthpieces for the Angry White Men provide many with the outlet they seek, with likeminded people, in order to fight whichever liberal agenda is attempting to emasculate them.

Overall, this inability, or rather unwillingness for these Angry White Men to see the roots of their, in many ways, legitimate qualms with a society they feel ignored in, is a product of neo-liberalism. Kimmel suggests throughout the book that these men are trying and wanting to be heard, and in a society where they feel attacked for being white, something previously unheard of to these men in the United States, they find themselves in a regression of thought with millions of others who share their resentment.   Simply put, white, working class men, are legitimately hurting, rather than teaming up with other exploited and truly oppressed peoples in this modern world, they’re turning inwards, becoming angry and, unfortunately, getting their way as of Wednesday morning’s election results. These Angry White Men, as the struggling backbone of an American society existing only in the theater of the mind, helped propel Donald J. Trump to the highest office in the United States of America.


Nick BabakitisNicholas Babakitis is currently studying North American Studies at the Freie Universität Berlin with a special focus in Politics and Economics. He is originally from Phoenix, Arizona and has his BA in History and Political Science from Arizona State University. When he isn’t preoccupied with his studies, he enjoys playing guitar, eating pizza, and secretly playing with Legos when no one is looking.

„In Trumpland“

Für eine Umstimmung der Trump-Wähler hat der Film von Michael Moore nicht gereicht. Doch gibt er uns einen Eindruck davon, was uns im Trumpland erwartet?


Auf Kuschelkurs mit Hillary begibt sich Michael Moore in „Trumpland“, einem Film, der potentielle Trump-Wähler überzeugen sollte, doch noch für Clinton zu stimmen. Was den Titel betrifft, scheint Moore eine Vision gehabt zu haben, die über Nacht nun leider Realität geworden ist: Wir befinden uns in Trumpland. Die USA haben sich eine Trump-Regierung an den Hals gewünscht – ähnlich stimmten in einer „Zeit“- Umfrage nur Frankreich und Russland, wobei ersteres mehr verblüfft.

Aber was steckt hinter dem filmischen Trumpland von Michael Moore und wird es den hochgeschraubten Erwartungen gerecht? Vermag es auch nur einen Trump-Wähler umzustimmen? Offensichtlich nicht.

Das Filmerlebnis im Babylon startet mit einer Orgel-Einlage, die positiv stimmt und an unbeschwerte Zeiten in nostalgisch möblierten Etablissements erinnert. Dann tritt ein Mann vor das Publikum und preist seine „Berlin for Bernie“-Kampagne an, die mittlerweile auf einen anderen Namen hört, nämlich „progressive democrats abroad“. T-Shirts mit Bernie-Aufdruck können erworben werden und alle applaudieren für den Mann, der die kostenlose Vorführung von „Trumpland“ möglich machte. Endlich startet der Film. Die One-Man-Show, die in einem Theater stattfindet, beginnt mit einer Reihe von Clichés über Republikaner und Demokraten. Während erstere als besonders organisiert, zielstrebig und aufgeräumt gelten, scheinen letztere unentschieden und grüblerisch. Auf die ersten vagen Lacher folgt tosendes Gelächter, als Moore die Räumlichkeiten des Theaters einweiht: Links oben wurde ein Séparée für alle Mexikaner und mexikanisch aussehenden Menschen eingerichtet, die dort sitzend darauf warten können, wie im Laufe des Theaterstücks langsam eine Mauer aus Pappe um sie herum gebaut wird. Auf der anderen Seite wurden alle Muslims und muslimisch Aussehenden separiert, über deren Köpfe eine Drohne fliegt – all das zur Beruhigung der anwesenden Republikaner oder wenn man ehrlich ist, zur Belustigung der überwiegend demokratisch orientierten Theatergäste.

„Don’t get gay married if you don’t like“

Moore steigt ein und legt die Karten auf den Tisch: Er selbst hätte für Sanders gestimmt, er sei kein Hillary-Fan, und so fällt es ihm zunächst gar nicht leicht, drei positive Dinge über die Frau zu sagen. Damit ist man dann auch an dem zentralen Thema des Abends angelangt: dem Frau-Sein.

Im Folgenden wird man Zeuge wie Moore versucht die anwesenden Republikaner weiter einzubeziehen, so erteilt er hilfreiche Lektionen über Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehe: „Don’t get gay married if you don’t like, and don’t get an abortion if you don’t want one“. Über die Generation der Millenials ist Moore sichtlich begeistert und befreit sie von der Verantwortung für die Schandtaten seiner eigenen Generation. Doch im besonderen Fokus steht das Frau-Sein. Frauen könnten jetzt auch Single sein, bräuchten Männer nicht mehr, wären noch nie Amok gelaufen und hätten auch die Atombombe nicht erfunden. Wäre also eine Welt die bessere, die von einer Frau regiert würde? Es scheint so. Gut, dass Hillary sich anbietet, die Welt scheint gerettet, denn sie ist bekanntlich eine Frau. Auch wenn die Überredungsversuche Moores eher emotionaler als argumentativer Art sind, lernen wir die Person Hillary Clinton von einer neuen Seite kennen: als verletzliches Lamm, dem in der Vergangenheit oft Unrecht getan wurde und doch so willensstarke Persönlichkeit, die ihre politischen Ziele klar verfolgt. Welche das sind, bleibt größtenteils außen vor. Trump-Wählern mit Rationalität beizukommen wird gar nicht erst versucht.

Das Gesundheitssystem oder die Frage – was ist Terror?

Eine Ausnahme stellt der interessante Schwenk zum Thema Gesundheitssystem dar, wobei auch hier die Emotionalität im Vordergrund steht – es wird daran erinnert wie viele, nämlich 1 Mio., Amerikaner innerhalb von 20 Jahren ihr Leben verloren haben, ganz einfach weil sie nicht versichert waren und sich den Arztbesuch oder teure Medikamente und OPs nicht leisten konnten. „Was ist Terror?“, fragt Moore im Anschluss einmalig provokativ und erhält Standing Ovations, als er daran erinnert, dass fast jeder jemanden kennt, den er an das Gesundheitssystem Amerikas verloren hat. Bemerkenswert ist wirklich, dass Clinton, angespornt, das Gesundheitssystem zu verbessern, einst nach Estland reiste, um herauszufinden, woran es liegt, dass dort so viel weniger Frauen bei Geburten sterben – weltweit hat Estland die niedrigste Quote. Wir sehen also eine junge Clinton, die ambitioniert in die Welt hinausgeht, um etwas zu ändern. Leider bleibt es bei diesem kurzen Intermezzo, dann geht es wieder um ihre Rolle als Frau, in der sie es so viel schwerer hat als ihre männlichen Kollegen. Interessante Anekdoten über die Begegnungen Moores und Clintons können leider auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Film es wohl kaum vermochte, einen waschechten Trump-Wähler umzustimmen.

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Bildquelle: trumplandmovie.com

Clinton als politischer Papst Franziskus?

Politisch wird es erst dann als Moore das Publikum fragt, was es an Hillary auszusetzen gibt und jenes antwortet „she’s too cosy with Wall Street/Bengasi/Iraq War“ usw. Doch auch hier geht Moore nur auf den Vorwurf ein, sie sei nicht vertrauenswürdig, wobei er bemerkt, dass dieser Vorwurf fehl am Platz ist, insofern nicht die Wahl zur neuen besten Freundin, sondern die Präsidentschaft auf dem Spiel stünde. Moores anfänglich noch zaghaftes Gesäusel über Clinton mündet in einem Lobgesang zu ihrer Person, in dem er sogar von Liebe spricht. Den Bemühungen zum Trotz, uns alle einzulullen, horchen wir noch einmal auf als sie plötzlich als politische Version von Papst Franziskus angepriesen wird, der als Vertreter moderner Werte schlechthin vorgestellt wird. Die Wahlkampfmaschine Moore fordert eine Revolution, die Hillary den Rücken stärkt, damit diese in Beyoncés Boots den USA den Weg aus dem Schlamassel weist. Eigentlich ein schöner Gedanke. Schade nur, dass Clintons Frau-Sein allein nur wenig mit ihrer (außen-)politischen Agenda zu tun hat. Moores Pathos verhallt und sein Fazit lautet: Wähl‘ Clinton, auch wenn du sie hasst – hass‘ sie ruhig weiter, aber wähl sie trotzdem! Ein ehrlicher Moment, ein Moment, mit dem sich auch viele Deutschen identifizieren können, die eigentlich Sanders wollten, im Rennen um den Sieg nun aber das kleinere Übel auswählten.

Was bleibt, ist der Witz, mit dem Trump begegnet wird. Und so sehr man geneigt ist, in das Gelächter einzustimmen, so sehr muss man sich im Nachgang der Wahl fragen, ob es nicht gerade dieser Umgang mit einer Person wie Trump ist, der ihm letztlich zum Sieg verholfen hat. Fest steht, dass wir in nächster Zeit wohl eher weniger zu lachen haben.

 

Bildquelle Titelbild: trumplandmovie.com