Kategorie: Rezensionen

Papa Roach – Who Do You Trust?

Die Frage, ob wir einer der größten Rockbands der 2000er noch immer vertrauen.

Ein Gastbeitrag von Mercy Ferrars


Papa Roach – eine Band, deren Song Last Resort weder auf guten 2000er Pop-Punk-Playlists noch auf standardisierten Rockpartys fehlen darf. Und wenn er es tut, geht eine gute Hälfte aller Besucher geknickt nach Hause. Ja, die Party war gut – aber es wäre schon schöner gewesen, wenn sie Last Resort gespielt hätten. Ein Phänomen, welches man plakativ als das 2000er-Phänomen bezeichnen kann: Eine Sammlung großer Rockbands der 2000er Jahre, welche heutzutage stets mit demselben Song auf derselben Party vertreten sind.

Mit ihrem Album Infest aus dem Jahre 2000 haben Papa Roach ihren Sound definiert – und auch Last Resort ist dort zu finden. Ein Sound, welcher sich durch für seine Zeit durchaus typische Merkmale des Nu Metal/Nu Rock auszeichnet, und diesen gemeinsam mit Bands wie Emil Bulls, Rage Against The Machine, Limp Bizkit und, natürlich, Linkin Park definierte. Der Sound einer Ära um die späten 90er und frühen 2000er Jahre, der sich stark am Heavy Metal orientiert und sich gleichzeitig anderen Genres gegenüber öffnet – viele Bands übernahmen Elemente des Hip-Hops; sowohl Sprechgesang als auch eine generelle Rhythmisierung und Dynamisierung der Songstruktur; mit überwiegend cleanem Gesang, doch auch akzentuiert eingesetzten Screams. Thematisch orientierten sich die Songs an den Problemen der Jugend und Tabuthemen wie Depression, Suizid und mentaler Krankheit. Auch auf Infest finden sich diese Merkmale.

Über die Jahre und unter Einfluss verschiedenster, sich neu entwickelnder Musikstile veränderten sich die meisten der in den frühen 2000ern bekannten Bands hin zu weicheren Sounds, an Popelemente angelehnte Songelemente und einschlägigeren Klängen. Am 18. Januar 2019 veröffentlichten Papa Roach ihr zehntes Studioalbum, Who Do You Trust?  unter Eleven Seven Music. In Anbetracht der modernen Bandentwicklung fieberten Fans dem Album mit gemischten Gefühlen entgegen. Auf der einen Seite steigt die Aufregung auf ein neues Album der Lieblingsband exponentiell, je näher dessen Veröffentlichungsdatum rückt – andererseits hat man auch oft das Gefühl, man kann nicht darauf vertrauen, dass einem dieselbe Musik, dasselbe Gefühl, dieselbe Atmosphäre vermittelt werden wird. Bei Bands wie Linkin Park oder Bring Me The Horizon änderten sich Musikstile derartig drastisch, dass die musikalische Konstante, die Fans an Bands band, oftmals schwand – obgleich diese Bands auf andere Art und Weise eine Bindung zu ihren Fans aufrecht erhalten konnten.

Können wir Who Do You Trust? nun also vertrauen? Während sich das 2017 erschienene Album Crooked Teeth noch zweifellos nach Papa Roach anhörte, wagt sich Who Do You Trust? durchaus weiter fort vom traditionellen Sound der Amerikaner. Tatsächlich zeigt sich auf dem Album ein Phänomen, welches bereits von neueren Alben anderer Bands bekannt ist: eine Tendenz hin zu einem weicheren, radiotauglichen Stil; Songs, die allgemein recht unterschiedlichen Genres zugeordnet werden könnten und einigen härteren Stücken, die alteingesessene Papa Roach Fans voll und ganz abholen. Who Do You Trust? traut sich und zeigt Mut zu weicheren Stücken wie dem fast schon akustischen Come Around. Auch Problems behandelt ein inhaltlich schweres, emotionales Thema auf eine melodisch fast leichtfüßige Art und Weise. Besonders verblüffend: ein emolastiges Stück wie Feel Like Home, nicht nur wegen des Inhalts, sondern vor allem durch seine musikalische Gestaltung und klaren Elementen der Emo-Welle der frühen 2000er. Mühelos zeitgleich zeigen Papa Roach Extreme der anderen Sorte: harter Punk in Form von I Suffer Well oder solider Rock im Titeltrack Who Do You Trust.

Fast schon leise und unbemerkt schleichen sich elektronische Einflüsse ein, beispielsweise in Maniac, welches an M83 erinnert und dennoch so deutlich nach Papa Roach klingt – mein persönlicher Favorit auf dem Album, gemeinsam mit dem Titelsong –, sich unvergleichlich persönlich, offen, verletzlich präsentiert; ein nicht zuletzt einzigartiger Song, der vorantreibt und einen gleichzeitig im Gefühl eines Augenblicks verharren lässt. Ein Stück, das uns ganz nah zu Frontsänger Jacoby Shaddix bringt und uns dennoch weit weg transportiert.

Quelle: YouTube

Das neue Papa Roach Album ist ein Album der Extreme. Es setzt sich aus verschiedenen musikalischen Einflüssen zusammen, wie ein Spielplatz, auf dem die Band sich der Welt öffnen kann. Die Frage, ob man dem neuen Album also vertrauen kann, ist durchaus subjektiv zu beantworten. Wer ein Album voll durchgehender „Papa Roach Sounds“ erwartet, mag hier nicht ganz bedient werden. Nichtsdestotrotz erschüttert das neue Album das Vertrauen in die Band kaum bis gar nicht. Im Gegenteil, eher ermöglicht die Band einem viel größeren und vielfältigeren Publikum, Zuflucht und Zugang in und zu ihrer Musik zu finden – und, natürlich, Vertrauen.

Who Do You Trust von Papa Roach erschien im Januar 2019 bei Eleven Seven Music. Mercys Favoritentracks sind: Maniac, Who Do You Trust, Come Around und Feel Like Home.

 


 

Mercy Ferrars, geboren 1992 in Süddeutschland, schreibt schon von klein an Geschichten und Texten sowie im journalistischen Bereich. 2018 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, gefolgt von verschiedenen weiteren Publikationen. Sie ist Studentin der Anglistik und Philosophie und arbeitet in einer Redaktion im Bildungsbereich. In ihrer Freizeit widmet sie sich gerne allerlei Projekten rund ums Schreiben und Fotografieren, fremden Städten, und dem Träumen, welches sie manchmal an ferne Orte, und manchmal ganz tief in sie hinein zieht.

Coverbild: © Eleven Seven Music

Der Fremdkörper im Deutschrap

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins JAW

Nachdem der Rapper jahrelang immer wieder Hinweise in Form von einzelnen Tracks oder Ausschnitten streute, aber sonst wenig von sich hören lies, stellte sich langsam die Frage, ob es überhaupt ein Come-Back geben würde. Die treuen Fans blieben allerdings geduldig und wurden mit einer weiteren Reise durch Jottas Seelenleben belohnt: Die unerträgliche Dreistigkeit des Seins.

Ein Gastbeitrag von Annabell Lamberth


Während TOA von JAWs Kampf gegen seine eigenen Dämonen in Form von Selbstzerstörung, Mordfantasien, dem Widerspruch zwischen Täter und Opfer, Schuld und Sühne handelte, so betrachtet sein neues Album nach sieben Jahren Pause das Geschehen um ihn herum auf eine gereifte, auf eine bodenständige Art. Den besonderen Blick auf die Abgründe des menschlichen Seins hat er aber nicht verloren. Im Gegenteil, in den Tracks Fremdkörper und Lost in Space gibt er nach wie vor auf eine Weise wie kein anderer es vermag wieder, wie es sich anfühlt, gesellschaftlich außen vor zu sein und sich nicht in einen Kreis, wie den der deutschen Rapszene integrieren zu können. Wie ein Außerirdischer der die menschlichen Konventionen zwar imitieren kann, aber keinen Mehrwert darin sieht ein Teil von ihnen zu werden. „Menschenwesen fragen oft ‚Wie geht’s?‘/ – doch eine Antwort würde Erdenjahre dauern, darum sag‘ ich: Okay.“

Der Rapper Maeckes, dem es ähnlich geht, ist auch auf dem Album mit einem Gasttrack vertreten und liefert einen gelungenen Beitrag zu JAWs Beschreibungen sozialer Ordnung. JAW ist bekannt für seine intimen Einblicke in den menschlichen Wahnsinn und auch deren medikamentiöser Behandlung, welche er schon in seinen vorherigen Alben auf sarkastische Weise kritisierte. Sein Track Entzugsoptimismus lässt seine Versuche der Heilung ohne pharmazeutische Mittel Revue passieren und den Wunsch nach einem normalen Leben deutlich werden „Ich bin so nah an den Dingen wie schon lange nicht mehr“. Doch neben seinem Optimismus kommt auch die Erkenntnis: „Mir wird letztendlich klar, ich kann nicht ohne sie sein,/ kipp die 150mg wie gewohnt in mich rein./ Es bleibt wohl immer noch ein langer Weg, bis ich am Ende meine Seelenverwandlung steh“.

Experimenteller Sound

Darüber hinaus bietet das Album, wie von Jotta gewohnt, bissige, eloquente Stücke wie Nichts, aber auch ganz untypisch eine Ballade, in der er die Höhen und Tiefen der eigenen Beziehungen auf emotionale und gar nicht mal kitschige Weise beschreibt. Der emotionale Höhepunkt findet sich in Bye Mama. Hier verabschiedet er seine verstorbene Mutter auf ergreifende Art. Besonders passend ist hierbei der reduzierte Piano Beat, welcher den Worten noch mehr Raum gibt.

Quelle: Youtube / JAW Official

Auch musikalisch schlägt JAW mit dem neuen Album einen neuen Weg ein. Gemeinsam mit seinem jahrelangen Begleiter Peter Maffya wagt er eine experimentelle, ungewöhnliche Produktion. Bisher war man von JAW eher düstere Synthie- und Samplebeats gewohnt, welche durch ihre unsystematisch, sympathisch schrille Art den Wahnsinn wiedergeben. Die unerträgliche Dreistigkeit des Seins dagegen liefert einen sich stringent durch das Album ziehenden Duktus aus experimentellen Arrangements, welche aus echten, teils verzerrten Instrumenten bestehen. Ebenfalls ungewohnt sind JAWs Gesangseinlagen, unterstützt durch Autotune. Diese fanden eher weniger Anklang bei den Fans, deren Ansprüche nach der langen Wartezeit natürlich enorm hoch waren.

Sich mit den Vorgängern, voller unvergesslicher Höhepunkte zu messen, ist außerdem auch eine nahezu unmögliche Aufgabe. Vielleicht ist JAW auch mit seiner aufwendigen Produktion über das Ziel hinaus geschossen. Denn oft sind es doch die einfacheren, textlastigen Tracks, die mitten ins Mark treffen. Trotzdem sticht Jotta nach wie vor in der Rapszene durch seine wortgewaltigen, emotionalen Tracks hervor. Insgesamt hat JAW mit seinem neuem Album weitgehend positiv überrascht, man merkt aber, dass auch er sich in den sieben Jahren weiterentwickelt hat und die Dinge in einem nicht weniger düsteren, aber doch anderen Blinkwinkel betrachtet. Damit geht sicher nicht jeder d’accord, aber das macht gesellschaftskritische Musik ja auch aus.


Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins JAW

Titel: Die unerträgliche Dreistigkeit des Seins
Interpret: JAW
Label: JAW (Groove Attack)
Datum der Veröffentlichung: 25. Mai 2018
Erschienen als: Audio CD, Vinyl, Mp3 download

 

 


Annabell Lamberth, geboren 1995, stammt aus Frankfurt am Main und ist Studentin der Soziologie und Psychologie an der TU Darmstadt. Sie schreibt zu Musik und Film. In ihrer Freizeit macht sie gerne Musik, geht auf Konzerte und Ausstellungen oder genießt einen guten drink. Sie bleibt aber auch gerne mal zuhause um ihre Film- und Seriensucht auszuleben.

Über, neben und zwischen Komplizen

Ralph Hammerthaler liefert uns mit Unter Komplizen ein vielseitiges, ja kubistisches, Porträt einer gut vernetzten, globalen Künstlerszene – über die er verdächtig gut Bescheid weiß.


Vielen Künstler٭innen wird vor allem in zwei Lebensphasen Aufmerksamkeit geschenkt: zur jungen, progressiven Schaffenszeit, als sie gerade anfangen, einen Unterschied zu machen, und dann wieder, wenn sie tot sind. So dreht sich auch die meiste Literatur über Künstler٭innen entweder um wilde Frühphasen (bspw. Sven Regeners Wiener Straße), in denen nicht wenige denken, ihnen gehört die Welt, oder aber um die großen, bereits verewigten Ikonen – denen wirklich die Welt gehört (wie das Graphic Novel Pablo). Aber was ist eigentlich mit denen dazwischen, also den nicht mehr ganz so jungen nicht mehr ganz so Wilden der Kunstwelt? Taugen die nicht auch für literarische Porträts?

Unter nicht mehr ganz so jungen nicht mehr ganz so Wilden

Genau dieser Frage widmet sich Ralph Hammerthalers jüngst erschienener, fast 500-seitiger Roman Unter Komplizen. Und wird mit seiner Antwort eindeutig der Komplexität dieser Frage gerecht. Denn um zu sehen, ob sie wirklich dafür taugen, muss eine differenzierte Betrachtung her. Und so widmet er sich einer umfassenden Beobachtung einer kleinen, aber global verstreuten Szene befreundeter Künstler٭innen verschiedener Disziplinen sowie einiger Personen aus ihrem Umfeld. Schauen wir mal hinein: Was treiben Künstler٭innen heutzutage denn so, wenn ihnen gerade niemand die große Bühne anbietet? Der eine wohnt vielleicht noch immer im provinziellen Kunstquartier und hangelt von Stipendium zu Stipendium. Der andere finanziert seine Avantgarde-Kompositionen und sein Großstadtleben mit Soundtracks für Spielautomaten. Wieder eine sucht in Russland mit Sex-Performances globale Aufmerksamkeit für die eigene Unterdrückung. Ein Vierter versucht noch immer, Schiller im mexikanischen Theater zu etablieren.

Die Liste, die der Roman anstellt, ist lang und erstaunlich vielseitig. Außer in dem Punkt, dass alle, die auf ihr stehen, sich so etwas wie einen Alltag eingerichtet haben, der hier sehr gut eingefangen wird. In dessen Zentrum steht uneingeschränkt die Kunst, über die sie sich ein Staunen bewahrt haben. Und für deren Platz in ihrem Leben sie doch auch widerstandslos ihren Preis zahlen. Aber der Roman dreht sich nicht bloß um Alltage, sondern erfasst auch die Banalität und Absurdität der Lebenswelten, und lässt uns teilhaben an Kämpfen um Anerkennung und das schiere Überleben, berichtet von Herausforderungen des Schicksals und nicht zuletzt von Ausbrüchen.

Im Komplizen-Milieu

Einiges spricht am Ende dafür, dass die abgebildeten Personen und Schicksale vielleicht gar nicht so weit von der Lebenswelt Ralph Hammerthalers entfernt sein könnten. Zum Beispiel diese verdächtig unaufgeregte Erzählweise, die er der sprunghaften, schauplatzreichen Handlung abgebrüht entgegenstellt. Fast wirkt sie wie ein Understatement auf das Erzählte, oder so, als wäre die Handlung tatsächlich unbeeindruckend. Dabei ist sie im Gegenteil immer wieder für überraschende und dramatische Wendungen gut, die durch die undramatische Erzählweise nur umso besser einschlagen. Viel Potenzial zieht der Roman aus unvermittelten Sprüngen zwischen unzähligen Erzählperspektiven. Vielleicht mögen die betrachteten Biographien nicht ganz so fiktiv sein, wie man erst denken und manchmal hoffen möchte. Aber die unsteten Betrachtungsweisen sind ein wertvolles Stilmittel, besonders dann, wenn sie gerade unscheinbare, aber ertragreiche Außenperspektiven auf unsere Hauptcharaktere richtet.

Unter Komplizen schafft über all seine Kapitel hinweg Raum für ein umfassendes Szeneportrait, das teils weniger Literatur und mehr einer Milieustudie gleicht – aber nur deswegen, weil es so glaubhaft erzählt ist und Hammerthaler unter den unscheinbarsten Perspektiven genau die richtigen findet, um ein klares, glaubhaftes Gesamtbild zu präsentieren. Das ist so vielseitig, dass sogar getrost das offene Ende verraten werden kann. Der Roman findet Worte für den vielleicht kunstvollsten Ausblick, den die Menschheit sich je geschaffen hat, den Panoramablick auf –. Obwohl nein, Enden verrät man nicht.

Unter Komplizen von Ralph Hammerthaler erschien im Verbrecher Verlag und hat 493 Seiten. Es fühlt sich aber kürzer an.

Beitragsbild: © Gregor van Dülmen

Kunst und kosmisches Grauen – HINAUS DURCH DIE ZWEITE TÜR

Eine Vernissage im Wald. Ein heruntergekommener Wohnwagen. Zwei Freunde, zwei Künstler: einer, dessen echtes Talent verkümmert ist, und einer, dessen Teufelspakt mit den Musen sein verkümmertes Talent echt werden lässt. In einer nur hundertseitigen Novelle erweckt Erik R. Andara die alten Meister des kosmischen Grauens zu neuem Leben und geht gleichzeitig über sie hinaus, um mit seiner Geschichte über Kunst und deren Preis auf eigenen Füßen zu stehen.


Am 29. September 2018 erschien im Nighttrain (einem Imprint des Whitetrain) die auf 100 Exemplare und 100 Seiten limitierte Novelle „Hinaus durch die zweite Tür“ von Erik R. Andara. Wer bislang noch nie von Andara gehört hat, sollte sich den Namen nun merken: sein Roman-Debüt „Im Garten Numen“ wird in Kürze erscheinen und könnte eine Renaissance der deutschsprachigen Weird Fiction befördern.

„Hinaus durch die zweite Tür“ ist rasch zu lesen und auf der Erzählebene nicht allzu kompliziert. Alles beginnt auf einer Lichtung im Wald. Alfred hat sein unbestreitbares Talent und seine gleißende Zukunft als Maler für ein geregeltes Einkommen und eine ereignislose Ehe begraben. Sein weit weniger talentierter Ex-Kommilitone Claus Patera hat zu einer Freiluft-Vernissage in der Wildnis geladen: und alles, was in der Kunstwelt Rang und Namen hat, ist gekommen.

Doch die Dinge sind nicht so, wie sie auf den ersten Blick erscheinen: Claus Patera hat sich verändert, und die Lichtung ist nun Teil seiner fremdartigen und verstörenden Welt. Die Novelle lässt sich im Wesentlichen in drei Teile gliedern: Sie beginnt mit Alfreds Ankunft auf der Lichtung, geht dann in die von Claus (der nicht nur wortwörtlich sein Gesicht verloren hat) erzählte Hintergrundgeschichte über, und kulminiert in einem letzten Akt, über den ich hier nicht zu viel verraten möchte.

Erik R. Andaras Sprache ist ganz leicht schwerfällig, manchmal etwas umständlich und altmodisch, aber sie hat einen Rhythmus, einen Sog, eine geradezu magnetische Anziehungskraft. Andara versteht es meisterhaft, eine Stimmung zu erzeugen und seine LeserInnen in die Bilder (man könnte sagen: Gemälde) seiner Geschichte hineinzuversetzen. Es ist hart, das Buch zur Seite zu legen, und es verfolgt seine LeserInnen auch nach dem letzten Wort noch weiter.

Wie in Alfred Kubins „Die andere Seite“, von dem die Novelle mehr als nur einige Namen übernommen hat, geht es hier um Inspiration und um die Opfer, die Künstler für ihre Kunst zu bringen bereit sind. Sowohl der Protagonist Alfred als auch sein ehemaliger Freund Claus durchleben eine Schaffenskrise, und beide sind am Ende bereit, einen erschreckenden Preis für deren Überwindung zu zahlen. Es geht um Ambition und um Scheitern, um Talent und um den Rausch, den nur der Schaffensakt gewähren kann.

Thematisch mag die Novelle in der Tradition von „Faust“ oder „Das Bildnis von Dorian Gray“ stehen: verwandt ist sie jedoch enger mit Lovecraft und dessen besten Nachfolgern. Der zentrale Teufelspakt ist „klassischer“ kosmischer Horror, und die dichte Stimmung erinnert an die weitgehend totgesagte österreichische Phantastik.

Das Grauen der Geschichte bleibt in weiten Teilen mehrdeutig, und oft ist nicht klar zu sagen, was der Protagonist wirklich erlebt und was ein Traum ist. Die Musen und ihre Surrealität sind nur aus dem Augenwinkel zu erahnen, sie leben in der Welt zwischen zwei Lidschlägen und sind nicht wirklich fassbar: im Nebel, in den Wolken, hinter der zweiten Tür.

Die Grundidee um den Künstler und seinen Teufelspakt mit der Kreativität mag nicht komplett neu sein, aber sie wird kraftvoll und leidenschaftlich vorgetragen. Andara bleibt in manchem vage und lässt vieles offen, aber er findet gekonnt den logischen Schlusspunkt seiner Geschichte und das Ende einer Reise, die mit dem ersten Satz (in dem Alfreds größte Sorge noch der Lack seines Autos ist) beginnt.

„Hinaus durch die zweite Tür“ erschien bei Nighttrain und hat 100 Seiten.

Coverbild: © Nighttrain/Whitetrain

Die unerträgliche Schwere des Seins

Erwachsene Menschen haben Probleme. Und je älter sie werden, desto verzwickter werden die Probleme. Das zeigt Sandra Nettelbecks neuer Film „Was uns nicht umbringt“.


Der Hauptcharakter Dr. Maximilian Lange (August Zirner) ist Psychotherapeut und verliebt sich in seine Patientin Sophie (Johanna ter Steege). Max ist geschieden, bezeichnet seine Ex-Frau Loretta (Barbara Auer) aber als seine beste Freundin. Sophie führt dagegen eine Beziehung mit David (Peter Lohmeyer), der weiterhin bei seiner Frau und seinem Sohn lebt, die von der Beziehung wissen.

Dazu kommen fünf weitere Haupt- und Nebenplots und nochmal so viele Probleme. Das Figureninventar umfasst unter anderem eine Schriftstellerin, einen Pinguinwärter und einen Bestatter. Als Zuschauer٭in fehlt allerdings der emotionale Bezug zu so vielen Charakteren und ihren individuellen Handlungszwängen. Vielleicht fällt das Zuschauer٭innen im höheren Alter leichter, die selber der eigenen Biografie nicht mehr entkommen können.

Wahrscheinlicher ärgern sie sich aber über Szenen, wie diese: Fritz (Oliver Bourmis) trauert um seinen Lebensgefährten Robert, der mit Blutkrebs im Koma liegt. Dessen religiöse Familie will verhindern, dass Fritz seinen Freund noch einmal sehen kann. Als Fritz schließlich den Leichnam sieht, erleidet er einen Wutanfall mit anschließendem Zusammenbruch. Die Reaktionen von Fritz sind so eindimensional, dass es schwer fällt, wirklich Mitleid mit der Figur zu empfinden.

Die Geschichten des Films mögen alle realistisch sein, doch für die Zuschauer٭innen bleiben sie innerlich hohl. Das liegt vor allem daran, dass der Film sich mit dem Ensemble-Format übernimmt. Die meisten Geschichten bleiben facettenarm wie die von Fritz, auch wenn der Film sich bemüht, durch weitere Schwergewichte (sterbender Vater, dysfunktionale Teenager, Spielsucht etc.) mehr Emotionen herzustellen. Schade ist, dass in dieser Menge an behauptetem Tiefgang die besseren Geschichten untergehen. Zum Beispiel die des Pinguinwärters Hannes (Bjarne Mädel) zu seiner autistisch veranlagten Kollegin Sunny (Jenny Schily). Als ihr gekündigt werden soll, verzichtet er stattdessen auf seinen Job, ohne ihr etwas davon zu sagen. Hier wird ein Problem nicht auf psychologischer Ebene abgehandelt, sondern durch eine handfeste und nachvollziehbare Handlung.

Quelle: YouTube

„Was uns nicht umbringt“ ist ein ambitioniertes Projekt: Der Film versucht ein umfassendes Generationenportrait der 40- bis 60-Jährigen in Deutschland zu zeichnen. Es gibt sicher Zuschauer٭innen, die sich darin wiederfinden und den Film genießen können. Dafür müssen sie allerdings auch immun sein gegen wirre Schnitte und dick aufgetragene Klaviermusik.

Vielleicht sind sie dabei ähnlich überfordert wie Protagonist Max. Der Psychologe steht im Auge des Sturms, da ein Großteil der Figuren bei ihm zur Therapie ein- und ausgeht. Ob er ihnen wirklich hilft, ist schwer zu sagen. Totengräber Mark (Christian Berkel) bemerkt, dass Max sich anscheinend lieber um sich selbst kümmern würde. Das tut er dann auch und kommt tatsächlich mit seiner Patientin Sophie zusammen. Das könnte nun doch noch die große Liebe sein – oder der Auftakt zu neuen Problemen.

„Was uns nicht umbringt“ ist ab dem 15. November im Kino.

Beitragsbild: © Alamode Film

How many Galileos do you want?

Ein weiterer Schub für den Mythos. Mit Zahn und Sound verkörpert Rami Malek in Bohemian Rhapsody den zur Legende gewordenen Queen-Frontmann Freddy Mercury. Mit maximal aufgedrehter Lautstärke und raketenartiger Geschwindigkeit geht es vom Beginn der Schöpfung bis zum allgemein anerkannten Höhepunkt der vielseitigen Band: dem Live-Aid-Auftritt von 1985.

Von Maria Engler


Musik-Biopics sind das kleine Schwarze der Kinolandschaft – passen zu jedem Anlass, sind nie aus der Mode und für jeden gibt es das passende Lieblingsteil. Filme wie Amadeus, Walk the Line, Control, Love & Mercy oder der aktuelle deutsche Hit Gundermann zeigen: kein Kinojahr ohne passendes Musik-Biopic. Erfolg verspricht nicht nur die gewinnbringende Verschmelzung zwischen Musik und Film inklusive dazugehörigen Publika, sondern auch die oftmals nach Verfilmung schreienden Lebenswege der musikalischen Genies.

Bohemian Rhapsody wagt sich selbstbewusst an das mystische Leben und Schaffen des bereits zur Legende stilisierten Queen-Sängers Freddy Mercury. Auf dem Weg zum phänomenalen Höhepunkt der Band passiert der Film wichtige Stationen des Lebens des bisexuellen Frontmanns und gibt Einblick in die technischen und sozialen Prozesse innerhalb und außerhalb der Band, die letztendlich zur Schöpfung der ebenso großartigen wie weltbekannten Songs der britischen Gruppe führte.

Wie der dazugehörige Musiktitel und gleichzeitig wohl größte Hit von Queen, arbeitet Bohemian Rhapsody mit verschiedensten Rhythmen, Modi und Geschwindigkeiten innerhalb der unterschiedlichen Phasen. Nachdem das Live-Aid-Konzert als narrative und ästhetische Klammer mit geradezu zeitlupenartigem Tempo in den Film einführt, überraschen die ersten 20 Minuten mit ungeahnt hoher Erzählgeschwindigkeit. Die in anderen Musik-Biopics oftmals ausgedehnten, erfolglosen Anfänge werden hier erfrischend kurz gehalten. Eben noch im elterlichen Heim, im nächsten Moment schon bei Top of the Pops und ein Zwinkern später entwickelt die Band bereits in ländlicher Abgeschiedenheit ihre größten Hits – der Mut zur Lücke geht zugunsten der Spannung.

Sehr viel mehr Zeit investiert der Film in seine Hauptfigur auf dem Zenit des Erfolges. Schwankend zwischen Genius und Größenwahn rücken der Charakter Freddys und die Beziehungen zur Wahl-Familie Queen in den Fokus und zeichnen ein vielschichtiges Portrait des Sängers. Abgelenkt lediglich durch die leider niemals ihren Charakter als Fremdkörper verlierende, scheinbar jeden Moment heraushüpfende Zahnprothese, kann Rami Maleks intensive, körperliche Performance nur als großartig bezeichnet werden. An ihn reicht sowohl in Sachen Ähnlichkeit als auch in facettenreichem Spiel lediglich Gwilym Lee als Brian May als gute Seele der Band heran.

Abseits persönlicher Eskapaden Freddys und seiner schwierigen Suche nach der eigenen Identität sind es vor allem die Momente innerhalb der Band, die Bohemian Rhapsody sehenswert machen. Seien es die genialen Ideen und sagenumwobenen Entstehungsgeschichten der Songs, die intensiven und oftmals schmerzhaften Auseinandersetzungen innerhalb der Band oder die schrillen Auftritte – der Film ist immer dann am besten, wenn es um die Musik geht.

Einen glorreichen und in Länge und Ausführlichkeit in der Geschichte der Musik-Biopics bisher nicht dagewesenen Höhepunkt bildet schließlich das Ende des Films. In einer nahezu deckungsgleichen Inszenierung des Live-Aid-Auftritts, fokussiert sich Bohemian Rhapsody auf das Wesentliche und stellt die unvergleichliche Energie der Performance und die Musik von Queen in den Mittelpunkt. In einem Moment cineastischer Perfektion überträgt sich die ton- und bildgewaltige Wucht durch die Leinwand hindurch in den Kinosaal und führt zu einem selten dagewesenen Hochgefühl. Wer sich von den sichtbaren (Schall-)Wellen der Begeisterung und der großartigen Musik nicht anstecken lässt, wurde vermutlich ohne ein Quäntchen Herz und Leidenschaft geboren.

Quelle: YouTube
Beitragsbild: © 2018 Twentieth Century Fox


Maria Engler ist eine der wenigen gebürtigen Berlinerinnen in Berlin und studiert Filmwissenschaft im Master. Wenn sie nicht gerade im Kino ist, schreibt sie Texte über Filme und Serien für ihren Blog diefilmguckerin.de oder andere schnieke Medien.

Fenster. Gute Überraschungen

Schon passend, dass Fenster sich zum Ende des Supersommers geschlossen wie nie zurückmelden. Ein Zufall? Vermutlich.


Aber ein guter Zufall. Denn was Fenster inzwischen schon seit ein paar Alben auszeichnet, ist diese ureigene Verbindung aus Stilsicherheit und Genre-Offenheit. Wie wenig anderen Indie-Bands gelingt es, enorm vielseitige Songideen zuzulassen und diese gleichzeitig schon ihrem Sound unterzuordnen. In jedem Part ist jedes Bandmitglied so vollkommen fixiert auf Ausdruck und Rhythmus, dass ihre Musik niemals ins Treiben gerät, was sie inzwischen perfektionieren konnten. Im Zentrum aller Subgenres, in die sie verfallen, steht die Stilisierung selbst. In diesem Sinne sind sie eine sehr kunstvolle Band, die sich mit The Room nun ein weiteres Denkmal gesetzt hat, aber mit dem Album auch ein gewisses Lebensgefühl trifft.

Auf der Platte perfektionieren Fenster letztlich vieles, was sie sich über ihre zwei früheren Studioalben und dem gemeinsam realisierten Sciene-Fiction-Kunstfilm und -Soundtrack Emocean erspielt haben. Auf Bones hatte 2011 noch Folk durchgeklungen, was ja schon der Ausgangspunkt vieler wichtiger Bands war. Genauso wichtig war jedoch für all diese Bands auch, sich später vom Folk zu emanzipieren. Nicht zuletzt, weil eine Band, die sich komplett auf ein Genre festgelegt hat, schon tot ist. Aber die Emanzipation haben Fenster im Grunde noch während des ersten Albums selbst vollzogen und war 2013 auf Album zwei, Pink Caves, schon komplett abgeschlossen. Hier widmete man sich schon vollkommen dem perfekten Sound, graste eher im Experimentellen und suchte und fand den gemeinsamen künstlerischen Ausdruck als Gruppe. Den transportierten sie mit dem Film Emocean 2015 aus der Musik heraus in eine visuelle Kunstwelt, um ihn weiter zu vergrößern. Der Soundtrack dazu pendelt sich für sich betrachtet zwischen Psychedelic und Launchmusik ein. Um es als eigenständiges Album werten zu können, fehlen ihm aber Antrieb und Richtung. Aber das geht ja den meisten entkoppelten Soundtracks so.

© Simon Menges

Umso besser, dass The Room, dem es an Antrieb nun wirklich nicht fehlt, sich weniger an Emocean und stärker an Pink Caves anlehnt und vom Film-Experiment nur freigestzte Sounds in ihr Songwriting einbringen. Sie fließen einfach mit hinein und zu einem Album zusammen, das gleichzeitig bunt, fließend und glatt wie keines der bisherigen klingt. Fast könnte man bei alledem vergessen, dass Fenster musikalisch eigentlich noch immer gar nicht allzu sehr festgelegt sind. Zwischen Dreampop, Shoegaze, Nintendo-Pop, Disco und Psychedelic scheint gerade ihre Entschlossenheit, ihr schlichter Groove das verbindende Element in fassettentreicher Umgebung. Zusammenfassend könnte man es wohl Surprise Pop nennen.

Aber Fenster sind auch eine Band, die in gewisser Weise einen Berliner Zeitgeist verkörpert und musikalisch konserviert. Immerhin fanden die internationalen Bandmitglieder hier zueinander. Und ihr Album spiegelt in seinem Aufbau ein Lebensgefühl wider, das schon viele Künstler*innen in die Stadt trieb und aktuell wieder eine brodelnde Szene formt: die kunstvolle Wahrnehmung einer vielseitigen Umwelt, ein Fokus auf das, was erfüllt, was Spaß macht und was dadurch teilbar wird. Und lebt als eine Adaption dieser Vielfalt. Ein solcher Berliner Zeitgeist lässt sich nicht auf eine Band, einen Sound oder ein Album herunterbrechen. Aber wollte man in ein paar Jahrzehnten einen Film über die 2010er Jahre in Berlin machen, täte man gut daran, Fenster in den Soundtrack aufzunehmen. Vielleicht drehen sie diesen Film ja sogar selbst.

Quelle: YouTube

The Room von Fenster enthält Two Doors sowie neun weitere Songs und erschien beim Label Altin Village & Mine.

Beitragsbild: © Fenster

Billers Britney-Banalität

Manchmal fragt man sich, wie es ein Roman in die Feuilletons der Mainstream-Presse und auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schafft, außer dass dahinter ein prominenter Autorenname steht. Ein solcher Roman ist auch Maxim Billers Sechs Koffer.

Die Welt fragt, ob es sich dabei um eine autobiographische jüdische Version der Buddenbrooks handelt. Noch vollmundiger titelt Die Zeit, es handle sich um einen kafkaesken Familienroman. In Wahrheit ist das Buch zu Familiengeheimnissen und der Frage, wer Held und wer Verräter ist, eine konventionelle Banalität an die andere gereiht.


Sechs Koffer handelt von der Geschichte einer jüdischen Familie in Tschechien zur Zeit des Kalten Krieges. Aus sechs Perspektiven erzählt der Roman von einer Familiendenunziation, nämlich der Frage, wer 1960 den Großvater an die Sowjetunion verraten hat, um selbst zu überleben. War es einer seiner Söhne oder die traurige Schwiegertochter oder der Familienpatriarch und Schwarzhändler, der einen Kopf aus der Schlinge ziehen wollte? Einer dieser ex-post-Perspektiven wird von Biller selbst als Enkel eingenommen.

Durch die sich langsam, aber nicht komplett aufklärenden Abgründe einer Familie zwischen zwei Systemen, soll sich angeblich dem Leser die Frage stellen, wie er sich selbst in solchen moralischen Dilemmata verhalten würde. Doch damit so etwas gelingen könnte, bräuchte es einen viel besseren, tiefgehenden und distanzierteren Roman als Billers Geschwurbel. Auf dem sehr knappen Raum von 200 Seiten will der Autor uns über sechs Menschen aus drei Familiengenerationen berichten. Und das Ganze liefert zwar eine schöne Beschreibung der Atmosphäre, von Lebensgefühlen und Wünschen sowie der Kulturen des zeitgenössischen Prag, Zürich oder Hamburg; aber diese Ergüsse der konventionellen Einfühlung unterminieren ein Hineindenken in die Handlung und nehmen wertvollen Platz für die inhaltliche Auseinandersetzung.

Eine solche Auseinandersetzung entsteht auch nicht, da die Perspektiven immer und sehr unübersichtlich wechseln. Motive zu durchschauen oder gedanklich nachverfolgen zu können, bleibt so kaum möglich – vielleicht weil Biller sie selbst nicht ganz versteht. Das einzige Positivum an dem Büchlein ist tatsächlich, dass es den Leser bis zuletzt rätseln lässt, wer der Verräter ist.

Ichzeit versus Essayzeit

Auch stilistisch ist Sechs Koffer eher konventioneller Durchschnitt – nicht unbedingt schlecht, aber ganz sicher keine Besonderheit oder Rarität in der deutschen Literaturlandschaft, auch wenn der Roman gerade als solche gefeiert wird. Den durchaus flüssigen und anständigen Schreibstil an jeweilige Protagonisten anzupassen, gelingt Biller nicht immer überzeugend. Und die angestrebte Tiefe der atmosphärischen Beschreibung kann der Autor so nicht erreichen – zu sehr hängt er an der Optik und dem Konsumismus der Protagonisten fest. So wird ein Roman über menschliche Abgründe und moralische Fragen im Angesicht der politischen und ökonomischen Macht weitgehend eine optische Beschreibung. Die sonst so gelobte schonungslose Selbstkritik in den autobiographischen Büchern von Biller, sie fehlt hier größtenteils.

Schon 2011 hat Biller in einem Essay die gegenwärtige Literaturepoche großspurig als Ichzeit tituliert. Das soll heißen, der heutige Schriftsteller solle distanzlos und autobiographisch über das Ich und dessen Abgründe schreiben und zwar in Schockmomenten – Literatur müsst also weniger wie Balzac und mehr wie Britney Spears bei der Kopfrasur sein, der niveauvolle auktoriale Erzähler habe nichts mehr in der Prosa verloren. Eine solche Distanzlosigkeit und der Fokus auf die Britney-Banalität und das rein Äußerliche in solchen Erschütterungen scheint er auch in diesem Werk praktisch umzusetzen. Immer wieder habe ich dieser Literaturtheorie widersprochen – zuletzt hier. Was übrig bleibt in solch einer Ichzeit, ist eine Einfühlung, die ergreifen kann, aber das Denken und die Kritik im Spektakel aberzieht. Genau deswegen kann die moralische Frage, die in Sechs Koffer dem Leser gestellt werden soll, nicht wirklich gestellt werden – zu sehr bleibt er in der Atmosphäre, den Gefühlen der Protagonisten und den oberflächlichen Betrachtungen zu tschechischen Filmen, Sexshops oder Zigarettenmarken gefangen. Es ist also im Grunde schon ein Sakrileg, wenn eine Figur wie Biller sich immer wieder in Sechs Koffer auf den großen Bertolt Brecht bezieht, der doch nichts mit einer solchen lahmen literarischen Methode am Hut hat.

Biller bietet also nichts anderes als Kulturindustrie, die als Verblendungszusammenhang einen auf tiefsinnig macht. Um Kritik und Denken in der Literatur nicht obsolet werden zu lassen, war mein Gegenmodell die Essayzeit, ein Genrehybrid, in dem der Protagonist verfremdet wird und der Leser überraschend in eine Distanz zur Handlung gestellt wird. Doch mit Denken und Distanz hat Sechs Koffer nicht viel zu tun. Biller fehlt dabei aber sowohl die tiefe Melancholie von Thomas Manns Buddenbrooks als auch die absurde bürokratische Komik und Verfremdung eines verständnislosen Subjektes, wie man es bei Franz Kafkas Œuvre findet. Wenn Medien aber Billers Roman mit solchen Klassikern des Literaturkanons vergleichen, so feiern sie mit dieser falschen Ehrung nichts als ein Element des literarischen Verfalls in der Postmoderne, in der es um Identitäten und Gefühle geht statt um Kritik und Wahrheit.

Sechs Koffer von Maxim Biller erschien im Verlag Kiepenheuer & Witsch, hat 200 Seiten und steht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2018.

Beitragsbild: © Kiepenheuer & Witsch.

Brief an Johannes Apokalyptus

Das folgende Schreiben setzt sich mit der 2016 von Kurt Steinmann neu übersetzten und mit 7 Illustrationen des schwedisch-griechischen Künstlers Daniel Egnéus ausgestatteten Offenbarung Johannes’ auseinander: Was können wir aus dieser fast 2000 Jahre alten Vision lernen, und ist das überhaupt gute Literatur?


Lieber Johannes,

mit großem Interesse habe ich deinen Text gelesen, der mich immer wieder beeindruckt hat. Wenngleich ich vorwegnehmen muss, dass ich Schrebers Denkwürdigkeiten noch einen Tacken stärker finde.

Das mit „Alpha und Omega“ ist natürlich ein Klassiker. Das Konzept eines verschlüsselten (und ggf. zu hackenden) Todes gefällt mir auch sehr gut, vielleicht kannst du da aber noch was Zero-Day-Mäßiges rauskitzeln. Und das Buch mit sieben Siegeln ist der Krypto-Kult schlechthin, allerdings finde ich die Asymmetrie zwischen den sieben Siegeln und den vier Reitern der Apokalypse bemerkenswert unästhetisch.

„Drangsal“ kommt für meinen Geschmack ein bisschen zu häufig vor, evtl. solltest du mehr mit Synonymen arbeiten und Satans Thron anzünden oder wenigstens mit irgendwas einsprühen.

Gewaltig tosende Wasserfälle dürften phonetisch viel zu undifferenziert sein, um komplexere Nachrichten zu übermitteln. Wer sind denn die sieben Donner und was gibt ihr Grollen informationsmäßig so alles her?

„Kranz“ ist eine intrinsisch alberne Vokabel, die sich auf Tanz, Wanz, Stanz, Franz etc. reimt und daher nicht inflationär verwendet werden sollte. Dementsprechend klingt der „Kranz des Lebens“ nach einem Euphemismus für etwas zutiefst Debiles, vielleicht lieber umformulieren. Du hast es aber auch mit Posaunen. Posaunen und Kränze, das kann man unmöglich ernst nehmen, zumal beiden ein Poloch eigen ist.

Fleisch und Huren scheinen es dir ebenfalls angetan zu haben. Das Hurenfleisch sollte nach Möglichkeit abebben, ebenso der Hurenwein. Tipp: „Huren und Scheußlichkeiten“ bzw. „Verkehr mit Frauen“ und „besudelt“ im selben Satz könnte als misogyn ausgelegt werden.

Das „Schwert des Mundes“ ist ein ziemlich groteskes Bild (vgl. Premutos oder Mortal Kombat), „Tiefen des Satans“ hingegen klingt ein bisschen nach Hardcore-Schwulenclub, könnte missverständlich sein. „Denn ihr Wirken und Tun wird ihnen angerechnet“ liest sich gar wie ein Schreiben vom Jobcenter.

Allein das Versprechen einer Morgenstern-Schenkung ist schon ziemlich gewaltig – vielleicht sollte man den ganz harten Tobak für später aufbewahren.

Ich habe mir sagen lassen, dass die Geheimzutat einer von dir erwähnten Augensalbe Stein ist – ich würde eher Dexpanthenol-Tropfen empfehlen (allerdings sollte aufgrund der natürlichen Abwärtskompatibilität von Hygiene niemals im Auge angewendet werden, was zuvor in der Nase gewesen ist). Ein einbeiniger Krüppel wird ja auch nicht zum Sprinter, wenn man seinen Stumpf in Hyaluronsäure tunkt.

Du hast so einiges für Zahlenfetisch übrig, und zwar von der uneinheitlichen Sorte. Auf der einen Seite arbeitest du mit Primzahlen wie 3 oder 7, auf der anderen Seite mit äußerst teilbaren Zahlen wie 4, 12, 12² und 24. Warum genau fünf Monate lang quälen? Sind 200.000.000 Reiterheere nicht etwas übertrieben? „In dunkle Sackgewände gehüllt Gottes Offenbarung verkündigen, zwölfhundertsechzig Tage lang“ – „Tausendsechshundert Stadien“ – „Der zehnte Teil der Stadt stürzte ein, siebentausend Menschen fanden … den Tod“ – holla die Waldfee! Es stellt sich unweigerlich die Frage, wie genau du auf diese in hanebüchene Spezifität getauchten Zahlenangaben kommst.

„Wesen, übersät mit Augen vorne und hinten“ – aber wie erkennt man dann noch, wo vorne und hinten ist? Und wäre es nicht krasser, wenn jedes Auge Flügel statt Wimpern hätte?

Ist es wirklich Sünde, lauwarm zu sein? Sollte der blinde Nacktpenner in seiner unendlichen Erbärmlichkeit ernsthaft zur Rechenschaft gezogen werden?

Gekrönte Heuschrecken mit Menschengesichtern, Frauenhaaren und Powerschwänzen? – nice. Eine aus zwölf Sternen bestehende Krone – selten einem sublimeren Bild begegnet.

Schwarze Sonne, roter Mond, Sterne fallen vom Himmel, der sich spaltet und schrumpft und zusammenrollt wie ein Pergament … mächtig oneiroide Bilder, die allerdings etwas rar gesät sind, weil du im Zweifel Politik stets der Safidalität vorzuziehen scheinst. Immerhin ist „Seelenschlachtung“ voll Warhammer 40K.

Es ist aber schon ziemlich bizarro, Jesus als ein ungeschlachtes Lamm „mit sieben Hörnern und sieben Augen“ zu bezeichnen. Abgesehen davon hat „Zorn des Lammes“ was von Monty Python.

„Ein Drittel der Erde verbrannte“ – woher nimmst du diese Daten? Das ist ja fast so anal wie bei Thanos, der es exakt auf 50 Prozent des Universums abgesehen hat. Und wie kann ein einzelner Stern auf ein Drittel aller Flüsse fallen oder ein Drittel der Sonne weggesprengt werden? Dein Gott hört offenbar auf den Namen Randôm, und der Schweiß, den er in bzw. aus uns treibt, heißt „Das Wermutstropßen“. Ölbäume, Leuchter, Feuer aus dem Mund – was für ein herrlich saukontingenter Schwachsinn.

„Und in der Hand hielt er ein aufgeschlagenes Büchlein“ – die Verwendung des Diminutivs ist fast so bemerkenswert wie im Falle „Mehlhäufchen“. Das Büchlein aufzuessen ist auch sehr cool, denn wenn das Wort Fleisch ist, dann kann man sich davon nähren, daran laben, oder auch den (erstaunlich unmetaphorischen) Magen verderben.

Die Vernichter vernichten – recht so, Angriff ist die beste Verteidigung. Aber wirklich jegliche Art von Geißel? Wie wäre es dann mit Oliver dem Zahntorpedo, Kranichdoom oder Elons tentakelbewehrtem U-Boot als Universaltool, das selbst im Zusammenhang mit Beziehungsproblemen eine gute Figur macht?

„Ein Drache … mit sieben Köpfen und zehn Hörnern“ – das ist wieder etwas unstimmig. Noch unstimmiger wird es aber, als anschließend von einem Tier die Rede ist, das im Gegenteil zum Drachen nicht sieben, sondern zehn Diademe (auf immer noch zehn Hörnern) trägt. Dem folgt ein geradezu triviales Tier mit lediglich zwei Hörnern. „Dem zweiten Tier wurde die Macht verliehen, dem Bild des ersten Tieres Leben einzuhauchen“ – sorry, aber die diversen Tiere lassen sich nur unter höchster Anstrengung auseinanderhalten. Ähnlich verhält es sich mit den verschiedenen Engeln – was genau ist ein „starker Engel“? –, deren diverse Funktionen und Qualifikationen schnell verwirrend werden. Du musst auch ein bisschen an den Leser denken und ihn ein Stück weit abholen.

Zweiundvierzig Monate Schandmaul – selbst Iron Maiden waren mit The Number Of The Beast nicht so lange on the road.

„Da warf jener … seine Sichel auf die Erde, und abgeerntet wurde die Erde“ – offenbar eine Smartsichel, die mit reduktionistischer Mechanik einen Gegenentwurf zu realen Lebensvorgängen liefert. Du alter ESC-Buttonmasher.

Wie gerecht ist eigentlich ein Gott, der „jedes belebte Wesen im Meer“ sterben lässt, nur weil ein paar Leute etwas antichristlich drauf sind? Wenn Gott sieben Schalen „bis an den Rand“ mit seiner Zornesbrühe füllt, dann spricht das für eine therapiebedürftige Psychopathologie weit jenseits von Notwehr. Ich bin ja auch nicht für Satanismus, aber solange jemand nichts Böses tut, gilt die Glaubensfreiheit, alles andere wäre Gesinnungsstrafrecht, welches mit dem Rechtsstaatlichkeitsprinzip nur eingeschränkt vereinbar ist.

Und wenn wir schon dabei sind: Kommen als gotteslästerliche Namen so was wie Tremur, Negroð oder Safiduq in Frage?

Ich finde die Vorstellung witzig, dass „von glühender Hitze versengte“ Männchen mit brennenden Hintern cartoonhaft durch die Landschaft hechten und dabei unablässig böse Flüche ausstoßen – offenbar machen Geschwür-, Zungenzerbissenheitswunder und dergleichen nicht bußfertig, vielleicht hätte man die elenden Lästermäuler mit etwas mehr Diplomatie für sich gewinnen können?

„Drei unreine Geister fahren wie Frösche [aus dem Mund,] es handelt sich um teuflische Geister, die Zeichen wirken“ – was für ein erzmagisches und ziemlich rutziges Konzept, jemanden mittels Zeichen zu verführen.

„Babylon, die Große“ erinnert mich etwas an „Ludwig van“ aus Clockwork Orange.

„Die Stadt ist viereckig angelegt, und ihre Länge beträgt so viel wie ihre Breite“ – das kann man aber einfacher ausdrücken.

Und, ach ja, könntest du bei Gelegenheit noch irgendwo Feinstes Linnen muss Absalom fressen, bis in Scharlach gekleidete Huren den thronenden Schwanz vergolden. Des Kutschers satter Furz brennt wie Weihrauch aus Menschenwurst. Der Großhure von Babylon die Eier rausreißen und die Augen mit dem Schleifstein abwetzen. Hin- und hergeschlachtet durch die Watte des Wahns ertönen Unerträgliche Richterbefehle und zerren an der F*ckunft. Aus Diademen bestehende Diademe geleiten Fraktalismann auf seinem weißen Schimmel ins Misenabymsengott. Zornesflocken aus Schabenfleisch lassen sich die Polizei schmecken. „Fresst Vogellust und versklavt gewegte Pseudoren!“, schreit das zuckende Glied aus Heilands Maul und verschießt die gesamte Gammastrahlung des Universums in unter fünf Sekunden. „Tausend Jahre sollst du bluten, Drachenweird, erst danach kannst du aufsteigen und mit deiner Hackhand Satans Überstunden abfeiern.“ Finsterrauch aus dem Gog/Magog-Höllenschacht ersetzt den ISDN-Router inkl. Pseudoschwefler von Alfa Romeo bis Opel Omega, und alle Götzen erben xten Tod!“ einbauen?

Alles Liebe

Dein Lektorat

PS: Und was hats mit diesem Alienrohr von Messstab auf sich?


Die Apokalypse erschien in Neuübersetzung von Kurt Steinmann mit Illustrationen von Daniel Egnéus 2016 beim Manesse Verlag und hat 176 Seiten.

US Emo, Level drei. Foxings Rundumschlag

2018. Die USA sind tief zerrissen in verfeindete Lager. Zumindest, was ihren Indie-Rock angeht. Gut, dass eine Band es schafft, die Subgenres zu einen. Auf Nearer My God trumpfen Foxing groß auf.


Vorweg eine These: Das neue Album einer Band ist immer dann automatisch ihr bestes, wenn in ihm alle früheren Alben aufgehen. Denn wo die alten mitgedacht sind, brauchen diese gar nicht mehr weiter angehört zu werden. Wenn dem so ist, ist Foxing nach zwei erfolgreichen Alben nun tatsächlich ein Genie-Streich gelungen. Sollte jemand wirklich seinen Musikgeschmack auf solche diskursiven Thesen reduzieren wollen, so bräuchte er sich nun weder jemals wieder die ersten beiden Foxing-Alben anzuhören noch irgendein anderes Album jüngerer US-Indierock-Geschichte. Denn auf Nearer My God ist schon alles mitgedacht, wodurch sich das Album sehr geschickt selbst in die Plattensammlung einräumt und dort sogar zum Bindeglied wird.

Nachdem Foxing auf Albatross noch teilweise hardcorige Songs ins Zentrum rückten, schien sich der Band-Fokus auf Dealer eher in Richtung ruhigerer, impulsiver Balladen zu bewegen, was ihnen immerhin Platz drei der US-Charts einbrachte, aber auch ein böses Omen fürs nachfolgende Album war. Denn wenn sie nun schon in diese Richtung gestartet sind – wohin soll der nächste Schritt führen? Auch Song eins von Album drei beruhigt nicht unmittelbar, beginnt tendenziell sogar eher unheilvoll, zumindest vor dem Hintergrund der Bandgeschichte, denn das Intro klingt definitiv nach weißem, wenn nicht sogar europäischem R’n’B, wie ihn zum Beispiel inzwischen die Arctic Monkeys oder die skandinavische Szene betreiben: gekonnt arrangiert, aber unterm Strich etwas dünn und künstlich. Zum Glück wechseln sie noch während des Songs das Genre, was sie auf dem Album zur Gewohnheit machen.

Immer wieder finden sich ungewohnte Elemente, mal gesampelter Gesang, dann Streicher, dann wieder der rifflastige Bombast-Rock, mit dem sie angetreten sind. Davon abgesehen gehen in Nearer My God auch verschiedenste Einflüsse der jüngeren US-amerikanischen Indie-Rock-Subkultur-Flügel auf: vom Indietronic, den Bands wie Owl City geprägt haben (zum Beispiel in der Vorabsingle Slapstick), bis zum guten alten Crossover á la Hot Action Cops oder Alien Ant Farm (zum Beispiel in der jüngsten Single Gameshark). Auch der Dance Rock kommt nicht zu kurz. Selten waren Songs eines dieser Genres so gut ausproduziert wie bei wie bei Foxing. Ein Glück, dass auch der vielseitig einsetzbare Frontmann Conor Murphy alle Flügelwechsel problemlos mitmacht, was das Album ebenfalls weiter glättet.

Quelle: YouTube

Am häufigsten lässt sich dann aber doch wieder diese neue Emo-Welle heraushören, zu denen neben Foxing vor allem andere Südstaaten-Bands wie Blis. oder Microwave, aber auch Künstler wie The Hotelier oder The Antlers gehören. Gegenüber ihren schwarzgefärbten, kajalbelegten Vorbildern der 2000er-Jahre pflegen sie optisch zwar ein authentischeres Auftreten, akustisch lassen sie aber keine Punkte in Sachen Verzweiflung oder großen Gesten liegen. Obwohl die Betitelung als Emo vielen Bands seit jeher verhasst ist, zeichnet sich hier eben doch ab, dass Drama und Pathos feste Größen im US-Independent-Bereich sind. Foxing jedenfalls gelingt nicht nur die Selbstverortung im eigenen Schaffen, das seit ihrer Gründung auf das neue Album zugelaufen zu sein scheint, sondern auch die Bündelung des Genres, das keines sein will.

Bloß ein Manko hat das Ganze am Ende doch: Die in der Theorie sympathische Aktion, den Titelsong Nearer My God in fünf Sprachen als Singles herauszubringen, führt, vorsichtig ausgedrückt, zu irritierenden Ergebnissen, und fand zum Glück außerhalb des Albums statt. Klingt die japanische Variante aus der Ferne noch recht muttersprachlich, hat die deutsche, so zumindest ein subjektiver Eindruck, etwas Befremdliches. Aber auch hierzulande scheitern ja nach wie vor viele Projekte daran, deutschsprachigen Indie gut klingen zu lassen. Und auch Foxing können am Ende nicht alles können. Wie beruhigend.

Quelle: YouTube

Nearer My God von Foxing erschien am 10. August 2018 bei Triple Crown Records.

Titelbild: © Hayden Molinarolo