Kategorie: Musik

Berliner Subkultur

Ein Jazzmusiker, der zugleich Professor für Philosophie ist und sich mit Nachtigallen beschäftigt: Das klingt zunächst eher nach Zutaten für eine schräge Kurzgeschichte mit ungewöhnlichen Figuren. Aber erfunden ist da nichts. Denn alles gibt es in echt. Noch dazu ist David Rothenbergs Buch „Stadt der Nachtigallen“ kein Roman, sondern ein Sachbuch, das sich der Suche nach dem perfekten Klang widmet.

Der Klarinettist hat Musik mit Walen, Insekten, mit Wasser und Wind gemacht: Den perfekten Sound haben ihm dann aber die Berliner Nachtigallen geliefert, die dort im Wettkampf mit dem Stadtlärm über sich hinauswachsen. „Nachtigallen genießen Geräusche. Der Lärm von uns Menschen macht ihnen offenbar nichts aus, möglicherweise ist er für sie sogar ein willkommener Ansporn.“

David Rothenberg, Korhan Erel und eine Berliner Nachtigall im Live-Konzert.

Leider zu spät für verbotene Liebe

Romantiker haben den kleinen Vogel als Wappentier der Liebe und der Sehnsucht außerkoren; die ganze Nacht singt er, bis die anderen Vögel ihn im Morgengrauen ablösen. Romeo sagt seiner geliebten Julia, dass es nicht mehr die Nachtigall ist, die sie hört – und es damit leider zu spät ist für verbotene Liebe. Aber was zieht uns eigentlich in den Bann, wenn wir den Gesang der kleinen Vögel hören?

Um das herauszufinden, setzt sich Rothenberg frühmorgens in die Berliner Hasenheide oder trifft Neuro- und Verhaltensbiologin und Leiterin des Nachtigall-Forschungsstelle an der Freien Universität, lässt sich vom Himmel über Berlin durch die Stadt leiten, trifft Berliner Musiker und Sänger und liest, was Kant zur Nachtigall geschrieben hat. „Stadt der Nachtigallen“ ist ein ungewöhnliches Buch über Töne, Klänge und dem, was wir als „schön“ erleben.

„Irgendetwas daran muss richtig sein“

Rothenberg schreibt über Nachtigallen – und offenbart ganz nebenbei, wie sehr wir im Lärm zuhause sind. Irgendwie haben wir uns mit Flugzeugdonner, Automotorenfauchen und Handyklingeltönen arrangiert. Vielleicht sind die Zeiten, in denen alles etwas heruntergefahren ist, eine gute Gelegenheit, auf die stilleren Töne unserer Geräuschwelt zu achten – und wenn es nur eine Vogelstimme ist. „Denken Sie daran, es ist die älteste Musik, die wir kennen. Sie ist Millionen von Jahren älter als unsere Spezies. Irgendetwas daran muss richtig sein, wenn sie schon so lange existiert.“

Stadt der Nachtigallen – Berlins perfekter Sound ist im Mai im Rowohlt Verlag erschienen.

We all love Ennio Morricone

Seine Filmmusik war so prägnant, dass sie berühmter wurde als die Filme, für die sie bestimmt war. Und auch darüber hinaus ist der Einfluss Morricones kaum zu unterschätzen. Am 6. Juli 2020 ist der zweifache Oscar-Preisträger im Alter von 91 Jahren verstorben.


1966 sollte ein bedeutendes Jahr für den italienischen Western werden. Glaubt man den im Internet kursierenden Gerüchten, dann enthält das Screenplay zu Sergio Leones Filmklassiker „Zwei glorreiche Halunken“ zur berühmtesten Szene des Filmes nur einen Eintrag: „Tuco enters the graveyard.“ Was der Regisseur und der Komponist Morricone dann daraus machten, ist Filmgeschichte: Der Gangster Tuco erreicht in besagter Szene als erster der konkurrierenden Halunken einen Friedhof, auf dem 200.000 US-Dollar in Gold vergraben sein sollen. Er betritt zögernd das riesige Areal, die Vogelperspektive wird eingenommen und zart entfaltet sich das musikalische Thema von „The Ecstasy of Gold“. Immer hektischer und manischer beginnt Tuco zu suchen, die Musik nimmt Fahrt auf, die Kameraführung wird hektischer, die Musik steigert sich in ein nahezu kakaphonisches Finale – und stoppt: Tuco hat das Grab gefunden.

Stimmt die Geschichte nun? Oder entspricht sie dem Bedürfnis einiger YouTuber, den Mythos des genialen Duos Leone/Morricone weiter zu befeuern? Eigentlich ist das nebensächlich, denn sie illustriert nur allzu gut, wie Morricone Filmmusik verstanden hat und was ihn so besonders ausgezeichnet hat: „Der Film muss der Musik Zeit geben“ hat Morricone 2003 in einem Interview gesagt. Und so bildete sie auch im Fall von „Drei glorreiche Halunken“ den Ausgangspunkt für die Entfaltung der Handlung. Der Regisseur ließ sogar große Lautsprecher am Set aufbauen, um die Musik während der Dreharbeiten gewissermaßen live abzuspielen. Auch schrieb Morricone vorab Leitmotive für die drei Hauptfiguren des Filmes und wir finden im Film alle der ihm so eigenen Trademarks: Die kojotenhaften Menschenstimmen, die „sägende Gitarre“ und selbstverständlich die schräge Mundharmonika.

So charakteristisch die Eigenheiten der Musik Morricones sind, sind sie doch nie zum Klischee geronnen, weit ragen sie über den Kontext des Films hinaus. Vom Klassikbereich bis in die Independentszene hinein hat Morricone künstlerische Arbeit inspiriert. 2004 interpretierte der Cellist Yo-Yo Ma Kompositionen Morricones, Mark Knopfler und Radiohead berufen sich explizit auf ihn und auch ohne das berühmte Mundharmonikaintro bei jedem Muse-Konzert wäre der Einfluss auf das immer im Set folgende „Knights of Cydonia“ unverkennbar. Spätestens durch die Zusammenarbeit mit Quentin Tarantino findet Morricones Musik wieder den Weg auf Hollywoods Filmbühne, 2016 erhält er den längst überfälligen regulären Oscar für „The hateful Eight“. „Wenn’s nach mir ginge, müsste ich alle zwei Jahre den Oscar kriegen“, hatte er einmal gesagt.

Quelle: YouTube

Am Dienstag ist der gebürtige Römer, der wortwörtlich an hunderten von Filmen mit Größen wie Petersen, Polanski und De Palma gearbeitet hat im Alter von 91 Jahren gestorben.
Gespielt wird er inzwischen nicht nur vor Konzerten von Metallica, sondern längst auch in den großen Konzertsälen. Vielleicht bringt es ein Tributalbum aus dem Jahr 2007 am besten auf den Punkt: We all love Ennio Morricone.

Titelbild: Ennio Morricone im Jahr 2013, © Gabriel Molina

Teufelszeug mit Echolot

Ping. Ping. Ping. Wo gerade noch die ausgedehnte Anfangsstille war – ein Markenzeichen für die Alben des ECM-Labels –, tastet nun ein Echolot den Raum ab. Ping. Ping. Ping. Das Tasten, das Suchen und Erkunden könnte so etwas wie ein Leitmotiv sein, aus dem heraus Avishai Cohen mit seiner Band Big Vicious sein neues Album geschaffen hat.


»Wir kommen alle vom Jazz, aber einige von uns haben ihn früher verlassen. Jeder bringt seinen Hintergrund mit ein und macht ihn zum Teil des Klangs der Band«, beschreibt Avishai Cohen die Grundkonstruktion seiner Formation. Es ist das vierte Album, das der bärtige Trompeter (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Bassisten) beim Münchner Label ECM veröffentlicht. Diesmal allerdings ist es kein Projekt mit kleiner Besetzung, sondern das Ergebnis einer vielseitigen Bandstruktur, die lakonisch »Big Vicious« heißt – das große Böse. Ok, das klingt bedrohlich, fast nach einem düsteren Metal-Act; doch das Album ist ganz anders angesiedelt. Electronica, Ambient-Musik und Psychedelia sind Teil der Mischung, ebenso wie Grooves aus Rock, Pop, Trip-Hop und mehr. Jazz eben.

Monolith

»In dieser Band geht es nicht wirklich um die Soli. Das ist hier nicht das Ziel oder die Ästhetik. Es geht vielmehr darum, wie man einen Song erschafft, auch wenn niemand singt.« Tatsächlich wirken die Songs wie aus einem Guss – fast schon so, ob hier nicht vier oder fünf Musikern zuhört, sondern nur einem einzigen.

Das liegt vielleicht daran, dass sich Big Vicious auf langjährige Freundschaften stützt: Avishai Cohen und der Gitarrist Uzi Ramirez besuchten die gleiche High School in Tel Aviv. Gitarrist bzw. Bassist Jonathan Albalak und der Schlagzeuger Aviv Cohen, beide aus Jerusalem, spielen sein zwanzig Jahren in verschiedenen Ensembles zusammen. Die Besetzung ergänzt der zweite Drummer Ziv Ravitz, der noch zusätzliche Energie ins Musikgeschehen pumpt.

Was bündelt eigentlich das Album?

Gibt es einen Signature Track, also eine Art Filetstück, in dem sich alle Qualitäten und Charaktereigenschaften des Albums verdichten? Ich schaue auf meine Notizen. Wo sonst ein-zwei Stücke unterstrichen sind, gibt es hier eine ganze Liste von Songs. Und die könnten kaum unterschiedlicher sein.

Da ist das Eröffnungsstück »Honey Fountain« mit seinem mitreißenden Thema und dem besagten Echolot. Smart kommt es daher und gibt dem Album alles andere als eine akademische Grundstimmung, sondern eher eine zugänglich-poppige. Cool ist hier, wie sich die beiden Drummer ergänzen und ein Koordinatensystem von Beats in den Raum hauen. Man dreht den Lautstärkeregler gleich etwas lauter …

Dann begeistert mich das Energiepaket »King Kutner«. Wie ein Turbolader gibt auch hier das Schlagzeug Schub und baut in Komplizenschaft der rotzigen E-Gitarre aus dem Stück eine punkige Nummer. Von akademisch und esoterisch-ätherisch – Vorurteile, die man dem ECM-Label und seinem vermeintlich nordischen Sound oft nachsagt – ist hier nichts zu spüren.

»This Time It’s Different« zeigt die Offenheit der Band für Synthesizer-Effekte und wie sie gelungen in eine doch ganz klassische Jazz-Nummer Einzug finden. Fiepsen, Pfeifen, dazu die Trompete – Big Vicious schaffen daraus einen ganz lässigen Sound mit Ohrwurmcharakter.

Also nochmal die Frage nach dem Grundcharakter. Die Antwort: Das Album legt sich nicht fest, fährt sich nicht auf einen Songtypus ein, sondern führt viele Stile zusammen. In diesem Patchwork aus Feinsinnigem und Kantigem findet sogar eine Version von Beethovens Mondscheinsonate ihren Platz – und natürlich eine betörende Coverversion …

Und dann kommt ein Übersong aus den 90ern

 »Wir spielten zu Beginn einige Coverversionen. Vor allem Musik aus den 1990er Jahren, weil das bei unserer Generation nachklingt, die Dinge, die wir in der Schule gehört haben. ›Teardrop‹  von Massive Attack ist eine Musik, von der wir nie müde werden. Es ist ein Stück, in dem man für immer bleiben kann – jedes Element darin ist so vollständig und gleichzeitig so einfach.« Zweifellos gehört »Teardrop« zum Größten, was die Neunziger Jahre musikalisch geschaffen haben.

Wie das so ist mit Coverversionen von solchen Megasongs: So manche Band verhebt sich und zerschellt im schlimmsten Fall im Duplikat-Kitsch. Doch die Big-Vicious-Version umschifft diese Gefahren souverän; sie schafft die Gratwanderung, dem Songs-Charakter zu erhalten und ihn doch in eine eigene Form zu gießen. Die Trompete übernimmt die Rolle der Leadsängerin, das Schlagzeug liefert den düster-schleppenden Puls und die wahnsinnig schön verzerrte Gitarre mengt entrückte Klangspuren im Bitches-Brew-Style bei.

Dass der Song schon mehr als 22 Jahre auf den Buckel hat, ist egal. Das, was Big Vicious daraus machen, offenbart: Er war, ist und bleibt cool.

Big Vicious – das große Böse. Wenn Avishai Cohen mit seiner Formation diese Begrifflichkeit so schön auslegt, dann kann man nur sagen: Bitte mehr davon von diesem Teufelszeug, das so großartig klingt!


Beitragsfoto: © Stefan Weigand, Bandfoto: © Ben Palhov/ECM, Galerie: © Stefan Weigand

„Uncategorisable Outsiders in Pop“ – Markus Acher im Interview

Bevor vielleicht noch dieses Jahr ein neues Notwist-Album erscheint, steckt Markus Acher tief in der Label-Arbeit: In Kooperation mit Morr Music veröffentlicht sein Label Alien Transistor am 1. Mai das Sampler-Album Minna Miteru, ein Szeneportrait japanischen DIY-Pops. Darauf tummeln sich, so sagt er selbst, einige „unkategorisierbare Außenseiter des Pop“ aus dem Umfeld der Band Tenniscoats, die teilweise so tief im Underground zuhause sind, dass tatsächlich viele Stücke trotz Zeiten von Streaming-Diensten und scheinbar unbegrenzter Verfügbarkeit von Musik erstmals wirklich international verfügbar werden.

Dass dabei ein stilistisch entgrenztes, intensives Hörerlebnis entstanden ist, ist ein zweiter positiver Effekt und Anlass, Markus Acher ein paar Fragen zu stellen. Zum Beispiel darüber, was diese vielseitige Compilation eigentlich zusammenhält, warum sie ausgerechnet in Deutschland erscheinen musste, weshalb die Musik so wichtig ist, wie einflussreich sie für seine eigene Kunst ist – und wie hart der aktuelle Pandemie-Shutdown die Künstler٭innen, Kulturstätten und internationale Beziehungen der Independent-Musik trifft.

von Moritz Bouws und Gregor van Dülmen


Gemeinsam mit Morr Music veröffentlicht dein Label Alien Transistor die japanische Compilation Minna Miteru. Eingangs stellen wir uns die Frage, wie deine inzwischen ja doch sehr intensive Verbindung nach Japan überhaupt entstanden ist.

Einerseits haben es mir das Land, die Kultur und die Menschen natürlich gleich beim ersten Besuch sehr angetan. Aber die bleibende Verbindung kam über die Musik. Da habe ich einfach immer wieder so viel faszinierende und innovative Musik gehört, dass das Interesse nie abriss. Und über die Tenniscoats habe ich jetzt nochmal viele Musiker und Künstler kennengelernt, die ich sonst nie gefunden hätte.

In unserem letzten Gespräch hast du den Japan-Indie-Sampler Songs for Nao (Chapter Music 2004) erwähnt. Er brachte dich unter anderem auf Tenniscoats, mit denen du später die Band Spirit Fest gegründet und nun Minna Miteru kuratiert hast. Inwiefern würdest du sagen, dass der Sampler dein musikalisches Verständnis geändert hat?

Auf dem Sampler habe ich das erste Mal Musik der experimentellen Indie-Folk-Szene rund um die Tenniscoats gehört, und die hat mich sehr berührt. Sie haben keine Angst vor Melodien, aber auch keine Angst vor dem Ausprobieren und Scheitern. Die Beatles, Syd Barrett, Charles Mingus, TV Personalities, Bach, die Residents – da kann man so vieles heraushören, ohne dass es konstruiert klingt. Es gibt keine Berührungsängste, und doch ist es auch kein wildes, stilistisches Durcheinander. Erfahrene Musiker spielen ganz selbstverständlich mit Bekannten, die erst seit zwei Wochen ein Blasinstrument besitzen. Freunde machen zusammen Musik, um sich zu treffen, und die Bands covern sich gegenseitig. Trotzdem wissen sie alle genau, was sie wollen und vor allem auch nicht wollen. D.I.Y. ist sehr wichtig: Sie sind unabhängig und haben ein eigenes Netzwerk aus Freunden geschaffen. Das ist alles extrem inspirierend. Und wie gesagt, die Stücke – so viele unglaubliche Kompositionen und Melodien.

Spirit Fest (v. l. n. r.): Takashi und Saya Ueno, Cico Beck, Mat Fowler und Markus Acher, Foto: © Morr Music.

Beide Sampler umkreisen eine Tokioter DIY-Pop-Szene um das Majikick Label herum. Dennoch gibt es zwischen den Künstler٭innen auf Songs for Nao und Minna Miteru nur wenige Überschneidungen und deutliche Unterschiede in der Songauswahl. Siehst du die neue Auswahl eher als Fortsetzung oder Erweiterung?

Minna Miteru ist eigentlich beides. Songs for Nao hat sich ja zu großen Teilen auf Saya und Uenos Label Majikick und damit verbundene Bands konzentriert. Inzwischen ist viel passiert, und die Szene hat sich auch mehr aufgefächert. Musikalisch hat sich natürlich auch viel getan. Saya wollte bei ihrer Auswahl nicht nur ihre Freunde und eigenen Projekte vorstellen, sondern auch Musik, die sie gerne mag, interessant findet oder sie inspiriert hat. Während Songs for Nao eher der Blick eines Außenstehendem auf diese Szene war, ist Minna Miteru ganz Sayas musikalische Welt. Die Zusammenstellung erzählt genauso viel über sie und ihre Idee wie über die japanische Indie-Szene. Der rote Faden durch die Compilation ist ihre Offenheit und Neugier, die Suche nach Musik, die nicht einzuordnen ist, keine Grenzen kennt und keine Klischees bedient.

Viele der Songs klingen gleichzeitig experimentell und verspielt. Wie würdest du insgesamt das Hörerlebnis von Minna Miteru beschreiben?

Ich finde, Saya hat den Sampler wie ein langes zusammenhängendes Stück zusammengestellt, bei dem man nie weiß, was als nächstes kommt, aber trotzdem alles ganz logisch ineinanderfließt. Ich finde immer noch faszinierend, wie Elektronik, Blasinstrumente, akustische Gitarren und Stimmen zusammenspielen, und am Ende ein großes Ganzes ergeben. Da ist eine Freiheit in der Musik, die ich auch immer suche. Die Musik ist das Wichtigste, gleichzeitig nimmt sich niemand zu ernst. Alles ist Popmusik.

Welche٭r der Künstler٭in hat zuletzt ein Album herausgebracht, das man sich anhören sollte?

Oh…alle natürlich! 🙂 Also, von den Tenniscoats selbst gibt es natürlich viele wunderbare CDs, z. B. ihre Reihe Music Exists mit fünf Alben. Zuletzt haben sie ein Album nur mit ihrer Version von Jazz-Standards aufgenommen, als nächstes kommt ein Album mit elektronischen Beats. Die Band Yumbo ist eine ähnlich tolle Band mit vielen Mitgliedern, die sehr vielseitige experimentelle, unkategorisierbare Popmusik macht. Eddie Marcon ist auch eine wichtige Band, mit allen möglichen Seitenprojekten, die sehr aktiv ist. Da gäbe es noch viel mehr zu nennen.

Es ist nur leider schwierig, die CDs hier in Europa zu bekommen, das ist auch ein Grund, diesen Sampler zu machen. Er soll der Start für eine Reihe von Wiederveröffentlichungen und Compilations der Bands und Projekte sein.

Für einige beteiligte Künstler٭innen muss es eine Besonderheit sein, über zwei in Deutschland ansässige Labels vertrieben zu werden. Wie ist die Resonanz der Künstler٭innen auf eine Veröffentlichung in Europa?

Nach dem, was ich so mitbekomme, sind alle sehr glücklich darüber und freuen sich sehr. Einen vergleichbaren Sampler gab es ja auch in Japan lange nicht mehr. Er führt viele Leute zusammen, in Japan und außerhalb, und das ist eine schöne Sache.

Warum erschien Minna Miteru nicht bei einem japanischen Label?

Das war auch kurzzeitig angedacht, aber da die Idee ja war, diese japanische Szene nach außen zu tragen und außerhalb Japans vorzustellen, ist es so besser.

Minna Miteru erscheint am 1. Mai 2020, Kuratorin: Saya Ueno, Artwork: Takashi Ueno, Coverbild: © Morr Music/Alien Transistor.

Die Auswahl auf Minna Miteru basiert auf einem Songbook mit Stücken befreundeter Musiker٭innen der Tenniscoats. Könntest du uns mehr dazu erzählen: Fand das Songbook in Japan bereits den Weg an die Öffentlichkeit oder handelt es um ein privates Stück?

Das Songbook hat sich Ueno ausgedacht. Da er oft mit befreundeten Musikern zusammensaß und sie angefangen haben, mit der Gitarre Lieder zu singen, hatte er die Idee, ein Indie-Songbook mit den Liedern befreundeter Bands zu machen. Er hat die Liedtexte mit Gitarrenakkorden und eigenen Zeichnungen gesammelt und als Risoprint-Heft in kleiner Auflage veröffentlicht und verkauft. Ich fand das super und da ich einige Lieder nicht kannte, habe ich gefragt, ob ich eine CD davon haben kann. So kam die Idee zu dem Sampler zustande.

Korrespondiert das Artwork der Platte mit dem illustrierten Druck?

Das Risoprint-Heft und der Sampler jetzt haben nur noch ein paar wenige Bands gemeinsam, und dass Ueno die Illustrationen gemacht hat. Sonst sind die Lieder und Bands andere, auch das Artwork ist komplett anders.

Wie würdest du die Rolle der Tenniscoats in der japanischen Indie-Landschaft beschreiben? Kann dort von einer stark vernetzten Subkultur gesprochen werden?

Saya und Ueno sind Teil eines großen Freundeskreises, der sehr aktiv ist. Es gibt viele kleine Plattenläden, Cafés, Galerien und Clubs, in denen winzige Konzerte stattfinden, Ausstellungen, Performances und so weiter. Die Grenzen sind dabei nicht so streng gesteckt wie bei uns. Da können ein Folksänger, elektronischer Noise und ein Tanzperformance an einem Abend stattfinden, einfach weil die Musiker٭innen untereinander befreundet sind. Meistens wird dann auch noch sehr gut gekocht, selbstgenähte Kleidung, CD-Rs in Mini-Auflagen oder Siebdruckhefte verkauft. Tolle und inspirierende Orte. Leider werden auch in Japan viele die Auswirkungen der Corona-Krise wirtschaftlich nicht überleben, da die Regierung bislang keine Unterstützung für Künstler٭innen und Veranstaltungsorte bereitstellt.

Etwas später im Mai erscheint ja auch dein neues Album mit Spirit Fest, Mirage Mirage – alles Gute für den Release! Mit dem Album tauchst du natürlich auch selbst tief in die japanische Indie-Szene ein. Wann und wo ist das Album entstanden?

Wir haben die Platte letzten Sommer in München aufgenommen, ein paar Stücke auch schon im November davor, an ein paar freien Tagen während der Spirit-Fest-Tour in Tokio in Sayas Studio.

Mirage Mirage erscheint am 15. Mai 2020, Coverbild: © Morr Music/Alien Transistor/AFTERHOURS.

Auf Mirage Mirage sind diesmal auch einige Gastmusiker zu hören. Ihr arbeitet darauf außerdem verstärkt mit Field Recordings und Samples. Ist diese Offenheit voreinander und allem anderen typisch für eure Arbeitsweise?

Alle bei Spirit Fest sind sehr offen für alle seltsamen Ideen. Deswegen passt das auch immer sehr gut zusammen. Am Ende aber kommen dann doch oft Pop-Songs dabei heraus, das überrascht uns dann selbst. Mat Fowler (von Jam Money und Spillane Fete) macht ständig Field Recordings, auch um die Umgebung und den Aufnahmeprozess mit in die fertigen Stücke einbringen zu können. So kann man auf der Platte jetzt den Klavierstimmer, ein Kind im Treppenhaus und eine Unterhaltung mit einem alten Mann auf dem Hofflohmarkt vor dem Studio hören.

Es ist bereits das dritte Album in vier Jahren. Was denkst du, wie viele Spirit-Fest-Platten ihr noch veröffentlicht, bevor das neue Notwist-Album erscheint?

Spirit Fest hat ja eine ganz andere und viel spontanere Arbeitsweise, deswegen kann das, wenn wir mal zusammen sind, sehr schnell gehen. Leider wird das durch die Corona-Krise jetzt über einen längeren Zeitraum schwierig werden.
Aber eine neue Notwist-Platte ist auch so gut wie fertig. Sie müsste eigentlich, wenn alles klappt, dieses Jahr irgendwann noch rauskommen.

Glaubst du, wenn man genau hinhört, wird man auch bei den aktuell entstehenden Notwist-Songs Elemente von Minna Miteru heraushören können wird?

Ich denke, man hört das nicht eins zu eins. Aber das Verspielte und der Mut dieser Stücke haben mich schon sehr beeindruckt. Und das fließt bestimmt mit ein.

Vielen Dank für das Interview.


Titelbild: © Morr Music/Alien Transistor

„Innenansichten eines Außerirdischen“ – Teil 8-11

zwischen den dingern …


guten tag. mein name ist tobert knopp und ich spiele bassgitarre in der gruppe turbostaat. seit 21 jahren. ich war 19, als das alles anfing. in husum. unsere neue platte „uthlande“ wird ab jetzt bespielt, hier da und dann dort und ich bin aufgeregt wie sau. das ist mir tatsächlich neu …

berlin ist ein seltsamer ort – ich werde immer dazwischen bleiben. sollte mal hierherziehen, war ne dunkle zeit. suchte schuldige, erst in hamburg, dann berlin. dann fand ich mich. schuldig. generelles thema zwischen all den gleichen teilen, den großen städten. kim gordon erzählt in ihrem buch „girl in a band“ viel vom new york der 80er – da wollte ich immer mal hin, habs aber nur bis berlin geschafft, bis pfaffenbötel und raus aus nordfriesland. auch ganz geil.

berlin war bestimmt auch mal richtig prima; seit ich hier rumrenne, ist es für mich irgendwie gleich. groß. bedrohlich. aber voll mit freunden und seelen; geliebte freunde. jan wohnt hier auch und er singt jetzt vor vielen leuten und nicht mehr auf meinem sofa. wie toll das leuchtet. zum arbeiten macht das stets sinn und spaß in berlin, platten aufnehmen, pizza essen, sich alt fühlen bissn – dann wieder wegfahren. die konzerte sind ausschließlich immer wahnsinn. die erste show im ausverkauften festsaal kreuzberg haut mich doll um, weg vom SO36 macht mich nervös und es kommt ganz viel zurück. als wäre die neue platte schon jahre raus … und mich überkommt das seltene gefühl, dass das ganz ok ist, was wir da so machen …

suse und ich pennen auf eigene faust im hotel – wir sind eine seltene art wesen, die in gemieteten räumen zu etwas besonderem werden. außerdem ist karneval. ich gehe heute mit frida kahlo ins bett.

morgens gemeinsam ohne jan zu bis aufs messer, ein guter plattenladen. ich bin schon früher vor ort und fühle mich verstanden. mein krass ist dein krass und ich finde eine single der band neanderthal. ulf weiß, warum. außerdem kaufe ich ungehört eine platte namens „field recordings of madagascar“ und beschließe wieder anzufangen, experimentelle musik zu veröffentlichen.

© Tobert Knopp

das zweite konzert im festsaal lässt sich für mich nicht ausreichend beschreiben, es war sehr sehr gut zu uns – drei minuten vor anfang beschliessen frida kahlo und die schwangere gute dinge – wir spielen frieda und die bomben. ich glaube, dass arnim sehr glücklich war, ein bisschen rumzuhüpfen und zu brüllen mit uns – seine augen werden dann ganz klein. das ist so ein rockreptilblick. der piekst dich an. ich beschließe, mehr rockmusik zu veröffentlichen. du bist ein hypergeiler dinosaurier, ich weiß, wo dein herz knallt.

tags drauf, tante ju … der bürgermeister von dresden bestimmt seit jahren das geschehen um diese band hier und außerhalb der grenzen der vorstellung. in wirklichkeit ist er ein konzertveranstalter oder so, aber er regiert in unserem herzen das land auf beste weise. eine herzgestalt, so schroff wie der osten am rand und so liebenswert, wie der hund von böhler. dort fühl ich mich gänzlich unbeobachtet und gehe in die neustadt zur groovestation, wo ich schon so oft gewesen bin. ein teil von mir wohnt hier, heimlich im keller. ich bringe ihm eine heiße suppe und etwas geld.

© Tobert Knopp

busaussteigen nervt. der wecker, dann die tasche, und es regnet auf st. pauli. bassman rein und taschen, ab aus der stadt, da steht das schloss mit seinen spitzen. ich muss erdnüsse rausstellen, die hörnchen und häher warten. wenn ich durchatme, zittern meine augenlider, ich kann aus irgendeinem grund nicht mehr so richtig greifen. außerhalb meiner selbst betrachte ich dieses leben und seine possen. ricochet. wer mich erwischen will, muss gestern losfahren. bis bald …

tobert knopp


„Innenansichten eines Außerirdischen“ – ein Gast-Blog aus Turbostaats Tourbus. Morgen geht das weiter. Hier geht’s zurück zu Teil 7.

Festsaal vorm Fest:

Beitragsbild: © Tobert Knopp

„Innenansichten eines Außerirdischen“ – Teil 7

ich habe einen kater. er heißt klaus und wohnt in meinem kopf. klapperklapperklapperklaus.


guten tag. mein name ist tobert knopp und ich spiele bassgitarre in der gruppe turbostaat. seit 21 jahren. ich war 19, als das alles anfing. in husum. unsere neue platte „uthlande“ wird ab jetzt bespielt, hier da und dann dort und ich bin aufgeregt wie sau. das ist mir tatsächlich neu …

kinder, werdet keine punkmusikanten, das tut nur weh. es wird laut gesungen und leute liegen sich in den armen, die alten freunde kommen vorbei, einige werden 50/51 heute. hans schwäger ist da, wegen ihm hab ich einen schulabschluss. ich wollte 99 auf tour fahren, die schule mich nicht gehen lassen. hielt ich für mumpitz und fuhr. sah die welt, kam zurück und sollte gehen. als wär ich überhaupt noch anwesend. hans hat damals grade lehrer gelernt und sein erstes jahr an der fachhochschule in husum absolviert, außerdem hat er mit roli und peter zusammen gewohnt, ist dann schnell mein tutor geworden und hat das ruder nochmal gerissen. 3,6, zeugnis beim umzug danach verloren, nie wieder gefunden.

kinder, werdet keine punkmusiker und alt damit, es ist da nix zu holen außer liebe und leidenschaft, außer gemeinsamkeit, und die zeit vergeht. die ganze markthalle hat gesungen, bestimmt so laut wie bei kreator – ich war so glücklich gestern, dass wir das machen können, so lange schon und so viele gesichter schon so lang. dass man uns zuhört und eine bühne gibt, fürstlich bekocht und allerorts freundlich behandelt. dass die plattenfirma dann zu wenig schallplatten gepresst hat und wir nix zum verkaufen haben, is zwar kacke, aber irgendwie latte.

Tobert Knopp


„Innenansichten eines Außerirdischen“ – ein Gast-Blog aus Turbostaats Tourbus. Morgen geht das weiter. Hier geht’s zurück zu Teil 6.

Beitragsbild: © Tobert Knopp

„Innenansichten eines Außerirdischen“ – Teil 6

drinnen draußen dies und das …


guten tag. mein name ist tobert knopp und ich spiele bassgitarre in der gruppe turbostaat. seit 21 jahren. ich war 19, als das alles anfing. in husum. unsere neue platte „uthlande“ wird ab jetzt bespielt, hier da und dann dort und ich bin aufgeregt wie sau. das ist mir tatsächlich neu …

es ist seltsam, zwei offdays zu hause zu haben, da kommt man ja richtig an. so mit abwaschen und so – englisch lernen mit sohn. voll geglotzt. hart real. aber die nacht war gut: ich wache auf, weil mich ein schlecht gekleidetes eichhörnchen weckt. ich weiß, dass das natürlich blödsinn ist und lege meine gliedmaßen ab. ich gleite zwischen den dielen aus dem haus, hinunter an der regenrinne, unterm zaun des nachbarn richtung autobahn und überquere diese. kein verkehr. auf der anderen seite schlängel ich mich in eine unterspülung der fahrbahn, sie wird immer enger, am ende liegt so ein grüner stein aus dem playstation-1-spiel vandal hearts. ich wach auf. das eichhörnchen sagt, ich muss frühstück machen. es ist 12 und mein sohn. er braucht eine frisur.

früher haben ausschließlich kreator in der markthalle gespielt, die kommen aus essen und sind eine der besten metal bands der welt. so hab ich das damals wahrgenommen … ich durfte deren shirts nicht haben oder anziehen – geschweige denn nach hamburg auf konzerte fahren. mein erstes metal-shirt war ein benediction-„transcend the rubicon“-shirt, welches als gratisbeilage der großbestellung meiner metalbauernfreunde übrig blieb und mir überlassen wurde. dann „use your illusion 1+2“, beides auf einem shirt, musste sparsam sein und vor mutter verstecken. ist fast so unglaublich wie die tatsache, dass jetzt wir in der markthalle spielen dürfen und dass da hammerviele leute kommen – irgendwie fühlt sich das komischer an, als seine gliedmaßen abzulegen.

tobert knopp


„Innenansichten eines Außerirdischen“ – ein Gast-Blog aus Turbostaats Tourbus. Morgen geht das weiter. Hier geht’s zurück zu Teil 5.

Neu: weiter zu Teil 7.

Eindrücke aus der Markthalle:

Quelle: Instagram
Titelbild: © Tobert Knopp

„Innenansichten eines Außerirdischen“ – Teil 5

space bleibt the place – und wir heute weltlich.


guten tag. mein name ist tobert knopp und ich spiele bassgitarre in der gruppe turbostaat. seit 21 jahren. ich war 19, als das alles anfing. in husum. unsere neue platte „uthlande“ wird ab jetzt bespielt, hier da und dann dort und ich bin aufgeregt wie sau. das ist mir tatsächlich neu …

kurz gefasst, es wird heute nicht viel passieren. der friese ist krank, sein ladegerät im bus, der bus in der hafencity oder so und wir sind in bergedorf. marten und tobert gehen spazieren zur sternwarte. wir bestaunen diesen ort, er ist mir heilig. dass hamburg so wenig übrig hat für den ausblick in die sterne, mag mir nicht einleuchten. weltkulturerbe auf aussicht, engstirniges kleines pfeffersackloch. finsterer ausblick, blöde elbdings – ich bin in die vorstadt gezogen. hier sagen die eichhörnchen noch moin und marten gefallen die teleskopnamen und der verfall. ideen zu einem space album, nach all dem konkreten auf uthlande – ich seh die augen der anderen. seine glänzen.

ich koche dem kranken friesen eine hühnersuppe und wir freuen uns darüber, dass kapern jetzt lecker, milka aber bäh ist. ich bin lazy, du bist müde. morgen geht der wahnsinn weiter.

tobert knopp


„Innenansichten eines Außerirdischen“ – ein Gast-Blog aus Turbostaats Tourbus. Morgen geht das weiter. Hier geht’s zurück zu Teil 4.

Neu: weiter zu Teil 6.

Titelbild: © Tobert Knopp

„Innenansichten eines Außerirdischen“ – Teil 4

rentnerschwemme und rastenhass, dann nudeln. 8 reisebusse voller rentner verstopfen die raste, 97 km vor hamburg. es ist 7 uhr früh, heute ist off day zu hause.


guten tag. mein name ist tobert knopp und ich spiele bassgitarre in der gruppe turbostaat. seit 21 jahren. ich war 19, als das alles anfing. in husum. unsere neue platte „uthlande“ wird ab jetzt bespielt, hier da und dann dort und ich bin aufgeregt wie sau. das ist mir tatsächlich neu …

nightliner drop, das geht so: bus hält. alle raus. sachenpack. regennass. weg der bus. ran der smart. alle rein, abfahrt.

marten, der friese und ich pennen heute bei mir. an offdays gehen wir eigentlich im egalwo ins kino und essen wirsingpizza – heute spielen wir mit suse und meinem sohn „nemesis“ am küchentisch. das ist son brettspiel, so wie alien, aber bissn anders, hat der friese gecrowdfundet. unzählbar viele steinchen und karten, das große monster sieht super aus. wir müssen raus aus der tiefkühle und das schiff reparieren. rumo will waffen sammeln, ich mach nix und bin als erster fertig damit. wir überleben alle und dann koch ich bolognese. lorbeer vom dach schmeckt anders als aus der tüte. der wichtigste bestandteil ist zitrone – und nur tomatenmark nehmen.

als wir noch in schleswig geprobt haben, auf der freiheit, von stadt der angst bis abalonia, da haben marten und ich dort zu zweit gepennt, jedes mal. er aufm boden, ich im feldbett, zwischen den kisten im lager. meist haben wir äthiopischen jazz und kate bush gehört und waren ganz lange wach, waren ganz fuselig und duselig von der freiheit auf der freiheit, nachts ist da ja nix und es war ein schloss für uns. kann ich im nachhinein schon verstehen, dass der rest der band am nächsten tag meistens nichts mit den erkenntnissen unseres vorabends anfangen konnte – muss man dabei gewesen sein. da hab ich auch immer spaghetti bratwurst oder carbonara gemacht oder marten hatte selbstmachpesto dabei, an den fenstern unzählige hornissen und ich durfte mal mit helges mofa fahren. kontaktmann rolf hat uns besucht und richtig geholfen, damit wir immer neue saiten für die gitarren haben … letztes waren wir mal kurz da, ist alles umgebaggert und die hornissen sind bestimmt tot. hatte ich aber auch ne heidenangst vor …

draußen stürmt es, freiheit war gestern, aber hier wohnt die liebe – ist schön, dass ihr zu besuch seid. eichhorn statt hornisse.

tobert knopp


„Innenansichten eines Außerirdischen“ – ein Gast-Blog aus Turbostaats Tourbus. Morgen geht das weiter. Hier geht’s zurück zu Teil 3.

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Beitragsbild: © Tobert Knopp

„Innenansichten eines Außerirdischen“ – Teil 3

auge+beule.


guten tag. mein name ist tobert knopp und ich spiele bassgitarre in der gruppe turbostaat. seit 21 jahren. ich war 19, als das alles anfing. in husum. unsere neue platte „uthlande“ wird ab jetzt bespielt, hier da und dann dort und ich bin aufgeregt wie sau. das ist mir tatsächlich neu …

mainz. waren wir schon mal in mainz? meins erinnert sich nicht … ich möchte einen hut kaufen und gerate in karnevalsmusikanten in der einkaufszone, ich verstecke mich in einem plattenladen und kaufe verlegenheitsjazz. die hüte sind alle scheiße und später verschneide ich meinen bart schief und dann zu kurz. ich will mir heute nicht gelingen. ich treffe 2 freunde und wir spielen mit unseren fantasykarten. das macht mich sehr glücklich, denn ich halte mich heimlich für einen wizard aus kotz und das begieße ich mit zu viel whiskey.

dann muss ich rennen, meine schuhe holen, weil es auf die bühne geht, in 2 minuten. raus aus den botten, rein in die slipper, dann hammer laut und doll und an der eins vorbei. es macht heute richtig spaß! ich möchte jan etwas von dem rauchigen getränk auf das shirt spucken (er mag den geruch nicht) und der gag geht in die hose, bzw. ins auge. müssen wir später spülen. er is böse, ich n bissn zu besoffen.

später sind ganz viele leute im backstage und ich muss irgendeiner eule sagen, dass sie mal nicht am catering rumsauen soll …

ich bin übrigens erstaunt, dass uthlande live so gut läuft, es wirkt so, als hätte das publikum schon viele lieder ganz oft gehört und sich freut, dass wir die spielen. ich erlaube mir keine einschätzungen vorab und erwarte nichts, ich wäre vollkommen ok damit, wenn es niemand interessiert, was wir tun – dann ist die überraschung riesig! auf der bühne merkt man, dass es schön ist, wieder unterwegs und laut zusammen zu sein. so viel scheiße fällt aus dem kopf. peter schaue ich heute die ganze zeit an und ich hab ihn so lieb – das ist übrigens erstaunlich: nach 21 jahren mögen sich alle noch und ich glaub, langsam sogar noch mehr. mag am alter liegen …


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Halbwalknut Karneval Kongeggtion 🤦‍♂️

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