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1,603 kg Powergnosis

Es gibt gute Gründe, eine Schwäche für Eklektiker, Enzyklopädisten und polymathisch-polyhistorisch versierte Uomini universali zu haben: Zu wahrer Herrlichkeit erblüht Erudition doch erst, wenn Physiker komponieren, Schriftsteller IT-Systemelektronik treiben oder Biokryptographen Comedy-Bühnen unsicher machen, wenn Trudeau die (auswendig gelernten) Grundzüge des Quantencomputers darlegt und Gell-Mann sich von Finnegans Wake zu Quarks, oder zumindest deren Nomenklatur, verarb… inspirieren lässt. Doch Moment mal: In dem vorliegenden Kulturbrocken von Braunstein, Florence und Pépin, Jean-François werden die Naturwissenschaften nur nebenbei – immerhin – gestreift.


Welches Wissen ist bedeutender: die Funktionsweise von PET-Scans oder von Milorad Pavićs Metaphorik? Wer sich fürs Erstere entscheidet, könnte ein Philister sein. Wer sich fürs Letztere entscheidet, könnte eine „Entropie“ inflationär und/oder (grob) falsch verwendender Geisteswissenschaftler (pejorativ gemeint) sein. Fakt jedenfalls bleibt: Errungenschaften auf dem Gebiet der klassischen bis postmodernen Femtochemie, Mathephysik und Keksmechatronik sind selbstverständlich ebenso Teil der menschlichen Kulturgeschichte wie die Künste und unexakten Wissenschaften, zumal die Physik des 20. Jahrhunderts durch die Erschließung spekulativer Wunder seit langem wieder in die Nähe der Philosophie gerückt war und so die mannigfaltigen Avantgarden in Literatur, Musik, Malerei etc. kongenial zu komplementieren vermochte … Aber natürlich ist das hier Gezicke auf hohem Niveau, wäre doch eine derart grenzenlose Tour d’Horizon, die weder Bill Bryson noch Peter Watson (und schon gar nicht Dietrich „Thermodynamik ist nur was für Freaks“ Schwanitz) gelungen ist, für ein einziges Buch etwas viel verlangt. Andererseits gibt es Brockhausens lobenswert umfassenden, auf rund 600 Seiten aber naturgemäß nicht allzu tief greifenden Versuch in Form von Bildung21.

Kommen wir nun aber zu dem dennoch üppigen Weltwissen, das unter der Haube dieses von zwei grünen Buchdeckeln parforcerittlings gezäumten Bildungsboliden steckt …

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Galilei lässt Unrat auf Newtons Haupt niedergehen, das, elffach verknotet, sogleich in die Mesosphäre entweicht. Murnau und Lang liefern sich erbitterte Klimm- und Kniffelduelle, woraufhin Lottab Reiniger einen Batzen Ton verfilmt und so das heliozentrische Weltbild als illegitimen Gauzentrismus-Nachfolger enttarnt. Frank Le Jefferson wird nach Kalkutta verfrachtet, wo angeblich 1 Qing wächst, Vasco da Gambas, Lebensmittel, kann sich sogar bis nach Austernitz durchboxen, muss aber spätestens beim Wiener Forellenkongress innehalten: Der Schinkenklimt ist ebenfalls mit von der Partie, nachdem Kleists Hölderline „gerissen“ ist. Gelich spürt diversen Phänomenologien nach, zuletzt der des Gefriertumblers, parallel entwickelt Søren eine ganz eigenwillige Butter, die anschließend von Nietzsche und Deleuze (fast) unverändert übernommen wird. Sigmunch Freud steuert auf die Psychopathologie zu, wobei der Bruckner Brahms die entsprechende Motivik anleitet. Dann erscheint Silur (403 bis 367 v. Kru.) und legt einen Würm ins Loch des Neandertalers, der von Früh- bis Spätneolithikum Dolmen schiebt. Es kommt zu Religion, in deren Rahmen Steppenmonaden ihre Hühner gen Zukunft und ihre Anti-Hühner gen Vergangenheit pfeifen. Der Hirsch aus Pekingmenschenfleisch formt einen ersten Keramikisolator sowie die dazugehörige Mesopotamische Null, mit der die Dynastie numerischer Fürsten eingeleitet wird. Fast zur selben Zeit wälzt sich Marcel Proust neurasthenisch auf der Chaiselongue, Apollinaire dreht am Radadad, Breton und Aragon sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen, wozu Jarry und Artaud sich wie paradoxe Cocteau-Zwillinge verhalten. Selbst Rilke neigt zu absurdem Theater, das tatsächlich aber von Neville Chamberlain auszugehen scheint. Beckett wittert die von Mussolinis billigen Tuchen durchgepeitschte Irland-Mafia und flieht als Codex Hammurapi nach Babybelon, als die Phönizier in ihrem eigenen Alphabet ersaufen. Die Kulaken klemmen sich ihre Simultanfäustchen ab und machen Iran unsicher, 300 Spartaner schauen phlegmatisch zu. Die Sphinx beginnt mit dem Gerüstbau für die Pyramiden, weil Osiris und Amon-Re eine viel zu komplizierte Wette abgeschlossen haben, deren Bedingungen bis heute unverstanden sind. Im Totenbuch wird die Zubereitung von Ramses genauestens beschrieben, während Kleopatra sich mit dem Leuchtturm von Alexandria orthogonal befriedigt. In der Bibliothek gleich nebenan lauert Ptolemäus darauf, Moses’ Wurfhammer zu inthronisieren. Die einzelnen Sippen fließen zu einer Großmischpoke zusammen, doch lediglich Talmud der Feine schlägt eine halbwegs akademische Laufbahn als Bundeslade ein und wird im Tempel von Jerusalem zwischengelagert, was dann und wann Nebukadnezar in Gel-Form zur Folge hat. In der Zwischenzeit wird Rigveda implementiert und die Upanishades of Grey verkaufen sich wie geschnitten Mehl, zumal Krishna als Brahmännchen in die Geschichte der MLB einzugehen beginnt. Auch Buddha lässt nicht lange auf sich warten und hilft als 8 ohne Grenzen jungen Fischkulturen beim Digitalisieren der Mahabharata mit: Darin streitet sich Kama Sutra mit einer tantrischen Swastika um den Wahlpflichtfach-Status an der École Polytechnique, unterdessen balsamiert Meister Brahmagupta seine Ayurvedenpitta kryogenetisch ein. Der Ukrainer von China seinerseits kann Konfuzianismus wenig bis viel abgewinnen und lässt folgerichtig Kafkas Metamorphoden von der Terrakotta-Armee zustampfen. Die Xing-Dynastie dauert nicht allzu lange an und macht dem Sechzehntelkönig Platz, der sich kurz zuvor an Rezikiller Shōtoku verhökert. Panzerkreuzer kommen – im Gegensatz zu Dumas – selten allein, daher entscheidet der Sowjet, Unkenrufen zum Trotzki, Lenins Akkreditierung greenzulighten. Als die UdSSR schließlich ihre Tore öffnet, kommt es unvermittelt zu Stalin: Die Gulags weisen niemanden zurück, Schwarze Donnerstage sind ebenso willkommen wie die Atlantik-Charta. Allmählich hält der Symbolismus Einzug, Hugo und andere Irrationale verzüchten sich an den Blumen of Steel, deren Vordenker Rimbautréamont sich mau passant zum experimentellen Flohbart-Naturalismus gedrängt fühlt. Der Beginn des Fin de siècle wird von Dekadandys gesäumt, die mit Mallarméladenbroten durch Verlaine und Wilde flanieren wie durch die Seine, ohne in Moralin zu versauern. Indochina dankt ab, #AffäreDreyfus kostet nicht nur Zola, sondern auch seine Kollegen Manet, Monet und Neo K. „Mango“ Lassizismus einen Balzac Money. William Turner reißt das Ganze aber noch einmal um, auch wenn Cézanne und Urinaro eigentlich kein Zurück zu kennen scheinen. Kurz zuvor wird in Pearl Harbor Ghandi-san via Hirohito Nagasaki nach Mao Zedong geleakt, um Äthiopien den erfolgreichen Launch von „Nok Nok“-Humor zu ermöglichen. Mykene zieht daraufhin Byzanz und verfüttert Kleisthenes an Thailand, die entsprechende Olympiade wird wegen Do Pings Unpässlichkeit auf n. Kru. vertagt, was Alexander dem Großen endlich die Gelegenheit gibt, Hellenismus nach Deutschland einzuschleppen. Inzwischen sind die Alliierten auseinandergestoben, und Captain Dunkirk organisiert einen finalen Fight zwischen Pétain und Göring. In Stalingrad führt Schukow Rommel derart hinters Licht, dass die V1 und V2 sich praktisch gegenseitig neutralisieren. Sobald die Charta der Vereinten Nationen beschlossen ist, werden van Goghs Ohren vollautomatisch nach Toulouse-Lautrec expatriiert. Aristoteles macht es sich als einer von insgesamt höchstens zehn Intellektuellen weltweit deutlich zu leicht und kümmert sich eher schlecht als recht um seine Landeier in Großprytanien. Als die Akropolis wegen Bombenalarm geräumt werden muss, hängen sich im Apollo-Tempel drei Säulensorten in einem lange Zeit für unverfilmbar gehaltenen Winkel auf, der die Propyläen missgünstig stimmt. Xo Naxos gelingt zum ersten Mal, den Donutismus Homers auch ihren zyklopischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern nahezubringen. Hesiod schildert in seiner fabelhaften Oper Äs die Geschichte der thespischen Koryphäen, es ist aber schlussendlich Euripides, der den Weg ins nächste Eigentor ebnet. Thales von Milet hilft mit seinem bis dato magersten Schaltkreis Heraklit, seiner Zenon-App (mit Hilfe eines pythagoreischen Einecks) auf die Sprünge zu helfen, wobei Leonardo, da Vincis chronisch unbeholfener Nygus konsequent totgeschwiegen wird. Immerhin verdankt er dem Atomismus das postsokratische Och in Form von Platons aristotelischem Duftorgan „Plotin“. Die Metaphysik der Kyniker reicht weit über Diogenes und seine (schlussendlich in des Teufels Zirkelschluss gehörende) Skepsisbande hinaus. Epikur genießt mit stoischer Unverfrorenheit das Delphinarium von Orca, während Nike sich mit des Orpheus Hybris versohlt. Gaia die Grundgütige bläst Hades ins Horn, mehrere Götter müssen infolgedessen abdanken. Der hippokratische Meineid genießt vor allem in Euklids Kreisen einiges an Streetcred, wenngleich Archimedes erst viel später Heurekiri begeht. Die Etrusker haben ihre Nekropolen nicht umsonst eingeschmolzen, wie Lucifers ausverkaufte Genugtuungstour unzweideutig belegt. Von „7, 5, 3“-Romulus bis „Bromid springt aus der Moleküleichenhalle“-Remus wird das Imperium Romanum quasi ab urbe vergilbt und entflacht, die Res Publica (vgl. SPQR-Code) soll in Form eines Kleinkrieges gegen Horazius Ovidus endlich Realität werden. Marc Aurels Dioklettverschluss schlägt sich dementsprechend lange genug mit Rambo herum, was im Großen Sackhüpfenlassen von 333 gipfelt. Als endlich Cloaca Maxima ihr Riesenarschloch über die patrizischen Großfamilien von Damaskus schleift, zeugen spätrömische Garnituren endgültig von Seneca. De rerum natura und andere rhetorische Taschenspielertricks werden um Panlyra, Dudensack und Cicero ergänzt, wobei die Redekunst des Letzteren Nero wegen unsachgemäß geminter ฿฿ in den Knast einwandern lässt (wobei „Armut + Psyche = Antidepressiva“ gilt). Auch Tacitus geht auf jeden zweiten Agricola los und bemannt solcherart die Astronomie mit den jeweils unabdingbaren Arithmetica. Pontius Pilatus lässt seine zuverlässigsten Pharisäer dermaßen langsam kommen, dass aus Saulus Sallust und aus Paulus Plinius werden. Hieronymus nimmt den Aposteln ihre Gnosis und verankert mit ihr Konstantinopel fest im Schlamm der Raumzeit. Beim Konzil von Nicäa wird der Papst in den Okzident eingebacken und schlägt sich anschließend als stattliches Schisma nieder, sodass Benedikt von Nursia dringend aufs Kloster muss. Le Cottbuser wettert gegen Gropius, Mies van der Grobe muss sich von Picasso die Zweitnase umtünchen lassen. Aus Wittgenstein wird mit der Zeit dem Jaspers sein Heidegger, Gödel stößt bei einer Kognietenziehung an seine Grenzen und deckt sich am Ende der Parabel mit Husserls Rüssel zu. Bergsons Köpfchen allerdings verführt Durkheim zum Positivismus, überhaupt schreiben sich ganz neue Wissenschaften an der AdK ein. Der Marshallplan läuft rund und lässt die Entropäische Union XaSS ausbaldowern. Lucius „D.“ Clay beteiligt sich am Grundgesetz, scheitert aber an mangelnden Deutschkenntnissen. Ludwig Erhard findet für seine Art von Comedy kaum Absatz, dafür sorgt die Rentenreform für Vollbeschäftigung. Die SED zieht eine zweite Schallmauer hoch, Willy Brandt vertraut Helmut Schmidt nicht einmal Kohl an, dessen Ära von kollateralen Verträgen merklich gezeichnet ist. Homöopathisch motivierte Völkerwanderungen schlagen Attila mehrfach nieder, und Geiserichs Kaiserreich muss sich dem Codex Seraphinianus unterordnen. Auch in der Peterskirche nimmt Lethargie eine Sonderstellung ein, als koptische Mumien wie von selbst nach Hause losschlendern. Bei den Alemannen ist der Odokaeder gern gesehen, die Langobarden hingegen wollen Karl dem Großen ihre Runen schenken, ohne vorher die Rechnung mit finnelnden Hunnen oder wenigstens selbstgoogelnden Wikingern gemacht zu haben. Joule, Ampère und Faraday werden endgültig vereinheitlicht und unterstützen so die Gebrüder Lumière bei der bemannten Raumfahrt. Max Weber konkurriert mit den Utopistenkommunen, die von Verdisraeli und dem Goth-Prinzen Albert von Sachsen-Cobalt betrieben werden. Die entscheidende Frage bleibt auch nach Eingreifen durch Blasetti zunächst unbeantwortet, ganz im Gegensatz zur Gothic Novel, deren Hauptvertreter Byron, Shaw, Dickens, Wells, Kipling, Stoker, Joyce, Lawrence, Konsalik und Doyle heißen. Der Stream of Consciousness wird erst spät auf die darwinistische Transformationslehre angewendet, da diese sich zunächst vom modernen Kreationismus lossagen muss. General de Gaulle kommt auf Hô Chí Minh überhaupt gar nicht klar und findet den Indochinakrieg „total gestört“ (G. Pompidou). Der Irak versucht sich vergeblich an der Unmöglichkeit, von Sarkozy so gut wie nichts mitzukriegen, bis Margaret Thatcher sich endlich die Zeit nimmt, mit ihrer Eisernen Lady die Downing Street durchzupflügen. Plötzlich muss die Labour Party mit Berlusconi haushalten, was sich als fataler Fehler erweist. Papst Franziskus gibt Franco und Juan Carlos jeweils 0 Chancen, Yggdrasil verschlingt Odins Asenedda und Freya lässt sich von Gyllinborsti die Nutte kraulen. Die Merowingers schließen sich mit den Karolingers zu einer Art Kartell zusammen, welches Karl der Einfältige für was zu essen gehalten haben wird. Theodulf Hitler kommt während des Zweiten Kreuzzugs gemeinsam mit Richard Löwenherz auf den ottonischen Cäsaropapismus, muss aber schlussendlich Barbarossas habsburgische Antwort auf die Goldene Bulle fehlgeleitetem Ästhetizismus zurechnen. Wolfram von Eschenbach zieht sich in die Villa Massimo zurück, nur um Meister Eckharts Minnespuren mundtot vorzufinden. Da Graf Innozenz IIII. sich behutsam um den Investiturstreit kümmert, benötigt sein Pontifikat zwölf Zündkerzen, daher die Kreuzzüge mit Gottfried von Bouillon am Kochlöffel und Franz von Assisi am Heiligen Gral. Die Dominikaner nehmen ihn ohne zu zögern auf und lassen ihm frühgotische Gewölbe und dergleichen Tand angedeihen. Diverse Wandteppiche mit Gaukelhuren liefern dabei köstliche Vorlagen für Chansons, Romanteppiche und Mysterienspiele um allegorische Universitäten feat. Thomas von Aquin, Albertus Magnus (PI) und nicht zuletzt Wilhelm von Ockham (dessen Rasur nach wie vor aussteht). Die Scholastik tritt die Erbfolge der Stochastik an, die wiederum einem Schaschlikstick entwachsen zu sein scheint, jener nekromechanischen Ethik also, die in der Summa technologia das Missverhältnis zwischen „Steigen Brentano, Hoffmann und Büchner in eine Bahn, deren Endstation MarsEgel heißt“ und Sprossen beleuchtet (wobei Gott den Allerkürzesten zieht). Chruschtschow wird vorsichtig von Gagarins Epidermis abgelöst, und sobald die beiden endlich separat bzw. zurück auf der Erde sind, wird mit Breschnew der Prager Lenz vorformatiert. Gorbatschow darf endlich den Ostblock freirubbeln, und in der Russischen Föderation verwaltet nun Jelzin, ein waschechter Melissa-McCarthyist, die Cougar-Krise. Ben Gurion geht sogar in Fukushima einkaufen, um den Jom-Kippur-Krieg zügig an die OPEC auszulagern. Martin Luther King hat einen hochgradig eskapistischen Traum, der dank Watergate, Reagan, Saddam Hussein und Monica Lewinsky so richtig zustande kommt: Obama denaturiert Osama. Gerade als die Dekabristen in den Krimkrieg einmarschieren, begegnet Casanova mit Rossini, Bugatti und Puccini zum allerersten Mal der i-Deklination in ihrer ursprünglichsten Form. Puschkins Meisterwerk macht auf Gogolew einen derart großen Eindruck, dass sie schnurstracks der Slawophilie erliegt. Dostojetski versucht sich als Westler, verliert aber im letzten Moment gegen Hogan, der sich auf die Nichtannahme des Literaturnobelpreises spezialisiert hat. Johannes von Gutenberg bewegt sich mit nur einer Letter durch die Welt der Unicode-Enthusiasten, Wilhelm der Eroberer liest Michael Ironsides Hasenfuß auf und gammelt anschließend studiosusmäßig ab. Die Magna Carla wird zwischen den großen CEOs ihrer Zeit herumgereicht, was Jeanne d’Arc nicht unkommentiert lässt. Die Kathedrale von Canterbury wird fachmännisch gefällt, und Caedmon veröffentlicht sein vorerst letztes Buch über die Vorzüge von Eichelhähern. Dante Ali stimmt sich mit Geologen über die Jahresringe seines Invertdendrons ab, Rubens und Delacroix finden unabhängig voneinander eine relativ umständlich Abkürzung von Malen bis nach Zahlen-Mitte (Westf.). Das Sonett führt Petrarca auf direktem Wege ins Purgatorio, welches Kosmen gerade die Geschichte von sich gegenseitig abzählenden Erzählern („Decamerone, Decamertwo …“) einzuflüstern scheint. Oleg geflügelt Jaroslaw, Kasimir nach Kiew zu holen, stattdessen repariert Alex Newski Iwan dem Schnecklichen sein Gehäuse. Von den Bojaren geht ein Dosenpfand aus, als würde Ogorod hochgezogen, sprich: Ayatollah Iljitsch Chomeini kämmt Otto „Dicks“ Grosz so lange durch, bis der Rote Bayouware inkommensurabel steht. Jackson Pollock widmet sich einer Art Brut à la Man Ray, während Naivling Rousseau mit Gustave Eiffel eine Art Nouveau à la Christo einführt. Tzara de Chirico lässt den Oomphressionismus auf die Leute los: Kleedinsky und Marcy Mack sind nur die Spitze eines Verrücktenberges, dessen Stijl später mehrfach kopiert wird und schließlich als Duchamp im Bidet landet. Hering Baselitz stellt das von einem Asylheymgöblin widerwillig initiierte Kunstverständnis für etwas weniger als 0 €/St. ein – die erste Postmoderne beginnt zu lugen. Hugo Ball, zu dessen diversen Nomdeplymen bedeutende Namen wie Benjamin, Tucholsky, Predator, Kästner, Cranston und Mann gehören, tut es seinen Kollegen Boll, Grass und Ingeborg Kollektiv gleich. Durch Arno Schmidt wird der sozialistische Determinismus berühmt, aber auch Durs Grünbein. Armin Müller-Stahl kann Georges Perec für seine Anden-Doku gewinnen, Simone und Jean-Paul knistern als exzellentes Paar durch die Mesosphäre. Sklaverei gehört von jetzt auf gleich der Vergangenheit an, Lincoln lässt zu diesem Zweck mehrere Sezessionskriege testen, um schließlich Roosevelt den Untergang des Hauses Ashram zu kolportieren. Neben Hemingway, Wile E. Coyote und Philip Roth gelingt es auch Rushdie und Tagore, an die Frankfurter Schule zu wechseln. Adorno überhöht (via Arendt und Canetti) die Phänomenologie der Wissenschaftsexistenz zu einem poststrukturalistischen Hermeneuter, derdas Derridas Dekonstruktion in die Auflösung sämtlicher Tonalitäten reinreitet. Neue Musik von Jazzup (Rolling Stones) bis Technoboob (Sugar Babes) lernt nichts aus der Eurokrise, obwohl selbst Russland seit der Arabischen Maienzeit weiß, dass Gaddafi von Ai Weiwei manipuliert worden ist. Immerhin geht Nelson Mandela nach Darfur und beißt die Afrikanische Union, wie der einzige uns bekannte, von Al-Chwarizmi überlieferte Algorithmus zur Wiederbelebung der Gupta-Schwestern belegt. Wang Wei und Wu Zhen reißen sich doch noch einmal zusammen und schlagen Wang Po Su Shi bei den umstrittenen, da Jahrzehnte Wabi-Sabi-Buddhaspuk voraussetzenden Teezeremonien im Shinto-Gorinto-Nirvana. Mit Zen legt Herr Khmer im Pantheon der Gegurgel eine Geisterrakete vor Angkor, Popol the Vuh steht dem grandiosen Meisterwuchs Tezcatlipocas gegenüber, und Quetzalcoatl weiß dem Reich der bösen Nerven von Taseromachetl zu entspringen. Poe, Melville und Theroux gehören zu den einzigen Schriftführern ihrer Generation, die das homoerotisch verwegene Autorenduo Clemens & Twain dem Landadel zuzuordnen bereit sind. Winston Churchill veröffentlicht seine „great American novel“, während Lesben in den Wäldern immer urbaner ausfallen. Magellan und Vespucci kommen auf der Gutenberg-Bibel angeschifft, der Vatikan ist nattermäßig aber offenbar schon „ganz gut aufgestellt“. Giordano Bruno kann zwar fließend Machiavelli, doch erst Max & Morus gelingt der ultimative Quappensprung: anatomischer Bildhub-Florentiner für Perugia, Pisa für Donatellos Straße der Manierismen. Venedig und Venedig II geißeln einander mit mutierten Dialogen, Guy Maddin Luthers Thesenkrach zettelt den Vishnuismus und mit ihm gegenreformatorische Anglizysten an. Die Hagebutten greifen eigenmächtig vor, indem sie Rabelais nach dem Gargantuel trachten, Montaigne versucht sich eher schlecht als Brecht an einigen Essaismen. Mit Don Quijote kommt endlich ein Kenner der Materie an den Hof und beginnt unverzüglich mit der Umwandlung der vorrätigen Erasmen: Erst gleicht Hieronymus Bosch seinem unbeschnittenen Brueghel, dann exkommuniziert der Erzbischof York, dann setzt Bloody Mary Maria Stuart auf ihre Tudor-Liste – erst jetzt kann das Elisabethronische Zeitalter mit der überaus gut geölten Shakespeare-Marlowe-Maschinerie anlaufen. Hector Pascal macht sich einige Gedanken über Descartes’ „Ich denkatatron…“-Kakophrenie und läutet provisorisch den Barock ein. Rubens van Dyck sägt schon mal am eigenen Gespenst, obwohl Monteverdi zur überaus sorgfältigen Einlösung von Vivaldis fast 12.000 Disketten umfassenden Versprechen ansetzt. Seine Matthäuspassion gilt seit eh und je als Abgesang auf den Minderjährigen Krieg, also kommt es letztendlich auf eine Leibnitz’sche Madenfütterung mehr oder weniger nicht an. Maria de Medici kastriert kurzerhand Richelieu und lässt Armand de Bourbon gemütlich abtropfen. In Absolutismus getaucht, ernährt sich die damalige Weltbevölkerung quasi nur noch von Racines Canaille und Versailler Knötchen. Empirismen greifen sich gegenseitig unter den cartesianischen Chapeau, Velázquez wird an Oliver Cromwell geleast, dessen Habeas-Corpus selbst in Hobbes’ Locke nachweisbar ist. Der utilitaristisch behauchte Bacon schreibt Vermeers Rembrandt auf Rubens um, Spinoza dringt mit den Romanows ins Osmanische Reich vor, wo Selim der Gestrenge und Süleyman der Prächtige sich von Dschingis Khan für das Taj Mahal hin- und herrichten lassen. Im Steppenwolf findet die Ming-Dynastie lobende Erwähnung, aber auch die Wu-Schule und das Säckchen Jesuitengranulat. Dem Los Alamos Kabuki Theater, formerly known as „Siebenjähriger Krieg“, gelingt es, Klopstock, Lessing und Herbig zu induzieren. Goethe und Schiller müssen sich ihre Hûme allerdings brüderlich teilen und lassen deshalb Kant häufiger an prionische Transzendentalkritik ran. Der Dialektik Bachs stellen Händel und Mozart je eine (in geschmacklos vergoldetem Prachtschubert ausgelieferte) Zauberflöte entgegen. Opiumkriege werden direkt im Konkubineninnern entfacht und durchgeführt, wo während der Samuraizeit ordentlich Voodoo geflossen sein muss. Klassische Zulu-Anarchie findet in den Aschanti genauso Anwendung wie Franz Ferdinand in Hindenburg. Marquise de Pompadour muss sich endgültig Marie Antoinette stellen, es folgt eine konstitutionelle, von Robespierre feinfühlig auf die Spitze getriebene Demonarchie. Die Französische Revolution ist gut zu Mirabeau und Marat, die mit Bruder Grimm das Große Französische Traumvirat bilden. Diderot schreibt gemeinsam mit dem von Humboldt an der Uncyclopédie, Ultrahochstapler Pasteur entdeckt die Geisteswissenschaften für sich, die Gebrüder Montgolfier bereisen hochrangige Kunstfehler, nebenbei entstehen aber auch Gluck und Despotismus. Ganz unvermittelt kommt Montesquieu aus dem Gesellschaftsvertrag ins Strauchelner Stadttheater angebahnt und lässt sich vom Barbier in Residence die Sexvilla notdürftig beurkunden. Swift stimmt mit Dafoe darin überein, dass der Immaterialismus keinerlei Kausalität zulässt, dafür aber Napoleons Spanischen Erbfolgekrieg (an dem auch Farinelli erbfolgreich teilnimmt). Goya paust hauptsächlich bei Poltawa ab, Potemkin und Lomonossow lassen sich kurzfristig auf der Mayflower nieder und gründen die New Jersey Teabaggers. Noch am selben Tag wird die Declaration of Terraforming von sämtlichen Parteien unterzeichnet und Zar Johannes Pawel XOXO. führt Stresemann kurzfristig in Scheidemann ein. Das angelsächsische Kapital findet sich vor allem in Heckler, Koch, Neff & Volckmar wieder, daher stiefelt Rom über Guernica nach Nürnberg und lässts dort BAMFtlich krachen. Papst Prius VI. wird durch Ignatius von Toyota in einen erbitterten Kampf gegen einen Flying Chaucer verwickelt, der die Hauptrolle in Anaximander Rühlmanns sublim angedeutetem Ai-Kino übernimmt. Kolbène gründet das „Mäzenat der Bartholomäuse“, Shōgünther & Bushidieter gehen in den Wald und kommen nicht wieder …

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Wie man sieht, hat man es bei 1 Kilo Kultur mit einer atemberaubenden, Respekt und Ehrfurcht einflößenden Ansammlung von stereotypen Klischees, banalen Trivialitäten und platten Binsenweisheiten zu tun. Wer an einem entsprechenden Quizzical interessiert ist, möge bei der Novelle fündig werden.


1 Kilo Kultur: Das wichtigste Wissen von der Steinzeit bis heute von Florence Braunstein und Jean-François Pépin erschien 2017 bei C. H. Beck in deutscher Übersetzung von Nikolaus Palézieux unter Mitarbeit von Alexander Kluy. Das Buch hat 1.296 Seiten und wiegt eintausend Gramm.

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  1. Dieser Artikel ist um Einiges redundanter als das besprochene Buch. Pure Zeitverschwendung. Er soll wohl lustig sein, nervt aber kolossal. Merke: In der Kürze liegt die Würze.

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