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Tridiversales InteReview mit Mat²hias Hockmann

Hockmann Tridiversum Cover 1200px

Matthias/Bowls Hockmann/Götzke studierte Jura bis zur Scheinfreiheit und arbeitet, ähnlich wie sein Kollegah, freiberuflich als Musikprojektleiter an verschiedenen Privatschulen in Köln, wo er zurzeit auch residiert, komponiert, musiziert und schriftstellisiert. Sein im Folgenden präsentiertes Romandebüt „Tridiversum“ ist der erste Teil einer geplanten Trilogie.


Daniel Ableev
Zunächst zum Äußeren: Tridiversum ist ein wirklich schickes Buch geworden. Das Cover ist schick, der grafisch kreativ aufbereitete Barcode auf der Rückseite ist schick, das Blau des Einbandes ist schick. Wenn man reinblättert, findet man zahlreiche (schicke) Abbildungen, die den Roman fast zu einer Art Graphic Novel machen. Das Papier ist hochwertig, ebenso die allgemeine Haptik.

Matthias Hockmann
Was ist ein Tridiversum?

DA
Dein Roman beginnt mit der ausgefuchsten Widmung: „Dieses Buch war schon immer der Mutter meiner zukünftigen Kinder gewidmet.“

MH
Das Buch ist mein Soulmate-Detektor. Telefonnummer steht auch drin. Sobald sie es gelesen hat, kann sie mich anrufen und mit mir übers Kinderkriegen sprechen. Momentan tappe ich da selbst noch im Dunkeln. Die Zukunft kennt die Adressatin.

DA
Die coolen enzyklopädischen Infomatrix-Einschübe in allen Ehren, aber was ist nun mit Herrn Tonello – heißt er mit Vornamen „Zetrick“ oder „Zetrik“?

MH
Diese Frage kommt eventuell zu früh, denn auf den Erfinder der Zeitmaschine wird erst im letzten Viertel des Tridiversums genauer eingegangen. Hier ein Anagramm, das zwischen den Zeilen steht:
Zetrik Tonello = Zeitkontrolle
Schon allein deshalb sollte der Terrakinetiker vom Sonnensystem t<hera (= <earth) den Buchstaben „C“ nicht unbedingt benötigen. Weder für seinen Vor- noch für seinen Zurücknamen.

DA
„Er […] stampfte die Unbeholfenheit des verschüchterten 12-Jährigen in die Fußmatte und gab seinen verletzten Stolz an der Garderobe ab“ – so ein Satz kann sich sehen (und lesen) lassen!

MH
Wenn das der einzige Satz sein sollte, der sich sehen (und lesen) lassen kann, ist das Buch schlecht. Ist er natürlich nicht. Das Buch ist gut.

DA
„Glassplitter um sie herum, Zeitlupe in ihr drin“ – so ein Satz kann sich sehen (und lesen) lassen!

MH
Siehste? (Lieste?)

DA
Heutzutage kommen ja viele Filme ins Kyno, die man gut und gern als „3D-Nichts“ bezeichnen könnte.

MH
Da sprichst du ein interessantes Drama an, aber hebe auch diesen Gedanken besser mal für später auf!

DA
Clayton Sun („Lover, Fighter, Lighter“) ist der Held eines fiktiven Comics – soll denn daraus vielleicht, etwa in Zusammenarbeit mit Illustrator-Surrogat Jonas Hauss, mal eine reale und abendfüllende Angelegenheit werden?

MH
So ist es. Ist es bereits. Anti-kausal betrachtet.

DA
Ein episches, bildgewaltiges Tableau von sechs Seiten Länge gegen Ende des Buches lässt die Emotionen ins Tridiversal-Erhabene anschwellen.

tridiversum

MH
Das ist der beste Zeitpunkt für eine kurze Pause. Jetzt kommt nämlich ein dicker Plottwist, für den ich Popcorn empfehle.

DA
Die möglicherweise kühne Vermischung der Konzepte Kosmos/Universum, Poesie und Algebra wird durch das Wortspiel „UniVers“ provoziert. Weitere Erfindungen sind der „Chakramulator“, „Teslaportation“ oder „Parabox“.

MH
Ein Fall für die Seltsamkeitsforschung also. „Möglicherweise kühn“ gibt es dort nur als Kompliment und UniVerse zuhauf.

DA
Wie kommt Collin eigentlich darauf, Elke mit „Elkö“ anzusprechen?

MH
Ich schätze, das liegt in der Natur der Sache: Viele Teenager [des Tridiversums] sind krampfhaft um Originalität bemüht. Und scheitern am eigenen Anspruch.

DA
Was macht für dich die Atmo der 90er am stärksten aus? Was ist uns verloren gegangen? Sind die 90er die neuen 80er, wenn man dem sehr guten Film Detention glauben darf?

MH
<> Orthographische Anmerkung: „das Atom“, nicht „die Atmo“ <>
80er Jahre = „Null-Bock-Atom“
90er Jahre = „Lost-But-Active-Atom“
Das 90er Atom ist demnach ein Upgrade des 80er Atoms. Und zugleich ein Millennium-Molekül-Downgrade.

DA
Was bitte ist ein „Atom“?

MH
Adam. Der Typ aus der Bibel.

DA
Dein Roman beginnt mit der ausgefuchsten Widmung: „Dieses Buch war schon immer der Mutter meiner zukünftigen Kinder gewidmet.“

MH
Diese Tatsache scheint es dir angetan zu haben … (siehe zweite „Frage“).

DA
Die coolen enzyklopädischen Infomatrix-Einschübe in allen Ehren, aber was ist nun mit Herrn Tonello – heißt er mit Vornamen „Zetrick“ oder „Zetrik“?

MH
Diese Frage kommt eventuell zu früh, denn auf den Erfinder der Zeitmaschine wird erst im letzten Viertel des Tridiversums genauer eingegangen. Hier ein Anagramm, das zwischen den Zeilen steht:
Zetrik Tonello = Zeitkontrolle
Schon allein deshalb sollte der Terrakinetiker vom Sonnensystem t<hera (= <earth) den Buchstaben „C“ nicht unbedingt benötigen. Weder für seinen Vor- noch für seinen Zurücknamen.

DA
Wie sähen eigentlich Naturgesetze aus, wenn unser Schöpfergott Quantum Terrorino hieße?

MH
Wie zufällig.

DA
Wir säen eigentlich die Naturgesetze aus, wenn unser Schöpfergott Quantum Terrorino ließe.

MH
Wie abgeerntet.

DA
Und wenn Shakespeare Sportlehrer gewesen wäre?

MH
Romeo hätte Julia wegen ihrer Cellulite abserviert. Und faul im Staate Dänemarks wären lediglich die Bio-Eier gewesen. Die Elfen aus dem Mitsommernachtstraum hätten Orthello Proteinshakes serviert.

DA
Orthello klingt nach einer Schützenfest-Vollniete.

MH
Toni Korte auch.

DA
Liegt es da nicht nahe, hospitalistisch Wippende als Stromquellen anzuzapfen?

MH
Da? Wo? Im Prinzip? Im Getreide? In der Infomatrix?

DA
Im Sinnfrei-Komplex natürlich, wo denn sonst.

MH
Dort wird in der Regel überverwaltet. Die Antwort auf die Frage wäre also: positiv.

DA
Welche Organe (außer dem Herzen) sollten aus Teflon sein? Was sind die Vor- und Nachteile von vollständiger Durchteflonisierung à la „Teflon aller Länder, vereinigt euch“?

MH
Vielleicht die Leber. Und Ohren aus Telefon. Von Vor- und Nachteilen kann dabei allerdings keine Rede sein. Die Frau des Sportlehrers dürfte mir zustimmen. Cora heißt die. Cora Nickelmann.

DA
Ist denn Joshua Veenker eigentlich ein verkappter Wanker?

MH
Eher Greenpeacer. Mit einer Vorliebe für die Farbe Rot.

DA
Man kann aus ziemlich allem eine Beleidigung stricken, wenn man „3D-“ davorsetzt. Im Falle von „3D-Pubertät“ (die wir ja im 90er Atom durchlebten) wäre der 3D-Vorsatz mehr als Verstärker einer bereits gegebenen Beleidigung unterwegs.

MH
Korrekt. Selbiges gilt für 4D aus 5D heraus betrachtet. Beleidigungen lassen sich im Grunde bis in alle Dimensionen der Unendlichkeit denken. Folglich ist das Konzept ebenso simpel wie primitiv. Aber durchaus genial.

DA
Gilt dasselbe auch für „2D-“ (vgl. 2D-Hirn)?

MH
Analogisch.

DA
Wie (stink-)unnormal muss ein Bauer sein, um an Gy²lle ranzukommen?

MH
Bauern der Infomatrix sind allesamt Ak²erdemiker. Die Gy²lle kommt mit dem Treibtisch, an dem gearbeitet wird.

DA
Penis klopft gegen Unterhose (die Unterhose klopft zurück) ist eines der vielen Nietzsche-Zitate, die im Tridiversum figurieren.

MH
Du meinst wohl Kant. Es ist ein kantiges Tridiversum und keine ökologische Nietzsche für Sprachpuristen.

DA
Ob Nietzsche bei seinen Babys Stoffwindeln benutzte?

MH
Ja. Harter Stoff-Windeln.

DA
Ein Mitglied des WDR Mindfuck-Orchesters hat vor kurzem mit jemandem Schluss gemacht. Das klingt nicht ganz so traurig, wenn man bedenkt, dass „Schluss“ ein Vorname ist.

MH
WDR? Nie gehört.

DA
Zetrik hat also seinen Zeitraspelkubus eigentlich aus Gedichtzeilen hergebaut, wenn ich das richtig verstehe.

MH
Aus einem UniVers einen Tesserabstrakt, um genau zu sein. Aber ja.

DA
Das ist erstaunlich spektakulativ. Von wem oder was ist dieses InteReview eigentlich das Surrogat?

MH
Dany Able²v, progressive Seltsamkeitsforscherin der Infomatrix.


Titel- und Beitragsbild:  © Verlag der Ideen

3 Kommentare

  1. Christoph Kayser sagt

    Ein wundersamer Gedankenaustausch, der hier kredenzt wurde! Mein Interesse ist geweckt – für den Autor den Buches und die ‚Seltsamkeitsforscherin Dany Able²v‘. Ich wünsche mir mehr von dieser Art Interview (‚Art‘ im Sinne von ‚Kunst‘!!!), die ich als durchaus experimentell aber gut verdaulich empfunden habe. Bitte weiter so! Mit freundlichen Grüße; Christoph Kayser.

  2. Amy Shaw sagt

    Tolles Frage-Antwort-Konzept und sehr vielversprechendes Buch! Ich habe mir das Tridiversum gestern bestellt! Hoffe, ihr bringt mehr von solchen Autoreninterviews! Weiter so 🙂 Alles Liebe, eure Amy.

  3. Amy Shaw sagt

    Schräg… aber schräg gut… ich weiß jetzt aber nicht ob ich das Buch kaufen soll. Klingt schon einbisschen kompliziert. Aber ich steh ja auf Science Fiction. Mal sehn… scheint auf jeden Fall ein cooler Autor zu sein. danke fürs InterREview.

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