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Französisches Fernsehen unter dem Meer. Trends doppelter Alben

We Are Scientists haben es schon im Frühjahr getan. Jetzt auch noch Björk. Remixalben und Unplugged-Versionen sind überrannte Trends. Gut, dass es noch Musiker*innen gibt, die neue setzen können.


Es gibt wenige Marken im Musikgeschäft, die sich so systematisch selbstdekonstruiert haben, wie das gute alte MTV Unplugged-Konzert. Neben den großen Awardshows markierten sie lange das letzte Fünkchen Bedeutung des Musikfernsehens. Bis dann plötzlich jeder durfte, alles gleich zu klingen begann, ein deutlicher Blick auf die Vermarktungsmaschine freigelegt wurde und der künstlerische Wert der neuen Arrangements im Schatten der Maschine verschwand. Dabei ist eine Konzertreihe mit Akustikversionen eine schöne Idee, die eine Intimität zwischen Bands und Fans herstellen kann, die einander sonst nur von zwei Enden einer Produktionskette aus betrachten können und sich nur auf Großveranstaltungen begegnen. Bei Nirvana war diese Intimität noch da. Bei Sido, den Sportfreunden Stiller und Revolverheld jedoch schien es allen Beteiligten eher darum zu gehen, alte Songs unter dem Gütesiegel MTV Unplugged in neuen Versionen neu zu vermarkten. Nur blöd, dass sie dabei das Gütesiegel zerstört haben.

Aber irgendwas an Akustik-Versionen übt offensichtlich nach wie vor einen starken Reiz aus. Vielleicht ist es ein Gefühl, dass die Ursprünglichkeit der Musik, die wir so hören, zu uns durchdringt, und wir Einblick in die Entstehung von Songs und das Wesen von Bands abseits großer Shows erlangen. So hat sich der Trend schon lange unabhängig von MTV gemacht. Auf Videoplattformen wimmelt es von Akustikkonzert-Reihen und auf den meisten großen Konzerten kommen kurze Akustikgitarreneinlagen vor. Viele Künstler*innen haben ganze Alben in zwei verschiedenen Versionen herausgebracht: erst in der Studioversion mit festivaltauglichen Produktionen, dann wenig später als reduzierte Wohnzimmerkonzert-Version. Ein schönes Geschenk an die Fans. Die doppelt zahlen.

Das doppelte Album

Aber der Trend scheint weitgehend ausgereizt zu sein. Ihre Songs auch auf Akustikgitarren und Cajons statt auf E-Gitarren und Schlagzeugen spielen zu können, scheint zu den Tugenden zu gehören, die junge Bands beherrschen sollten, wenn sie im Musikgeschäft bestehen wollen. Aber warum machen das eigentlich alle mit? MTV Unplugged ist es wohl zu verdanken, dass wir uns daran gewöhnt haben, dass dieselben Songs in unterschiedlichen Versionen auf dem Markt sind. Und dass es unterschiedliche Varianten ganzer Alben gibt, hat sich mittlerweile auch etabliert, obwohl eine Doppelveröffentlichung nach wie vor eine merkwürdige Maßnahme ist, da eine einzige veröffentlichte Version doch viel prägnanter ist und eine eindeutigere Ästhetik hat, die einer Band Profil gibt.

Ein anderer Trend des Re-Releases, nämlich der der Remix-Veröffentlichungen, dient wohl vor allem dazu, Motive von Songs zu reinterpretieren und für andere Musikrichtungen aufzuarbeiten, um Künstler*innen einer bestimmten Szene für eine andere zugänglich zu machen. Endproduktionen und Akustikversionen derselben Songs hingegen sollen dieselbe Hörerschaft ansprechen. Bleibt die Frage: Wäre es nicht nach Jahren der Akustikgitarren-Cover-Songs an der Zeit, dieser Hörerschaft, die sich ja nun zwischenzeitlich an den Trend der Re-Releases gewöhnt hat, etwas Neues zuzutrauen? Wenn man schon zwei Versionen derselben Platte herausbringt: Kann man nicht auch zwei interessante Versionen daraus machen? Ein aktueller Trend zeigt: Man kann. Neben einigen anderen haben zwei sehr unterschiedliche Acts diesen Weg ausprobiert: We Are Scientists und Björk. Sie zeigen, welch unterschiedliche Versionen dabei herumkommen können, und damit auch, was wir jahrelang verpasst haben.

We Are Scientists – TV en Français / Sous la Mer

Der bisherige Weg von We Are Scientists war relativ klar bestimmt. Sie kommen aus der US-Dancerock-Nische, aus der es Mitte der 2000er auch Panic! at the Disco über Plattformen wie Myspace in die öffentliche Wahrnehmung geschafft haben. Im Gegensatz zu letzteren scheinen sie jedoch relativ früh gemerkt zu haben, dass sich zu starke Veränderungen in ihrem Genre nicht auszahlen. Auf ihrem 2005er Album With Love and Squalor, das zugleich ihr erstes kommerziell erfolgreiches war, traten sie als straighte Indie-Rock-Band auf:

Fünf Jahre später klangen sie so:

Etwas ruhiger, erwachsener vielleicht, aber nicht wesensverschieden. So sind es auch auf ihrem 2014er-Album TV en Français immer noch vor allem feine Details, an denen sich ihre Weiterentwicklung zeigt, wie etwa der Refrain der B-Seiten-Eröffnung Overreacting, dem vielleicht interessantesten Song der Platte:

Eine kreative Variation auf denselben Sound, den sie immer hatten. Das Album kam zwar relativ gut an (ich hab es mir auch gekauft), gilt jedoch nicht als der große Fang. So richtig kann es sich nicht davon lossagen, ein bloßer Nachklang ihrer alten Platten zu sein. Denn musikalisch scheinen sie auf festgefahrenem Fundament zu stehen und sich eher immer weiter einzuschränken. Aber sie scheinen sich dieses Problems bewusst zu sein und haben womöglich einen Ausweg parat. Denn deutlich mehr Aufsehen als TV en Français erregte ihr Re-Release der Platte in neuer Version zum diesjährigen Record Store Day. Sämtliche Songs sind hier neu aufgenommen, und zwar nicht mit Akustikgitarren, sondern im eigens kreierten „Sous la Mer“-Sound.

Was erstmal wie ein ins Meer gefallenes Radio klingt, funktioniert tatsächlich über die gesamte Albumspielzeit. Es ist nicht nur ein ganz netter Remix der Platte, sondern ein komplett eigenständiges Kunstwerk, in dem die Songs des Albums detailliert und mit viel musikalischem Gefühl in den neuen Sound übersetzt wurden. In der Ankündigung las sich das Projekt noch etwas befremdlich:

„Darker, more spacious, with distorted Rhodes and delayed Farfisas replacing electric guitars, …Sous la Mer (“under the sea”) draws the lyrics closer and casts them in a bluer light.”

Ankündigung dinealonerecords.com

Beim ersten Hören der Platte wird das Projekt jedoch klarer. Vielleicht ist es die bessere Version des Albums. Sie wirken im neuen Sound viel sicherer, viel abgeklärter, sie scheinen sich wohlzufühlen. Aber marketingtechnisch war der Weg des Doppelreleases sicher ein ziemlich cleverer Spielzug – und am Record Store Day kann man sowas ja machen. Denn We Are Scientists zeigen hier nach all den Jahren des Dancerocks ein paar ungekannte Facetten, ohne in irgendeiner Weise ihr Andenken zu gefährden. Hinter dem sperrigen Titel TV en Français, Sous la Mer verbirgt sich in Wahrheit ein Befreiungsschlag. Warum nun wählt ausgerechnet eine Künstlerin den Weg der alternativen Albumversion, deren gesamtes bisheriges Werk als Befreiungsschlag betrachtet werden kann?

Jetzt also Björk

Erst im Januar hatte Björk ihr neuntes Studioalbum Vulnicura veröffentlicht, das noch immer seine Wellen schlägt. Darauf knüpft sie an den Sound ihres 2011er-Albums Biophilia an und streift weiter durch einen Crossover-Dschungel aus Elementen aus klassischer Musik und Ambient House, zwei Richtungen, zwischen denen, wie Björk zeigt, alles passieren kann:

Jetzt hat sie auch noch eine zweite Albumversion angekündigt, Vulnicura Strings, die am 6.11. erscheint und zugegebenermaßen eine an anderer Stelle verschriene Akustikversion ist. Aber zumindest ohne Akustikgitarren und Cajon. Denn es treten neben Björks Gesang darin ausschließlich Streichinstrumente auf. Und Björk wäre nicht Björk, wenn sie es dabei belassen würde. Unter anderem kommt auch ein einst von Leonardo daVinci entworfenes Instrument zum Tragen, die Viola Organista, eine Kombination aus Orgel und Geige, von der es weltweit momentan nur ein Exemplar gibt. Warum auch nicht? Der darauf interpretierte Song allerdings wird sicher einen Sonderling der Platte ausmachen, weil er ein bloßes Instrumentalcover des Songs Black Lake ist. Aber wer die 10 Minuten hat, sollte ihn sich anhören:

Bereits vor der Veröffentlichung zeichnet sich ein entscheidender Unterschied zur ursprünglichen Version der Platte und zu ihren früheren Alben ab: Björk legt ihrem Sound erstmals äußere Grenzen auf und gibt diese Beschränkung sogar schon im Vorfeld der Platte preis. Dabei macht doch gerade die Grenzenlosigkeit der Elemente ihre Einzigartigkeit aus. Denn seit Jahren stilisiert sie sich als Gebieterin über unzählige Elemente, als Beherrscherin experimentellen Chaos. Man könnte die angekündigte Version also durchaus als Sehnsucht nach geordneten Bahnen verstehen, wobei schon die vorab veröffentlichten Songs zeigen, dass man sie damit verkennen würde. Denn dass ausschließlich Streichinstrumente zum Einsatz kommen, heißt nicht, dass das Album nicht experimentell ist, es lässt bloß die verbleibenden Instrumente näher zusammenrücken. Björk bleibt die Anführerin, aber die Elemente bilden, wie vor allem die String-Version von Lionsong zeigt, einen vertrauteren Kreis, fast wie eine Ritterrunde:

Warum das Ganze?

Vielleicht also führt Björk uns, wenn das Album am 6.11. erscheint, nach den vielen öffentlichen Auftritten endlich auf ihr Schloss. Die Zeichen stehen zumindest ganz gut für uns. Wie das Album letztendlich dann auch klingen mag, so scheint die Idee doch letzten Endes schlicht und einfach eine Björk-eigene Variante des MTV Unplugged-Ethos zu sein. Der einzige wirkliche Unterschied ist, dass Björk in der Lage ist, aus dieser Idee noch etwas Interessantes herauszuholen, was die meisten anderen Musiker*innen eben nicht sind.

Von daher scheinen We Are Scientists anderen Künstler*innen das interessantere Vorbild zu sein. Denn Björk kann ohnehin machen, was sie will, aber viele Indiebands wie We Are Scientists bewegen sich in festen Schienen, die sie zwar vorwärts bringen, aber ihnen keine Bewegungen in die Breite erlauben. Nach der Veröffentlichung von TV en Français, Sous la Mer steht die Band erstmals in ihrer Karriere an einem Punkt, von dem aus sie verschiedene Richtungen einschlagen kann. Hätten sie das Album nur als Sous la Mer veröffentlicht, hätte es sicher nicht dieselbe Aufmerksamkeit bekommen, weil es schlicht nicht als neues We Are Scientists-Album verstanden worden wäre. Der Doppelrelease zahlt sich also aus und bietet eine Plattform zum Experimentieren, die zu nutzen andere Bands nur ermutigt werden können. Denn treue Fans zahlen nach wie vor gerne doppelt und holen sich eh beide Versionen, freuen sich bloß ab und zu, wenn sie mehr für ihr Geld bekommen.

21 Kommentare

  1. Ganz offen gesagt, der Artikel war mir zu „schwääre Kost“. Ich halte es da lieber so, dass ich mir Musik anhöre und entweder sie gefällt mir oder sie gefällt mir nicht.
    Ich wusste stellenweise nicht, was mir der Artikel eig sagen will.
    Aber ich gebe zu, das mag durchaus an mir liegen, und jene, die mit der Materie bestens vertraut sind, mögen darin sicherlich wesentliche Formulierungen zum Thema erkennen, und insofern steht es mir nicht zu, als Laie den Beitrag zu werten.
    Das Ganze mag auch durchaus daran liegen, dass ich heute, am Sonntag vormittag, mein Hirn noch nicht aktivieren konnte ;))))))))
    Nix für ungut !!!

  2. ich habe die Scientists nur mal zufällig in Wien im Urlaub gehört und kann mir trotz deiner detaillierten Ausführungen nicht vorstellen, dass diese Band überhaupt noch irgendeine irgendwie geartete Relevanz besitzt, ganz egal was für Versionen ihrer selbst sie vermarkten… Das ist am Ende wohl nur meine eigenen Vorbehalte… Musik journalistisch war es dennoch ein sehr lesenswerten Eintrag von dir. Macht sich ja sonst kaum einer die Mühe, so ins Detail zu gehen…

    • Hehe, ja, danke sehr! Das kann schon sein mit We Are Scientists. Aber vielleicht hätten ja noch eine Relevanz oder Zukunft, wenn sie schon vor Jahren auf die Idee mit der alternativen Albumversionen gekommen wären. Denn als Dancerockband kann man sich ja nicht früh genug um seine Altersvorsorge kümmern.

  3. Ina Colmer sagt

    Dank dir wäre ich wahrscheinlich erst viel später auf „Vulnicura Strings“ gekommen. Die Viola Organista Version von „Black Lake“ ist der Wahnsinn, wie ich finde! Björk hat schon mal Songs klassisch variiert und zwar mit dem Brodsky Quartet („Hyperballad“ und „Unravel“ z.B.); das fiel mir insbesondere zu der „Strings“-Version von „Lionsong“ ein.
    Guter Artikel btw 🙂

  4. Vielen Dank für diesen spannenden Beitrag. Alter Liebe bedingungslos treu habe ich mich natürlich vor allem auf den Björk-Teil gestürzt. Bei Björk muss man immer mit allem rechnen – was allerdings leichter gesagt ist als getan. Selbst notorische Mitallemrechner werden wohl kaum mit einer Viola Organista gerechnet haben. 😉
    Bei aller Unberechenbarkeit ist Björk aber dennoch erstaunlich beständig. Man kann sich darauf verlassen, dass sie ihre Songs immer mal wieder kräftig umbaut. Das lässt sich offiziell mit der Live-Box nachprüfen – und inoffiziell mit dem Doppelalbum At The Chapel (mit dem Brodsky Quartet). Eine neue Version eines Albums ist bei ihr auch bestimmt nie ein bloßes Verwursten alter Inhalte. Da gibt’s immer einen deutlichen Mehrwert. Einer davon wird beim neuen Album diese unglaublich intensive Version von Black Lake sein.
    Es stimmt schon, mit der Beschränkung auf die Streicher verzichtet Björk auf ein weites Spektrum an klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten. Bei Björk ist dies aber keine Einschränkung, sondern eher ein kreativer Stimulus.
    Übrigens: Auch ich wäre ohne diesen Beitrag bis auf weiteres nicht auf die Fährte der ‚Vulnicura Strings‘ gekommen.

  5. Sich weiterentwickelnde Indie-Bands: New Model Army klangen ein gefühltes Jahrhundert lang sehr gleich. Eben nur jene geringen Nuancen erwachsener. dann kam die Katastrophe: Der Brand, der ihr Tonarchiv vernichtete – und DA platzte der Knoten. Plötzlich (im nun schon fortgeschrittenen Alter) klangen sie so dermaßen erweitert im Sound und in der Wahl der Einflüsse, wie nie zuvor. „Between dog and wolf“(2013)
    Der Geigen-Trick dagegen wird vor allem von Künstlern am Ende ihrer Schaffenskraft angewendet: Peter Gabriel : Scratch my back – nee, kiss my ass.

    • Geigen-Trick? Pøh! Frechheit, sowas… 😉
      Obwohl…es hat schon was. Irgendwann, wenn die Diskografie schon ein hübsches Stück in den zweistelligen Bereich vorgerückt ist, gibt’s ein orchestergepanzertes Remake alter Hits. Same old shit, only new wrapping?
      Nicht unbedingt. Bei Peter Gabriel (oder Joni Mitchell, die auch gegeigentrickst hat) ist ja ein massives Sinfonieorchester im Spiel. So ziemlich die aufwändigste Variante eines unplugged Klangteppichs. Da bleibt ein Jungspund naturgemäß außen vor. Dass der Geigen-Trick erst im fortgeschrittenen Künstleralter zum Zug kommt, wird also in erster Linie praktische Gründe haben.

    • Was für eine schöne Diskussion! Witzig, dass sich hier Indie- und Avantgardelager auftun. Ich denke, beide Punkte haben ihre Berechtigung. Es gibt natürlich diesen Geigentrick, mit klassischen Instrumenten aufgearbeitete Best-Of-Alben herauszugeben, die den angestaubten Hits verdienter Altstars ihre Alterswürde verleihen sollen.

      Aber Björks Neuerscheinung ist, glaube ich, weit entfernt von solchen Alben, denn es zeigt sich schon an den beiden Voraberscheinungen der künstlerische Eigenwert ihres Projekts. Wobei es schon wieder ein weiteres lustiges Spiel mit ihrem Unberechenbarkeitsstatus wäre, wenn sie einen solchen Schritt gehen würde.

      Vielen Dank auch für den Verweis auf die New Model Army, super Beispiel!

  6. Es liegt ja vielleicht daran, dass ich mit Björk-Mugge noch nie so recht konnte – aber mir fällt zu dieser Art Avantgarde automatisch noch der eine von den Walker-Brothers ein, der diese ungenießbar abgehobenen Klangkollage-Irgendwasse mit Anspruch-den-nur-er-noch-versteht abliefert. (Verzichte auf Schlagzeug und klopfe auf rohe Schweinesteaks usw.) Ächz. Im Feuilliton findet sich dann immer noch ein lobpreisender Schreiberling, der darin die intellektuelle Kritik an der Massentierhaltung zu erkennen glaubt, aber 14 Tage später ist das Ding dann gegessen und die armen Opfer, die drauf reinfielen, haben einen weiteren Datenkadaver im Archiv, der nie wieder angeklickt wird.

    • … während andere ein Schnitzel essend auf dem Robbie-Williams-Konzert stehen. Wirklich traurig ist es doch vor allem dann, wenn sich beide Welten voneinander abschotten und sich Künstler*innen die Frage stellen müssen, ob sie nun Kritiker- oder Publikumsliebling werden wollen.

      • Also. Wer Björks Musik nicht schätzt ist ein Ignorant. Und mit Ignoranten diskutiere ich nicht. Basta! (ach, wie herrlich einfach das Leben doch ist – schwarz/weiß auspunktschluss…)
        So. Und nachdem die juristischen Feinheiten schon mal geklärt sind noch eine kleine Zusatzbemerkung: Natürlich kann ich das verstehen, wenn jemand mit Björk nichts anfangen kann. Auf der anderen Seite ist es mir aber auch total unverständlich. Das ist nicht etwa ein Widerspruch. Das ist logisch. 🙂
        Und mit der hier geäußerten Avantgarde-Kritik ergeht es mir ähnlich. Dass irgendein unverdünnter Schwachsinn hinterher journalistisch schöngeschwafelt wird, kommt mir bekannt vor. Allerdings stellt sich für mich auch gleich die Frage: Was, bitteschön, hat das mit Björk zu tun?
        Interessanterweise passt solche Kritik nämlich immer und ausschließlich bei denjenigen Dingen besonders gut, die wir eh noch nie wirklich leiden konnten. Okay man kann eben Kunst von Krempel unterscheiden. Sofort. Untrüglich. Endgültig.
        Ich habe allerdings den Verdacht, dass vermeintlicher Schrott in vielen Fällen auf persönlicher Inkompatibilität beruht – und in der Konsequenz auf kaum vorhandener Bereitschaft, sich vertieft damit auseinanderzusetzen. Das heißt nicht, dass wir plötzlich alles mögen oder (akuten Brechreiz unterdrückend) alles zu verstehen versuchen müssen. Aber manchmal kann es sich, finde ich, schon lohnen einen zweiten (und dritten) Blick* zu riskieren…
        *Gibt es eigentlich ein akustisches Pendant zu ‚Blick‘?

  7. Nee, das richtig Schlimme ist, wenn solch pseudointellektueller Mist eines alt-hippiesken Drogenwracks mehr mediale Aufmerksamkeit findet, als die wirklichen Gesellschaftskritiken z.B. von Laibach oder K.I.Z. (um was brauchbares Aktuelles zu nennen, denn die seligen Zeiten von Danzer, Kunze, Acapulco Gold sind ja leider vorbei)

    • Wobei ja eigentlich noch viel schlimmer ist, dass das Schwein so oder so stirbt.

      Und K.I.Z. würde ich sogar als gutes Beispiel für eine Band betrachten, die sowohl bei Kritikern als auch bei einem eingeschworenen, aber sicher nicht kleinen Publikum ankommt, weil sie sowohl unangepasst sind als auch eine gesamtgesellschaftliche Relevanz haben. Ihre Entwicklung brauchte nur ein bisschen mehr Zeit, weil sie sehr bewusst anecken, aber wenn das keine medial durchleuchtete Band ist, weiß ich’s auch nicht.

  8. Ich verwehre mich dagegen, dass Joni Mitchell jemals mit Geigen „getrickst“ hat, das hat diese Dame gar nicht nötig. Ihre Alben mit Strings haben ihren ganz eigenen Charakter, genauso wie die Rockigen oder die Jazzbetonten. In 50 Jahren gab es da so viele unterschiedlich Phasen – und jede hatte ihre absolute Berechtigung! Björk habe ich von den frühesten Sugarcubes Zeiten an verfolgt und es gibt eigentlich nichts, was mir nicht gefällt von ihr. Auch sie hatte modischen Schnick-Schnack nie nötig. Relevanz hin oder her. Die anderen Bands sagen mir eher wenig. Über Geschmack lässt sich ja nicht streiten. Im allgemeinen ziehe ich es aber vor, Musik zu hören – reden sollen andere darüber… 😉

  9. 😉 Gelungene Headline! Erinnert das FS3 beinahe an die Bezeichnung „Spanisch unter Wasser“, wiewohl dies Konfusion verspricht – während hier sogar die Diskussionen und Leserbeiträge interessante, zusätzliche Aspekte und wachsende Klarheit vermitteln. Schön.

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