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Sextapes, Genderdebatte und Zensur

Rezension eines Sextapes?


Als Prominenter hat man es heutzutage wirklich nicht leicht: Da will man einfach nur Sex mit der Frau seines besten Freundes haben – und schwupps! – sechs Jahre später taucht ein Video davon im Internet auf und sorgt für einen Skandal, der Karriere und Privatleben ruiniert. So erging es Hulk Hogan, dem wohl bekanntesten Wrestler der Welt. Hogan (Terry Bollea) ist auf dem Video beim Sex mit Heather Clem, der Frau von „Bubba the Love Sponge“ zu sehen. Teile dieses Videos wurden im Mai 2012 auf der Online-Plattform Gawker veröffentlicht und Hogan klagte dagegen. Die sexuellen Handlungen waren aber nicht der Auslöser des großen Skandals, der dann erst 2015 entstand. Hogan wollte mit der Klage dafür sorgen, die Veröffentlichung des Sextapes zu verbieten und dadurch sein Image zu schützen. Ironischerweise ist es genau diese Klage, die dazu führte, dass weiteres Material an die Öffentlichkeit gelangte, das seinen Ruf noch weiter schädigte.

Skandalös war nämlich das, was der Hulkster verbal von sich gab, was aber nicht im veröffentlichten Videoausschnitt auf Gawker enthalten war. Hogan beschimpfte Afroamerikaner auf rassistische Weise und benutzte mehrfach das N-Wort. Die Transkription dieser Äußerungen lag dem Gericht vor, bei dem er Klage gegen Gawker eingereicht hatte, und gelangte von dort an den National Enquirer und RadarOnline, zwei Klatsch-und-Tratsch-Webseiten.

Die Äußerungen von Hogan sorgten für eine mediale Welle der Empörung und führten dazu, dass Hogans Arbeitgeber World Wrestling Entertainment (WWE) sich mit sofortiger Wirkung von ihm trennte. Doch nicht nur der aktuelle Vertrag zwischen WWE und Hogan wurde aufgelöst – viel interessanter ist der Versuch der WWE, sämtliche historischen Verbindungen zu ihrem einstigen Aushängeschild zu kappen.

Rewriting History

Hulk Hogan war jahrzehntelang das perfekte Maskottchen für das Unternehmen, das positive, strahlende Gesicht der Company in seinem gelb-roten Kostüm, muskelbepackt und braungebrannt. In Millionen Kinderzimmern hing er als Poster an der Wand und predigte im Fernsehen, dass man Vitamine zu sich nehmen und immer das richtige tun müsse. Das war in den 80er und 90er Jahren, als alles, was aus den USA kam, per se cool war. Dadurch konnte die WWE zu einem globalen Imperium heranwachsen. Heute genügt es im Wrestling-Business jedoch nicht mehr, im Ring und am Mikrofon gute Leistungen zu zeigen – auch das Privatleben muss makellos sein, denn jeder Fehltritt wird in den sozialen Medien in Sekundenschnelle weltweit verbreitet. Die WWE ist heute ein globales Medienunternehmen, das an der Börse gehandelt wird. Ein sauberes, positives Image ist daher überlebenswichtig. Eine Verbindung zu einem Rassisten ist geschäftsschädigend, da sie Investoren, Sponsoren und Werbepartner abschreckt. Es reicht daher nicht aus, die Zusammenarbeit mit Hulk Hogan in Gegenwart und Zukunft zu beenden, auch die Vergangenheit muss entsprechend angepasst, gesäubert werden.

Als unmittelbare Folge des Rassismus-Skandals löschte die WWE Hogans Profil und „sämtliche Erwähnungen von Hogan auf wwe.com“„. Nur noch indirekt kann man Videoausschnitte finden, in denen er zu sehen ist. Auch aus der Hall of Fame wurde er entfernt. Der größte Star in der Geschichte des Wrestlings hat quasi nie existiert. Die Geschichte wurde somit umgeschrieben. Wenn die Vergangenheit nachträglich geändert wird, verschwinden – so die Hoffnung – auch die Probleme der Gegenwart.

Solch ein Vorgehen ist zwar sehr bizarr und erinnert an das „Ministerium für Wahrheit“ aus Orwells 1984. Aber bei einer Wrestlingorganisation ist das durchaus verzeihlich. Es handelt sich um eine private Firma, die Unterhaltung anbietet. Wie sie sich in der Öffentlichkeit präsentiert, ist ihre Entscheidung. Wie jeder weiß, ist Wrestling eine Show, in der die Sieger der Matches im Vorfeld bestimmt werden. Die Storywriter können die Zukunft nach ihren Wünschen entwerfen. Da scheint es nur konsequent, dass sie auch die Vergangenheit manipulieren. Sie sind nicht verpflichtet, die Vergangenheit aufrichtig und unverzerrt darzustellen. Doch wie sieht es mit den öffentlich-rechtlichen Medien aus?

Frank Plasberg is running wild!

Darf eine Fernsehsendung aus einer Onlinemediathek gelöscht werden, nachdem sie ausgestrahlt wurde? Mit dieser Frage sahen sich die Verantwortlichen der ARD-Talkshow Hart aber fair konfrontiert. Die Sendung vom 2. März 2015 sorgte in der deutschen Medienwelt für einen Skandal. Zwar wurde der Moderator Frank Plasberg nicht aus der Hall of Fame entfernt, aber gelitten hat sein Image allemal. In der Sendung mit dem Titel „Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn?“sollte darüber diskutiert werden, wie der Stand der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in Deutschland ist, was dabei aktuell schief läuft und was geändert werden soll. Die geladenen Gäste waren die Autorin Anne Wizorek, Anton Hofreiter von den Grünen, die Publizistin Birgit Kelle, Wolfgang Kubicki von der FDP sowie Sophia Thomalla, die dabei war, weil sie auch eine Meinung zu dem Thema hat.

Die Zuschauerreaktionen während und nach der Sendung waren heftig. Es wurde nicht nur über die Inhalte und Argumente gestritten, sondern vor allem über die Form. Kritisiert wurde, dass die Themen nicht seriös genug behandelt und die falschen Gäste eingeladen wurden. Nicht nur einige der Talk-Gäste, sondern auch der Moderator und die Redaktion hätten das Thema ins Lächerliche gezogen und sich sexistisch geäußert. Ähnlich wie bei Hogans Sextape war diese erste Reaktion auf die Veröffentlichung rückblickend betrachtet aber das kleinere Übel. Der volle Skandal entfaltete sich erst, als das Video der Sendung im August aus der ARD-Mediathek entfernt wurde. Dies wurde als Zensur bzw. Selbstzensur wahrgenommen und der Aufschrei und das Entsetzen waren groß. Es wurde um die Presse- und Meinungsfreiheit gefürchtet. Schließlich war der Druck so groß, dass die Sendung wieder in die Mediathek gestellt wurde. Auf Youtube gab es ohnehin Kopien des Videos. Das Ganze war eine skurrile und ungeschickte Form des Krisenmanagements, aber damit hätte man es nun bewenden lassen können. Doch offenbar hatte man bei ARD bzw. WDR sich die Kritik sehr zu Herzen genommen.

Reenactment einer Talkshow

Der erste Fehler war, die Sendung aus der Mediathek zu entfernen und dadurch scheinbar zu zensieren. Anstatt die Sendung nun wieder freizugeben und eine Diskussion um den Inhalt zuzulassen, geschah nun der zweite Fehler: Sie wurde am 7. September 2015 wiederholt. Sie wurde aber nicht in der ursprünglichen Form erneut ausgestrahlt, sondern quasi neu aufgeführt. Ein Reenactment. Das gleich Thema sollte erneut, diesmal aber ernsthafter, diskutiert werden. Alles aus Anfang, Klappe die zweite!

Die schlechte Originalsendung sollte von einer verbesserten Version überschrieben werden, um den Zuschauern zu zeigen, dass man professionell sein kann und den Auftrag einer lebendigen öffentlichen Meinungsbildung ernst nimmt. Der Titel der Neuauflage klingt allerdings so, als wäre die Redaktion etwas eingeschnappt: „Der Gender-Streit: Was darf zu Mann und Frau gesagt werden?“.

Die Auswahl der Gäste stand, wie gesagt, in der Kritik. Die Konsequenz: Dieselben Gäste wurden erneut eingeladen! Erweitert wurde die Runde nur um Sybille Mattfeldt-Kloth, stellvertretende Vorsitzende des Landesfrauenrats Niedersachsen, der eine Programmbeschwerde eingereicht hatte, da er in der Originalfassung der Sendung die Gleichberechtigung nicht gegeben sah. Plasberg beschönigte die Neuauflage der Sendung als ein Fernsehexperiment. Ein solches Vorgehen ist beispiellos in der Geschichte der ARD. Aber was ist ein Eintrag in dieses Geschichtsbuch wert, wenn es nachträglich verändert werden kann? In Zukunft wird man sich fragen müssen: „Welche Version der Sendung sehe ich denn gerade? Die Originalfassung, den Director’s Cut oder die Version, in der Frank Plasbergs Texte von WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn geschrieben wurden?“

Kaum besser als die Originalversion

Die Neuauflage der Sendung war leider erneut eine Enttäuschung. Einzelne Versuche der Gäste, über das eigentlich Thema zu debattieren, wurden von Plasberg lange unterdrückt und stattdessen wurde auf der Metaebene die Struktur der ersten Sendung und das Vorgehen des WDR analysiert. Zu diesem Zweck war auch Jörg Schönenborn eingeladen. Eine gute halbe Stunde wurde über das Löschen der Sendung und die Kompetenz der eingeladenen Gäste gestritten. Die Sendung beschäftigte sich also mit dem Grund ihrer Existenz. Das Thema Gleichberechtigung der Geschlechter wurde hingegen inhaltlich kaum vorangebracht. Das ist symptomatisch für eine Debattenkultur, in der es nicht um Argumente für Positionen geht, sondern um die Form, die Fassade, die kosmetische Hülle, die den Zuschauern präsentiert wird. Mit dem Reenactment der Sendung sollte guter Wille gezeigt werden, sich einem wichtigen gesellschaftlichen Thema zu widmen. Es sollte zeigen, dass man sich wirklich bemüht. Vieles von dem, was die Talkgäste von sich gaben, waren allerdings bloße Meinungen und – wie so oft – Beispiele von Einzelfällen aus dem Bekanntenkreis, die als Beleg für dieses oder jenes herhalten mussten.

Die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten sollten weder skandalöse Meinungen zensieren noch eine misslungene Sendung neu produzieren. Sie sollen sich der Diskussion stellen, die eine ausgestrahlte Sendung auslöst. Wenn eine Äußerung politisch nicht korrekt ist, unbequem oder falsch, muss sie gerade deswegen weiterhin für die Öffentlichkeit abrufbar sein. Nur in der Diskussion kann sich dann zeigen, dass und warum eine Meinung richtig oder falsch ist. Das unterscheidet eine Talkshow im öffentlich-rechtlichen Fernsehen von Unterhaltungssendungen und Imagekampagnen.

Zensur im digitalen Zeitalter

Zensur gibt es schon solange, wie es Medien gibt. Durch die Digitalisierung ist sie aber heute viel bequemer durchführbar als im Analogzeitalter. Digitale Archive können mit einem Mausklick gelöscht werden, während Archive in Papierform mühsam geschwärzt, geschreddert oder verbrannt werden müssen. Digitale Suchanfragen können blockiert werden oder die Schlagworte zu einem Video entfernt werden. Dadurch wird es dann für die Internetbenutzer_innen unsichtbar. Der große Vorteil: Sobald sich die Empörung gelegt hat, kann das digitale Material einfach wieder freigeschaltet werden. Verbrannte Bücher lassen sich nicht ohne weiteres wiederherstellen.

Aber der Vorteil der digitalen Zensur ist gleichzeitig ihr größter Nachteil: Sobald ein Video einmal online veröffentlicht wurde, können weltweit auf beliebig vielen Computern Kopien davon existieren und im Umlauf sein. Das Recht auf Vergessen besteht theoretisch; praktisch durchsetzen lässt es sich kaum.

Genauso schnell wie ein Video im Internet geteilt werden kann, sind Leute mit Meinungen und Kommentaren zur Stelle. Aus dem Recht auf freie Meinungsäußerung folgt jedoch nicht die Pflicht, zu allem und immer seine Meinung zu äußern. Ein Shitstorm im Internet ist aus vielen Gründen problematisch, aber zu glauben, ein Shitstorm schade einer Fernsehsendung, ist naiv. Das Gegenteil wird bewirkt: Durch das gesteigerte mediale Interesse profitiert die Sendung davon, da mehr potentielle Zuschauer überhaupt auf sie aufmerksam werden. Wenn man die Redaktion einer Sendung tatsächlich abstrafen will, sollte man das einzige Mittel benutzen, das in der Logik der Medien etwas bewirken kann: Stille.

Im Wrestling kämpft üblicherweise ein Guter, ein Held, ein Publikumslieblinge gegen einen Bösen. Wenn der Gute vom Publikum bejubelt und der Böse ausgebuht wird, haben beide ihren Job gut gemacht. Totale Stille im Publikum ist die effektivste Methode, den Verantwortlichen zu zeigen, dass man mit der Show unzufrieden ist.

16 Kommentare

  1. Zu Deinem Fazit wusste Oscar Wilde schon: “There is only one thing in the world worse than being talked about, and that is not being talked about.”

    Die heutige Shitstorm-Kultur, in der sich immer sofort über alles extrem aufgeregt, und dann genauso schnell alles wieder vergessen wird, um sich dem nächsten Aufreger zuzuwenden, erzeugt keinen Mehrwert im Sinne eines Wandels der schnell angeprangerten Zustände. Es wird sich aufgeregt, aber daraus folgt keine Handlung – ein oberflächliches Verhalten. War früher das Problem, einen Missstand der Öffentlichkeit in ausreichendem Umfang bekannt zu machen, ist es heute, genug Leute lange genug bei der Stange zu halten, um den Missstand tatsächlich zu beseitigen.

    • anuka93 sagt

      Während man früher sich beim Kafeeklatsch aufgeregt hat, regt man sich nun im Internet auf. Die Shitstorms sind auch nicht anders zu bewerten, dass mitreden ist nur einfacher geworden. Die Kurzlebigkeit von Aufmerksamkeit ist kein neues Problem. Wie in diesem Artikel klar wird, sollte das ganze nicht zu ernst genommen werden und man sollte zu seinen Fehlern stehen. Letztendlich werden die Remakes und Manipulationen auch nur schnell vergessen. Das wichtigste sind immer noch neue Inhalte. Gerade von neuen Inhalten, schöner Artikel.

  2. Interessanter Artikel.
    Leider wurde hier der Begriff der Zensur falsch verwendet. Zensur geht immer vom Staat aus – was hier beschrieben wurde, ist meiner Ansicht nach eher als „Manipulation“, „Silencing“, „Vertuschung“ oder auch „Retouche“ zu bezeichnen.
    Es ist wichtig zu themaisieren, das bestimmte Dinge verzerrt werden und so manipuliert werden, das bestimmte Inhalte, Meinungen, Aussagen nicht mehr zugänglich sind – aber es ist genauso wichtig anzuerkennen, dass Zensur etwas anderes ist.

    • Interessanter Kommentar. Aber was spricht dafür, Zensur auf staatliche Informationskontrolle zu limitieren? Es gab schon vor der Nationalstaatsbewegung Zensur von Machthabern, bspw. durch die Kirche. Und das Internet scheint Informationen wieder zu entstaatlichen. Die Informations-Macht verschiebt sich wieder. Müsste der Zensur-Begriff nicht mitziehen?

      • Mir kommt es sogar so vor, als würde die Selbstzensur, die viele Medien inzwischen ausüben („das können wir so nicht schreiben, denn das würde uns Anzeigengelder kosten“), ganz gut in der Lage sein, die staatliche Zensur zu ersetzen. Kein Staat zwingt Facebook, nackte Brüste zu zensieren. Das tun sie ganz von allein.

      • Interessante Idee – allerdings ist das Internet ja kein kontextloser (im Sinne von „machtfreier“) Raum. Über allem schwebt der Staat und erst darunter kommen die Einflussbereiche von Informationsmachtmachern (also Konzernen wie dem Wrestlingdings oder die Fernsehsender etc).
        Wenn man diesen Instanzen die gleiche Macht wie dem Staat zu sprechen möchte, dann müsste man ihnen die gleichen Pflichten zusprechen und sie entsprechend in die Verantwortung zur Erfüllung nehmen. Klar, was dann los wäre, oder?

  3. Ist, um von Zensur sprechen zu können, nicht hauptsächlich die Macht zu beachten, über die derjenige verfügt, der über den Zugang zu Informationen oder Wissen entscheidet. Wenn ein Staat, eine Kirche, eine gesellschaftliche Gruppe oder ein Unternehmen diese Macht hat, dann kann Zensur ausgeübt werden.

    • Kirche gesellschaftliche Gruppen oder Unternehmen haben aber weder den umfassenden Einfluss, noch die Pflichten, die der Staat hat – deshalb halte ich es für wichtig, das auch mittels exklusiver Sprache für staatliches Agieren zu trennen

      • Wenn ich mich recht entsinne, hat die deutsche Regierung ein Interesse daran gezeigt, dass Facebook rechtsextreme Posts entfernt, aber mehr als ein eindringliches Gespräch des Innenministers mit Unternehmensmitarbeitern, die zwar interessiert, aber nicht wirklich beeindruckt wirkten, ist nicht dabei herumgekommen. Nein, es ist kein machtfreier Raum, aber wer hat denn die Macht? Politiker, die alle vier Jahre eine Wahl gewinnen müssen? Oder Milliardenunternehmen, denen es ein Leichtes wäre, Informationen zu verschweigen? Dass der Staat in Fragen der Informationsgewalt über dem Internet steht, ist rechtlich natürlich so geregelt, aber seh‘ ich in der Praxis irgendwie nicht.

  4. Hinweis zu Hogan: Nicht nur das Sextape mit Clem, sondern auch das immer wiederkehrende Benützen des Wortes Nigger hat ihn letztendlich seinen Vertrag mit der WWE gekostet.

  5. Nikklaus sagt

    Ich finde dieser Beitrag ist Dir/ Euch gut gelungen! Und ich habe aber auch noch eine kleine Verbesserungsmöglichkeit einzufügen. Es ist eine Kritik, am wahrscheinlichsten wichtigsten Medium in Deutschland und Europa. Die Dimension des Ganzen ist auch durch die Einleitung sehr gut verständlich gewesen… Die Kritik selbst ist aber oberflächlich geblieben – es ist zwar schon gefährlich, dass man als Kritiker in Propaganda abgleitet – auch weil es hier um Gefühle und andere menschliche Attitüden dreht! Die Kritik sollte also, auch wenns mal ungemütlich ist, weil es auch von der Persönlichkeit des Kritikers viel Preis geben kann, die fokusierte Person(-en), die Disskusion und ihre Lüge bzw. eine jeweilige Aussage die sich als unsesibel, unwahr oder auch diplomatisch überdimensioniert und schlecht kalkuliert angesehen werden soll, direkt ausfällen. Klar hier geht es auch um Recherche und vielleicht hat man auch nicht die Möglichkeiten die Hintergründe weiter aufzuzeigen, dass darf dann aber auch entsprechend vermerkt werden.
    Die für uns störende Inhalte einer gesellschaftlichen in der Öffentlichkeit geführten Diskussion, beinhalten nicht alle Meinungen, die Gäste wurden ja schon vorher wegen einer ungefähren Position für die Sendung ausgewählt – das interessante ist dann das Streitgespräch mit den anderen Teilnehmern – Dinge wie eine offensichtliche Lüge, werden dann zu Sprengstoff, und wer soll diese eigentlich für die Zuschauer, die ja eine hier Meinung dazu haben oder die sich bilden sollen, einen Kern des Sachverhalts (Gefühle, Glaubwürdigkeit) ansprechen?! Der Moderator oder doch besser ein Widersacher? Der Zuschauer ist unbeteiligter Dritter, also Passiv dabei, auch wenn man ja heute Kommentare ins Studio schicken kann (was mich persönlich aber nicht anspricht), diese Bestandteile stellen aber das wesentliche Merkmal zur Qualität einer Sendung und über die Disskusion dar bzw. her.
    Irgendwie wirken solche Sendungen manchmal einfach iwe Kleber, wer dazu keine eigene Meinung hat, aber eine engagierte Person oder Wähler oder einfach, wie soll man das am besten Beschreiben – Neorotiker ist, der sucht sich seinen Standpunkt über diese Diskussionen aus. Normalerweise vergisst man dass dann schnell wieder, ausser es wird wieder aufgekocht – dieser Abschluss wäre jetzt doch ein passendes kritisches Fazit für die Vorgehensweise der Programmverantwortlichen! Lieb grüsst, Nikklaus

  6. Vielen Dank für eure Kommentare!
    Man kann darüber streiten, ob Zensur der passende Begriff für das Vorgehen vom WDR war. Wichtig ist mir aber, dass Teile der Öffentlichkeit es als Zensur wahrgenommen haben, als die Sendung vorzeitig aus der Mediathek genommen wurde. Das ist für eine Sendung, die sich als aufgeklärte politische Talkshow darstellt, ein heftiger Schlag. Interessant dabei ist, dass eine Aktion, mit der (mutmaßlich) das Image geschützt werden sollte, genau das Gegenteil bewirkte.
    Und auch der Spruch „Bad Publicity is better than no publicity“ hat sich bewahrheitet: Ich habe seit Jahren keine Sendung von Hart aber fair angeschaut, aber durch den „Skandal“ bin ich wieder darauf aufmerksam geworden und habe zumindest zwei Sendungen ganz gesehen.

  7. Die Bücher von Akif Pirinçci sind seit seiner Pegida-Rede nicht mehr bei Amazon, dem größten Buchhändler der Welt erhältlich (während man gleichzeitig noch Nazi-Devotionalien und -literatur an die Haustür geliefert bekommt). Das ist auch so ein Beispiel für die halbherzige, rein auf Aktionismus und vorauseilenden Gehorsam gerichtete Wirtschaftszensur.

    • Danke für deinen Kommentar. Ja, das ist ein interessantes Beispiel. Durch seine menschenverachtenden Ausfälle ist Pirinçci für seinen Verlag und Buchhandel natürlich untragbar geworden. Und das hat dann auch Auswirkungen auf seine bereits Jahrzehnte zuvor veröffentlichten Kriminalromane, obwohl die ja unmittelbar nichts mit seiner politischen Einstellung zu tun haben müssen.
      Ärgerlich finde ich Aktionismus/Zensur immer dann, wenn jemand suggeriert, damit ein Problem gelöst zu haben. Man kann und soll z.B. Hakenkreuze als Symbol verbieten. Aber die Ideologie, für die das Symbol steht, ist damit ja nicht aus der Welt geschafft. Sie ist nur weniger sichtbar, aber nicht weniger gefährlich.

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