Artikel, Literatur
Kommentare 25

Vom Nichts Schreiben und Alles Sagen

Die Gegenüberstellung von entspannender Alltagsliteratur und intellektueller Stimulans wurde hier an anderer Stelle bereits thematisiert. Und ich möchte diese Unterscheidung wieder aufgreifen. Denn ich lese gern „schwierige Bücher“. Neben meinem persönlichen Outing an dieser Stelle, möchte ich gleich noch etwas anderes enttarnen. Ich glaube, dass nicht gerade besonders wortreiche und verschnörkelte Texte der „bedeutungs-schaffenden Tätigkeit“ gerecht werden, die ja den besonderen Gehalt literarischer Werke ausmacht, sondern ganz andere.


Ob Beckett, Bernhard oder Kafka, ich liebe das oft wortkarge Dickicht dieser Autoren. Es ist erstaunlich, wie schmucklos und aufs Nötigste beschränkt eine Geschichte oder Erzählung dieser Autoren daherkommen kann, ohne dass ich mich auch nur im Entferntesten langweile. Was diese Texte auszeichnet, was sie „schwierig“ macht, ist die Art wie sie geschrieben sind. Man liest nicht nur das geschriebene Wort, sondern auch alle diejenigen, die zwischen den Zeilen stehen. Je kompakter und reduzierter ein Text ist, umso mehr passt dazwischen. Und das ist es, was für mich den Reiz des Lesens ausmacht. Ich will mich verlieren. Und zwar nicht in den parallel laufenden Szenen und endlosen Sätzen eines Musils, sondern in den Bildern und Vorstellungen meines eigenen Geistes, die genau dann zum Vorschein kommen, wenn einige wenige Worte sie hervorlocken und ihnen ihren Freiraum lassen.

Wer spricht?

Ich erinnere mich noch genau, wie ich einmal in der Schule ein freiwilliges Referat zu Kafkas „Die Brücke“ hielt. Diese Geschichte hatte mich dermaßen gepackt, dass ich der Meinung war, ich müsste dieses Kleinod der Weltliteratur auch allen meinen Mitschülern nahe bringen. Meine Deutschlehrerin war glücklich, wenigstens eine Schülerin zu haben, die gern las. Meine Mitschülerinnen gaben sich unbeeindruckt. Leider. Denn sie verstanden nicht, welche Großartigkeit ihnen entging. Ein Versicherungsangestellter, der sein tägliches Brot mit dem Bewerten von Schadensfolgen und detaillierten Beschreibungen von Hobelmaschinen verdiente und zu Hause die tiefsten Skizzen der menschlichen Seele mit seinem Füller einfing.

„Ich war steif und kalt, ich war eine Brücke, über einem Abgrund lag ich. Diesseits waren die Fußspitzen, jenseits die Hände eingebohrt, in bröckelndem Lehm habe ich mich festgebissen. Die Schöße meines Rockes wehten zu meinen Seiten. In der Tiefe lärmte der eisige Forellenbach.“ (Kafka 1916/1917, Die Brücke)

Die Brücke lebt nicht lang. Jemand kommt und springt „mit beiden Füßen mir mitten auf den Leib“. Also nicht mir, sondern der Brücke, vielleicht Kafka…? Ein unbarmherziges Ende, denn ich/er/es dürfen nicht einmal erfahren, wer da überhaupt springt und die Existenz zerstört. Gerade als sich die Brücke im Fallen umdrehen will, ist sie nicht mehr, „und schon war ich zerrissen und aufgespießt“. Was diese Geschichte ebenso gnadenlos wie zärtlich macht, ist die unklare Position des Erzählers. Man weiß nicht genau, wer eigentlich spricht. Ist es der Autor, dem man beim Denken oder Träumen zuhört? Oder sind es die Gedanken und Bilder selbst, die sich der Sprache der Schreibenden ermächtigen und sich ihren Weg in die Wirklichkeit bahnen. Ausgeliefert sind nicht nur Schreiber und Protagonisten, sondern auch der Leser.

Nicht Herr im eigenen Haus

„Sie kleideten mich und gaben mir Geld. Ich wußte wozu das Geld dienen sollte, es sollte dazu dienen mir auf die Beine zu helfen. Sobald ich es ausgegeben hätte, müßte ich mir neues beschaffen, wenn ich weitermachen wollte.[…]Die Kleider – Schuhe, Socken, Hose, Hemd, Rock und Hut – waren nicht neu, der Tote mußte aber ungefähr meine Figur gehabt haben.“

(Beckett 1947-1952, Das Ende)

In diesen ersten Beckett`schen Sätzen der Kurzgeschichte „Das Ende“ befindet sich bereits das ganze Schicksal des Protagonisten (Die Deutung bleibt an dieser Stelle jedem Leser selbst überlassen.). Becketts Erzählungen und Texte um Nichts verleihen gerade dem Unsagbaren Ausdruck. Die einfache Sprache und ereignislosen Szenen geben dem Erzähler die Möglichkeit, seine monolog-artigen Lebensbeschreibungen in einer Direktheit zu schildern, die den Leser mitten ins Geschehen werfen. Man ist unmittelbar betroffen. Von den Widersprüchen, den Zweifeln und der scheinbaren weltlichen Nicht-Relevanz des erzählenden Individuums. Es geschieht fast nichts, bis auf das bloße Dasein und reflektieren dieses Daseins der Erzählfigur.

Ausgeliefert-Sein und mit-sich-geschehen-lassen sind die treibenden Motive in Becketts und Kafkas Geschichten. Man hat die Kontrolle verloren, man ist nicht Herr im eigenen Haus. Und genau das ist die bezaubernde Kraft von guten/„schwierigen“ Texten. Der Text macht etwas mit einem, er lässt einen manchmal einfach so da stehen. Was diese Texte gemein haben, ist, dass sie nicht für ein Publikum geschrieben wurden. Ich stelle mir das gern vor und unterstelle diese Haltung einfach den Autoren: Sie schrieben, weil sie etwas sagen wollten, weil „etwas raus musste“, ganz gleich, wer oder ob diese Zeilen jemals jemand liest. Das macht die Texte so wunderbar intim und unmittelbar.

Warum Schreiben, warum Lesen?

Ich denke der Anspruch, mit dem diese Texte gelesen werden müssen, liegt darin, nicht wie ein Wanderer daherzukommen und nach etwas bestimmten zu suchen, ja es sogar mit der Eisenspitze des Stockes zu beklopfen und die Rockschöße hoch zu heben, um zu sehen, was da runter steckt und es auf seine Nützlichkeit hin zu prüfen. Man muss sich einlassen und Angreifbar machen. Man muss die Gedanken eines anderen denken, um bei sich selbst anzukommen. Das ist „schwierig“ und anstrengend, aber auch verdammt schön.

Damit Thomas Bernhard hier noch gebührend erwähnt wird, lasse ich ihn selbst sprechen:

„ich schreibe eine Zeile, seit wie vielen Wochen habe ich keine Zeile mehr geschrieben?, es ist unwichtig, ob ein Mensch schreibt, was er schreibt, ich sage mir immer wieder vor, wie unwichtig es ist, erbärmlich, unanständig, aber diese Zeile ließe sich fortsetzen, entwickeln, zu einem Gedicht machen, zu einem Fetzen, einem …

(Bernhard 1959, In der Höhe, Rettungsversuche Unsinn)

25 Kommentare

  1. Leerstellen können doch nur dann bedeutsam werden, wenn ich sie auffüllen kann, wenn ich das Buch mit meinen Erfahrungen und Gedanken ergänze. Welches Buch das ist, ob das ein eher karger Text oder die blumige Sprache Hermann Hesses ist, spielt dafür eigentlich keine Rolle – was kein Urteil über die literarische Qualität Hesses oder Bernhards sein soll. Es kann ein Satz sein, eine Episode, eine Stimmung… und dann war der Text es wert, gelesen zu werden.

  2. Lieber Manfred, du hast natürlich recht, dass auch besonders wortreiche und blumige Texte dem Leser die Möglickeit bieten, sich hineinzufühlen. Aber ich bin der Meinung, aus meiner persönlichen Leseerfahrung heraus, die sicherlich beschränkt ist, dass eben gerade dieses Weglassen und Herunterbrechen auf eine simple Sprache ein Hineinfühlen etwas schwieriger macht. Aber eben auch intensiver, weil man „seinen Teil“ als Leser dazubeitragen muss. Das Verschwimmen von Autor und Erzähler tragen noch dazu bei, dass der Leser erst einmal vor einer „Aufgabe“ steht, sich dem Text zu öffnen, weil es unklar bleibt, was denn nun der „eigenen Teil“ ist, den der Leser beisteuern muss/kann. LG

    • ich kann beide positionen nachvollziehen, kenne beide aus erfahrung. frage: könnte der leserInnenbeitrag beim „barocken“ stil nicht darin liegen, bewusst – mit dem mut zur lücke – zu selektieren?

  3. Ich erinnere mich, während der Bewerbungsphase zu einem Studium habe ich mich dem Experiment gestellt Kafkas gesammelte Werke in einem Zug durchzulesen. Ich hatte auch vorher schon Geschichten/Bücher von Kafka gelesen und hatte daher eine ungefähre Idee, auf was ich mich da einlasse, aber dieser „Marathon“ hat mir dann zugegebenermaßen doch das Hirn recht verschwurbelt ^^. Ja, es war stellenweise wirklich anstrengend, die Gedankenwelt von Kafka war eben doch zugleich skurril und abstrakt und andererseits sachlich, „staubtrocken“ (in Ermangelung eines besseren Wortes) eine düstere, surrealistische Gedankenwelt, auf die man sich da einlässt. Das geht nicht ohne Auswirkung an einem vorüber. Und das liebe ich an Kafka, das einen das so in seine Welt hineinzieht und einem dabei selbst den Spiegel vorhält.

    Ansonsten lese ich aber auch sehr gerne weniger „schwere“ Kost, vor allem in Zeiten von Stress begebe ich mich lieber in die relative warme Gedankenwelt von Pratchett, die zwar sicher auch ihre düsteren Seiten hat, auch Einblicke in die Menschliche Natur gewährt und durchaus zum Nachdenken anregen kann, aber im Großen und Ganzen eher positiv und emotional stützend wirkt.

    „Schwere Kost“ dafür muss ich in der richtigen Stimmung sein, von vorneherein eher nachdenklich und reflektierend, dann geht auch „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus runter wie Öl, während ich in stressigen Zeiten wohl nicht die Geduld dafür hätte.

    • Liebe ninahagn, ich bin mit deiner Kafka Leseefahrung total einverstanden. Ich habe zwar nie versucht alles in einem Rutsch zu konsumieren, aber ich glaube auch die Texte können fast nur in kleineren Happen verdaut werden. Daher finde ich auch die Form der Erzählung bzw. Kurzgeschichte am reizvollsten. Man wird jedenfalls bei Kafka nie sanft in eine Geschichte eingeführt, sondern steht mit dem ersten Satz schon mittendrin. So bekommen die surrealen und absurden Szenen etwas realistisches in ihrer Form. Denn ins Leben ist man ja auch immer schon hineingeworfen.

      • Das stimmt allerdings, da gibts nicht die übliche An-/Hinleitung, da ist man wirklich gleich mittendrin 🙂
        Naja, hab natürlich zwischen den Geschichten schon auch Pausen gemacht (anders wärs wohl kaum gegangen) das dauerte schon ne Weile ^^

  4. ‚Schwere/leichte Kost‘ … ist relativ. Und zwar schon allein von der Situationsabhängigkeit und der jeweiligen ‚Zugangsfähigkeit‘ sowohl des schreibenden als auch des lesenden Menschen. Beabsichtigt konstruierte Kompliziertheit ist ein Beispiel schlechthin. Extrem interessant, einen solchen Schleier zu heben und doch nur temporär mehr oder weniger zugänglich.
    Hier poste ich mal ein eigenes Gedicht (vor zehn Jahren geschrieben), das oberflächlich gelesen ‚fast lieblich’daherkommt, ‚unterflächlich‘ völlig anders wirken kann :

    Dichtersmensch

    Worte können sein wie Hülsen
    die tragen der Geschosse Macht
    sie töten nicht – sie fliegen nur
    Gedankenlyriks Zauberkraft

    wenn reimen kannst
    du Dichtersmensch
    fernab vom Wortgeplapper
    kehrst Inhalt aus vor Leserschaft
    Gelassenheits gebibbert Kraft

    hast rausgedreht dein Innerstes
    fernab vom Volksgedudel
    Gedachtes zu Papier gebracht
    mit Hoffnung auf Erlesers Kraft
    für jeden nicht das Gelb vom Ei
    für manchen gar am Them´ vorbei

    und reflektierst doch subjektiv
    aus deiner Sicht die `Dinge ´
    je spitzer deine Feder ist
    je deutlicher die Zwischensinne

    für Lesers Fantasie und Denken
    Einmaligkeits Empfinden teilen
    mit dem der’s schreibt
    und dem der´s liest
    verbindet’s flügelstarke Federn
    verwischte Leichtigkeit des Seins
    ist Dichtermenschens Aufbegehren

    mit Leichtigkeit manchmal erbracht
    mit Schwere dann erfahren

  5. Pete J. Probe sagt

    Ich will meinen Beitrag in diesem Rahmen auf das für mich Wesentliche reduzieren:
    Der Volksmund sagt schon `In der Kürze liegt die Würze´. So kann zum Beispiel ein weiser (lebenserfahrener) Spruch mehr aussagen, als ein ganzes Buch.
    Beim Schreiben unterscheide ich mal das `wie´ und das `was´. Das Wie sind die Worte. Das Was sind die Inhalte. Nun liegt für mich die Kunst des Schriebens darin, mit möglichst wenigen treffenden Worten inhaltlich möglichst viel auszusagen, d. h. im Umkehrschluss, dass ein `Schreiber´ mit ganz vielen Worten so viel wie nichts aussagen kann, man spricht ja auch nicht umsonst von `leeren Worten´.
    Für den Leser ist es insofern wichtig, dass er zwischen den Zeilen (bzw. Worten) zu lesen vermag.
    Was es da zu lesen gibt sind aber keine Worte. Es sind Gefühle, die sich dahinter verbergen. Damit schließe ich meinen Kommentar mit dem Satz:
    `Texte können nur treffen, wenn sie auch gefühlt werden können!´
    Florence, du hast mich mit deinem Artikel zum richtigen Zeitpunkt zu diesen sehr persönlichen Gedanken inspiriert, die ich ganz aus dem Bauch heraus hier eingetragen habe, ohne mich auf Autoren zu beziehen.
    Vielen Dank!
    Pete J. Probe

  6. „Ich denke der Anspruch, mit dem diese Texte gelesen werden müssen, liegt darin, nicht wie ein Wanderer daherzukommen und nach etwas bestimmten zu suchen, ja es sogar mit der Eisenspitze des Stockes zu beklopfen und die Rockschöße hoch zu heben, um zu sehen, was da runter steckt und es auf seine Nützlichkeit hin zu prüfen.“

    Sag diese zurückhaltend ausgesprochene Wahrheit mal all den Deutschlehrern und Literaturprofessoren, die mir das Literaturwissenschaftsstudium vergällt haben… die waren total heiß darauf, mit der kalten Hand der Analyse unter die Rockschöße aller möglichen Werke zu greifen…

    • Grausig. Aber in gewissem Maß sind das die grausigen Grundlagen, die man _auch_ kennen muss, um sie dann zu überflügeln und so einen Text wirklich begreifen zu können. (Manchmal jedenfalls.)

  7. Musil zeichnet sich für mich nicht durch verschachtelte Sätze aus. Es gibt mit den „Vereinigungen“ vor allem natürlich durchaus fiese Werke, aber insgesamt ist er ziemlich präzise in den Sätzen (Beispiel „Die Amsel“). Natürlich ist der naturwissenschaftliche Einfluss in seinen teilweise hochartifiziell durchgearbeiteten Texten schon spürbar und macht das Lesen nicht immer leicht, aber satztechnisch gut lesbar finde ich ihn schon. Was dahinter steckt ist natürlich immer die andere Frage. 🙂

    Ja, und damit zu deinem Artikel: Schön! Gerade Kafka hat neben den düsteren Inhalten seiner Geschichten immer einen großartig naiv-kahlen Stil, der aber voller Nuancen und auch Liebenswürdigkeiten ist. Es gibt viel zu entdecken, immer wieder.

  8. Varé, vielen lieben Dank. Ich freue mich, wenn meine Gedanken, auch andere zum Denken anregen. Kafka ist für mich wegen seines Stils einfach so unglaublich zeitlos, dass ich ihn wohl immer werde lesen können…

    • „Zeitlos“, ein ziemlich oft gebrauchter Begriff, ist bei Kafka wirklich angebracht. Obwohl er sehr viele zeitgenössische Elemente aus etwa der Beamtenliteratur (siehe etwa R. Walser) oder des aufkommenden Kinos entnommen hat, hat er etwas ganz Eigenes, Mystisches, Anthropologisches, Fantastisches gemacht. Gerade in seinen seltsam abgeschiedenen Fabeln. Ja, sehr wunderbar, der liebe Kafka. Muss ich auch mal wieder lesen. Kleiner Tipp, falls noch nicht gelesen: „In der Loge“ – urkomisch.

  9. Es gibt so viele Arten zu schreiben. Auch das Blumige kann sehr klar sein und das Schlichte/Dichte sehr unklar. Wichtig ist es, wie die Worte treffen. Ob sie präzise etwas Spezielles/ Persönliches beschreiben oder Klischees bedient werden. Oder andersherum gesagt: Klischees findet man häufig in blumiger, aber auch in reduzierter Sprache. Mir persönlich liegt Kafka näher als Hesse. Einer meiner Lieblingsschriftsteller ist Heimito von Doderer. Der ist leicht zu lesen und schwer zu verstehen. Und umgekehrt!

  10. Ich weiß nicht warum. Als Handwerker wenig, eher überhaupt nicht belesen. Im Abendgymnasium bin ich zufällig auf Kafka gestoßen. Von da an hat es/er mich nicht mehr losgelassen. Wie oft habe ich schon alles zum wie-vielten-mal gelesen. Es/er ist immer wieder neu. Immer wieder neue Gedanken werden angeregt. Manchmal muss man den Kafka im Kopf regelrecht abstellen. Er/es wirkt.

  11. Pingback: Leerstellen in der Musik: Der Turbostaat-Code | postmondän

  12. „Ich denke der Anspruch, mit dem diese Texte gelesen werden müssen, liegt darin, nicht wie ein Wanderer daherzukommen und nach etwas bestimmten zu suchen, ja es sogar mit der Eisenspitze des Stockes zu beklopfen und die Rockschöße hoch zu heben, um zu sehen, was da runter steckt und es auf seine Nützlichkeit hin zu prüfen.“
    Das ist wohl eher ein Besichtiger, oder? Wenn ich wandere, tue ich das mit offenen Augen und Ohren, um Neues in der Welt zu entdecken.

  13. „Was diese Texte auszeichnet, was sie „schwierig“ macht, ist, die Art, wie sie geschrieben sind. Man liest nicht nur das geschriebene Wort, sondern auch alle diejenigen, die zwischen den Zeilen stehen. Je kompakter und reduzierter ein Text ist, umso mehr passt dazwischen. Und das ist es, was für mich den Reiz des Lesens ausmacht.“

    Treffend in Worte gefasst. Selbsterklärende Texte langweilen mich schnell. Ich möchte, dass mir als Leserin etwas zugetraut wird, will keine Pointen erklärt und keine Tiefen beschrieben bekommen.

    „Was der Leser auch kann, das überlaß dem Leser.“ (Wittgenstein)

    Unverständlich bleibt mir hingegen, wieso bzw. inwiefern Sie Kafkas „BRücke“ als zugleich gandennlos und zärtlich erachten. Zärtlichkeit kann ich hier nicht entdecken.

    • Liebe tikerscherk, vielen Dank für das Wittgenstein Zitat, sehr passend 😉 Die Zärtlichkeit verorte ich nicht im Geschehen der Geschichte, sondern in der Tatsache, dass Kafka hier überhaupt jemanden/etwas zu Wort kommen lässt, der/das anscheinend sonst „einsam“, unbeachtet, ungehört bliebe. Dass diesem vermeintliche Ding, der Brücke, überhaupt eine Existenz zugesprochen wird, die bedroht ist und wessen sie sich mehr oder weniger bewusst wird. Aber vielleicht ist das auch alles zu viel Gerede und mein subjektives Empfinden, dass diese Erzählung eine Art Zärtlichkeit birgt, lässt sich gar nicht so gut begründen. LG

  14. Die drei genannten Autoren gehören zu meiner Lieblingslektüre. Speziell zu Kafka greife ich immer wieder. Alle Romane habe ich in verschiedenen Phasen meines Lebens immer wieder neu entdeckt. Ich stöbere aber auch gerne in den Tagebüchern oder den Oktavheften. Bernhard liebe ich und finde ihn überhaupt nicht schwierig, wenn man sich erstmal auf seinen Stil eingelassen hat. Die Texte von ihm selbst gelesen sind ein besonderes Erlebnis. Von Beckett mag ich besonders die Theaterstücke – ganz großes Kino! Er wird leider viel zu selten gespielt an den Bühnen hierzulande…

  15. MintAndCopper sagt

    Ein toller Beitrag! Interessant find eich bei Beckett immer, dass er einer der vielschichtigsten Autoren der Moderne ist, dessen Stücke so viele Meta-Ebenen enthalten – und er selber von solchen Interpretationen gar nichts hielt. Ich schreibe meine Masterarbeit zum Thema „The Influence of War Experience Mirrored in Beckett’s Literature“ und suche im Moment immer wieder nach inspirierenden Literaturkommentaren. Sozusagen um aus der eigenen, kleinen Leserwelt auszubrechen, viele können ja mit Beckett, Kafka etc. nicht viel anfangen, da ist der Diskurs mit Freunden und Kollegen kaum möglich. Freue mich sehr, über diesen Blog gestolpert zu sein :)!

  16. Pingback: Unsichtbare Mächte und die Macht des Unsichtbaren in Steven Spielbergs Filmen und Franz Kafkas Prosa | postmondän

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.