Der Zorn der Filmkritik: Pixels (2015)

„Der Zorn der Filmkritik“ ist eine Serie, die sich mit besonders vernichtenden Filmkritiken beschäftigt. Dieses Mal: Adam Sandlers neuer Blockbuster „Pixels (2015)“


Pixels (2015)

Pixels ist eine Sci-Fi Komödie, welche sich Videospiel Memorabilia aus den 80er Jahren zum Thema macht.

Trailer:

Im Jahre 1982 schickt die NASA eine Zeitkapsel ins Weltall, um möglicherweise mit außerirdischen Lebensformen in Kontakt zu treten. Schließlich erreicht diese Zeitkapsel auch eine Alienrasse, die jedoch von den enthaltenen Videospielausschnitten ziemlich irritiert ist und die Botschaft als Kriegserklärung auffasst. In der Gegenwart tauchen nun auf einmal riesige Verkörperungen von PacMan, Donkeykong & Co auf und greifen die Erde an. Glücklicherweise hat der Präsident der USA (Kevin James) einen alten Freund aus seiner wilden Arcadejugend, der als ehemaliger Videospielchampion quasi prädestiniert ist, die Welt zu retten. Sam Brenner (Adam Sandler) wird somit, als Kopf einer Task Force (Josh Gad, Peter Dinklage und Michelle Monaghan), damit beauftragt, die Karre aus dem Dreck zu ziehen. Bald stellt sich heraus, dass die Aliens die Videospielverkörperungen als eine Art Herausforderung auf die Erde geschickt haben, welche die ungleiche Gruppe bewältigen muss.

Sandler, der nicht nur als Hauptdarsteller, sondern auch als Produzent am Film beteiligt ist, spielt seine typische Rolle: ein in die Jahre gekommenes Riesenbaby, das mitten in seiner „Ich bin ein totaler Versager“-Midlifecrisis nun auf unerwartete Weise doch noch mal seine speziellen Qualitäten unter Beweis stellen kann. Dass Pixels tatsächlich durch und durch ein Adam-Sandler-Film ist, wird durch ziemlich flache Gags (Highlights sind tatsächlich Witze der Form: „Ach guck mal, den kenn ich doch! PacMan! Und er ist böse. Haha! Jetzt hat er seinem Erfinder die Hand abgebissen!“; siehe Trailer) und mehr als fragwürdige Frauenrollen (eine Schönheit wird im Film sprichwörtlich zur Trophäe…) klar. Visuell bombardiert Pixels mit einer Fülle von 3D-optimierten Szenen und passt sich damit einem gewissen Hollywoodtrend an, der nach der Maxime: „Wer braucht schon starke Figuren oder ein solides Plot-Developement, wenn wir CGI haben?“, operiert.

Die Einspielergebnisse der ersten Woche waren dennoch zufriedenstellend. Mit einem weltweiten Umsatz von über 108 Millionen Dollar bis zum 06.08.15 pendelte sich Pixels meist in den Top 3 der Filmcharts ein.

Pixels – Kritikerstimmen

Im Vergleich zur moderat positiven Zuschauerresonanz wurde Pixels von der Filmkritik regelrecht zerrissen. Auf Rotten Tomatoes erreichte der Film ein Rating von 18% mit folgendem Kritikerkonsens:

Much like the worst arcade games from the era that inspired it, Pixels has little replay value and is hardly worth a quarter. (RT CC)

Auch Metacritic listet Pixels mit einem Metascore von 24 als ziemlichen Flop.

Interessant ist hierbei die ungewöhnlich heftige und emotional aufgeladene Resonanz der Kritiker. Hier eine kleine Auswahl:

„This is a film in which a viewer can be forgiven for rooting for the old video game icons to annihilate humanity. God help us if the best savior we can muster is Sandler.“ James Berardinelli ReelView

„I see Pixels as a 3d Metaphor for Hollywoods digital assault on our eyes and brains. Not funny. Just relentless and exhausting.“ Peter Travers Rolling Stone

„There are legitimate excuses for going to see Pixels. Losing a bet, perhaps. Having a loved one held for ransom. Maybe a serious blow to the head. But none of those (except maybe the last) would allow you watch and actually enjoy the latest cinematic leavings of Adam Sandler.“ Marc Mohan Portland Oregonian

Besonders agitiert war der auf YouTube populäre Kritiker „MovieBob“, der seiner tiefen Enttäuschung in einer sehr sehenswerten 10-minütigen Hasstirade Luft machen musste:

„In summation: Fuck PIXELS, fuck everyone who made PIXELS and preemptively fuck everyone who goes to see PIXELS.“ MovieBob

Hände weg von Videospiel Memorabilia, Adam!

Doch warum fallen die Reaktionen so vernichtend aus? Natürlich ist Pixels kein Film, bei dem man unbedingt Lobpreisungen erwartet hätte, doch das Grundkonzept ist zumindest aus Marketingsicht durchaus attraktiv: Eine Sci-Fi Komödie macht sich eine in den letzten Jahren trendende „Geek“-Zielgruppe, die sich längst aus dem Keller ihrer Mutter in das grelle Licht des Mainstreams bewegt hat, zu Nutzen. PacMan, Donkey Kong oder SpaceInvaders haben einen hohen Wiedererkennungswert – und zwar nicht nur für die Generation die sie direkt erlebt hat. Diese Figuren repräsentieren den Beginn der goldenen Zeit einer mittlerweile fast legendären Ära der Arcadegames. Und genau hier liegt das Problem.

Der Grund für einige besonders vernichtende Kritiken ist, dass die Menschen, die diese Kritiken schreiben mit den verhackstückelten Videospielen aufgewachsen sind, die in Pixels vorkommen. Die Umsetzung der eigentlich interessanten Idee nach aktuell typischen Filmmachermustern (Visuell überladen, schwacher Plot, flacher Humor) ist eine Beleidigung für das, was viele Menschen mit ihren verpixelten Helden verbinden: Eine genuine Liebe zu einem Genre, dass heutzutage eigentlich nur noch über pure Erkennensassoziation lebt. Eben genau die Struktur der „Ach das ist doch PacMan! Haha!“-Erlebnisse muss für jemand, der früher sein Taschengeld in der Spielhalle ausgegeben hat, genauso schwer zu ertragen sein, wie die eindimensionale Darstellung der menschlichen Heldenfiguren (Verlierer kriegt am Ende doch noch die Frau), die eigentlich die Bannerträger dieser kulturellen Erscheinung sein müssten. Doch am schlimmsten ist wohl, dass Pixels vor allem mit einem Namen assoziiert wird: Adam Sandler.

Ist Pacman böse oder doch Adam Sandler?

Sandler löst bei Filmkritikern in den letzten Jahren vor allem eines aus: ein resigniertes Augenrollen. Spätestens seit „Der Kaufhaus Cop“ oder „Jack und Jil“ ist Sandler zur Antithese des Selbstverständnisses eines Filmgenießers mit etwas höherem Anspruch geworden. Das liegt nicht nur an den schon beschriebenen Schwächen in der narrativen Struktur und der schauspielerischen Leistung von Sandler, sondern auch an seinen dubiosen Produktionspraktiken.

Jim Emerson hat in seinem Artikel: „Adam Sandler´s house of cruelty“ gut zusammengefasst, warum Sandler als Produzent nur wenig Sympathie für sich gewinnen kann. Adam Sandler Filme zeichneten sich häufig durch ein extremes Gewinn-Risiko-Gefälle aus. Sehr niedrige Kosten für Screenwriting und Umsetzung (oft durch Sandlers eigene Schreibversuche unterstützt) wurden durch übertriebenes Product-Placement supplementiert und machten diese Filme aus Investorensicht zu einer sicheren Sache. Auffälligerweise sind die kompletten Filmbudgets der generischen Adam-Sandler-Komödien vergleichsweise sehr hoch. Red Letter Media hat versucht am Beispiel von „Jack und Jil“ zu zeigen, dass diese Art von Filmen eigentlich garkeine Filme mehr sind. Die Grundlagen des Filmemachens werden so marginalisiert, dass Qualität fast unmöglich zu erwarten ist. Die These von Red Letter Media ist hierbei, dass die gesamten Produktionskosten künstlich aufgeblasen werden, um so hohe Auszahlungsmargen an Sandler und seine Investoren zu rechtfertigen. Unabhängig davon, ob man Sandler fast schon betrügerische Machenschaften in seiner Filmproduktion vorwerfen kann oder nicht, eines ist Fakt: Der typische Adam Sandler Film macht nicht einmal den Versuch eine gute Umsetzung zu liefern.

Pixels ist hierbei insofern doppelt tragisch, als dass eine eigentlich innovative Idee mit Potential, nämlich einen lustigen Film mit hohem Wiedererkennungwert für eine immer stärker in den Mainstream integrierte Subgruppe (Videospielenthusiasten) zu machen, durch die typischen Symptome einer Kinolandschaft vereinnahmt wird, die kommerziellen Erfolg vor gutes Handwerk stellt. Leider funktioniert es.

16 Kommentare

            Schreibe einen Kommentar

            Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

            Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.