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Zäh D und das Plektrum des Schicksals

„The Pick of Destiny“ hatte vor zehn Jahren bei den Kritikern abgelost, aber eigentlich ist es eine richtig feine Komödie um die nicht ganz autobiographische Genese des selbstherrlichen Comedy-Duos TENACIOUS D. Die Songs jedenfalls sind ganz großes Kino.


Jack Black und Kyle Gass wagen einen Ausbruch aus der (selbstverschuldeten) Softrockigkeit, indem sie um einiges härter und gar metallischer zur Sache gehen als auf ihrem selbstbetitelten Erstling, der noch komplett unplugged war. Der Soundtrack zum gleichnamigen Film „The Pick Of Destiny“ ist eine zwar kleine, aber humoristisch und musikalisch sehr wertvolle Rock-Oper geworden! Gaststars sind diesmal nicht nur Foo Fighter Dave Grohl am Schlagzeug, sondern auch noch die Rock-Ikonen Meat Loaf und Ronnie James Dio, die kurze Gesangsparts in dieser fiktiven Entstehungsgeschichte von TENACIOUS D übernehmen.

JB entflieht seinem katholischen Zuhause, um sich den Traum vom Rock ’n‘ Roll zu erfüllen und sein Leben der Musik zu widmen. Er trifft auf KG, der zwar überaus flink Gitarre spielen kann, aber doch alles andere als ein Star ist, zumal er eine Perücke mit langen Haaren trägt, um seine nicht ganz so coole Glatze zu verbergen. Nach einigen Cock Push-ups geht es auf die Suche nach dem grenzenlose musikalische Inspiration verleihenden „Plektrum des Schicksals“, welches zufälligerweise von allen großen Gitarristen der Rockgeschichte zum Anschlagen der Saiten benutzt worden ist. Dieses Ding ist nämlich nichts anderes als ein Satanszahn, den ein Mittelaltermensch – so die Legende – dem Höllenherrscher vor langer Zeit herausgeschlagen hat. So viel zur Story, nun zu den fast ausschließlich hitverdächtigen und überaus abwechslungsreich komponierten Songs, die intelligent Rock-Zitate und originelle Eigenideen kombinieren: Es geht los mit „Kickapoo“ (irgendwie ein typisches Jack-Black-Wort).

Neben Gesangsparts für Meat und Ronny gibt es hier vier Minuten lang einen hervorragenden Album-Eröffner zum Liebgewinnen. Es geht mit Akustik-Gitarre los, allmählich wird die Musik aggressiver, bis schließlich E-Gitarre und Schlagzeug das metallastige Hörerlebnis komplettieren. Weiter geht es mit dem kleinen Klassik-Medley „Classico“, das sich schnell als ein perfektes Musicomedy-Vehikel für Jack Black herausstellt. Andere Höhepunkte sind: „Master Exploder“ – stimmgewaltig bläst Jack Black einem auch ohne Mikro (ganz wörtlich) das Hirn heraus; „Break In-City“ stellt mit dem superben „Infiltrate! Storm The Gate!“-Refrain die volle Breitseite HM dar; „Beelzeboss“ – das theatralisch-vielseitige und mit einem derbe Sprüche klopfenden Endgegnersatan (beispielsweise „Now I’m complete and my cock you will suck!“ – überhaupt haben die gesamten Lyrics auf dieser Platte einen latent asozialen Touch) aufwartende Meisterwerk, das geschmackvoll ausgeklügelt und mannigfaltig entertainend ist. In der Single-Auskopplung „POD“ besingen die offensichtlich auf Abkürzungsspielchen stehenden JB und KG, wie sie es geschafft haben, an den Pick of Destiny heranzukommen.

„The Metal“ schließlich ist der krönende Abschluss des Albums und die unzweideutige Liebeserklärung an ein großartiges Musikgenre: ein perfektes Riff und der kongeniale Liedtext, der aufzählt, was und wer alles zu schwach war, um den heiligen Metal vom Thron zu stoßen, machen diese Hymne vollkommen.

Alles in allem ein vollwertig durchknallendes Hard-’n’-Heavy-Musical der Sonderklasse! Also: Liebt TENACIOUS D, denn sie übertreiben gar nicht so sehr, wenn sie sich selbst als die beste Band der Welt bezeichnen!

Titelbild: © Sony BMG

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