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Kinemalismus – ein „Nicht-Filmmagazin inkl. Unfug“

Kinemalismus Filmmagazin

Kinemalismus, das hört sich doch nach einer neuen Stilrichtung an – so im Bereich Kino. Ist es auch irgendwie, allerdings in Form eines neuen, unabhängigen Filmmagazins aus Hamburg! Im April ist die zweite Ausgabe des Printmagazins erschienen, das sich selbst als „Nicht-Filmmagazin für öko-philosophisch angewandte Arthaus-Hobby-Cineasten inkl. Unfug“ betitelt. Genaueres erklärt uns Joachim Sperl, seines Zeichens Herausgeber und Art-Direktor des Kinemalismus Filmmagazins, im Interview.


 

postmondän: Joachim! Auf einem eurer Flyer ist zu lesen, dass ihr aus technischen Gründen leider keine Yoga-Kurse anbieten könnt. Ich bin schwer enttäuscht. Stattdessen gebt ihr ein „Nicht-Filmmagazin für öko-philosophisch angewandte Arthaus-Hobby-Cineasten inkl. Unfug“ heraus. Wie kams denn dazu? War Alkohol im Spiel?

 

Joachim: Oha ja, der Spruch mit dem Yoga. Für den hab ich schon sehr viel auf den Deckel bekommen. Leute kommen öfters und fragen dann: „Was habt denn gegen Yoga?.“ Ich frag dann meistens nach was sie genau meinen, was „wir“ denn „dagegen“ hätten. Dann lesen sie mir den Satz noch mal vor und ich erwidere immer: „Nun ja, als Filmmagazin ist es doch eigentlich völlig normal das man eher weniger Yoga-Kurse anbietet. Das liegt in der Natur eines Filmmagazins.
Würde ich mal behaupten.“ Aber das ist schon okay. Das zeigt auch sehr schön in welchen Zeiten wir leben. Das hat dann auch was von Realsatire und find ich gut. Lustigerweise gibt es hier in Hamburg aber ein Projekt das wirklich Filme während des Yogas zeigt. Davon hab ich vor ein paar Monaten gelesen. Vielleicht waren wir ja die Ideengeber. Von daher alles im Lot mit den Yoga-People und den Kinemalismus Boys and Girls.

Aber zurück zu Deiner Frage: also Alkohol war nicht während des ganzen Konzeptionsphase im Spiel. So im großen und ganzen hat mich das ganze Filmrezensionsgelese irgendwie genervt. Die ganze Szene und das drumherum, von der Filmkritik bis zu den ganzen Preisen und Festivals etc., dass ist mir alles zu hochtrabend. Für mich wird da ein extremer Pathos aufgebaut. Und ich bin gegen Pathos, da das immer etwas von kleinhalten der Leute hat. Es fehlt die Leichtigkeit. Film, Kino und deren Filmkritik stellt sich oft gerne als Heilige Kuh da. So ist auch der Magazinename eine Wortschöpfung aus „Kinema“; als Kino (kinesis/Bewegung) und zum anderen Teill aus Mini“malismus“ (also Ideologie bzw. geistige Strömung …). Aber nicht unbedingt mit der Kunstströmung „Minimalismus“ aus den 60ern zu vergleichen, wir sehen uns eher als eine Art Dadaismus.
Überhaupt ich fand das sowieso, auch über das Netz, viel zu viel und viel zu gleich über Filme berichtet wird und dann gor in mir die Frage ob das denn immer so sein muss

Auch durchs Internet konnten mich z.B., was den visuellen Part von Filmmagazinen, die abgebildeten und üblichen Promo Film Stills die man schon vorher im Netz gesehen hatte nicht mehr begeistern. So kam mir schlussendlich die Idee vielleicht eher eine Art satirisches Filmmagazin mit Illustrationen zu produzieren. Und natürlich, wie man am Magazinnamen erkennen kann eine neue „Filmmagazinbewegung“ zu starten, nach dem Symbolismus, Expressionismus, Futurismus, Dadaismus, Surrealismus etc. muss es ja auch mal eine Post-Post-Moderne Filmströmung geben in Heftform, die eine für diesen Sektor zeitgemäßen Rundumschlag veranschaulicht. Ein Magazin das über Filme schreibt, wie sie waren, aber vielleicht besser wie sie nie waren. Das ist die Kernidee eigentlich.

Es ist durchaus gewollte das man eine Art Collage von wirklichen Filmplots und dazu erfundenem kreiert. Es geht nicht in erster Linie darum Filme so wiederzugeben wie sie wirklich sind. Aber natürlich auch. Die Realität und so wie es wirklich ist kann man ja ganz schnell im Netz „nachsehen“ oder lesen, rund um die Uhr. Aber im Magazin finden sich natürlich auch „Filmmagzinstandarts“ ganz klar. Auch einen Service-Teil, wo wir z.B. independet Videotheken oder Filmemacher, Festivals vorstellen, aber auch eine Fotolovestory, Cartoons, Comics, Kontaktanzeigen, Homestorys vom Todesstern oder aus der Gruft von Christopher Lee. Nun ja, das hat mich schon eine ganze Weile beschäftigt. Mitte 2014, als dann mal etwas Kohle zum verprassen da war, hatte ich auch mal im Netz recherchiert ob es solch eine Art Magazin vielleicht schon auf dem Markt gibt. Außer ein paar lustigen Blogs hatte ich aber nix gefunden. Was ich schade fand. Schon in meiner Jugend war ich Liebhaber des „Titanic“ Magazins. Als Teenie hab ich mir beim Dorf-Tante-Emma-Lädchen immer die neuste Ausgabe besorgt. Das hat mich natürlich sehr geprägt. Auch Monty Python oder die Simpsons.

Als ich mich als Designer selbständig gemacht habe nach dem Studium, hab ich mir immer geschworen, wenn mal Geld da ist, mach ich unfung Projekte. Und als dann der Schotter da war, hab ichs dann mal gewagt und ein paar Autoren und Illustratoren angefragt ob sie nicht Lust hätten. Es ist bei solch einem Magazin relativ schwer die passenden Leute zu finden. Das war am Anfang schwer, was mir auch klar war, also hab ich erst mal Leute angefragt die „irgendwas mit Fim“ zu tun hatten. Dann bin ich aber dazu übergegangen Leute zu suchen, die zwar auch aus dem „Film“Sektor kommen, jedoch einen gänzlich anderen Ansatz haben. Der Prozess ist noch nicht ganz abgeschlossen bis dato, aber so 2/3 der Autorenschaft die die letzten zwei Ausgaben gefüllt haben sind ein klasse Kern , der sich nun gefunden hat und es macht unglaublich viel Freude mit solch zauberhaften Menschen zusammen arbeiten zu dürften.

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postmondän: Euer Filmmagazin erscheint entgegen jeglicher Trends doch tatsächlich als Printausgabe (dramatisches nach-Luft-schnappen), so richtig mit Papier und allem Drum und Dran. Warum habt ihr euch für dieses Format entschieden?

 

Joachim: Aus Liebe zum Medium selbst, Papier. Ich finde, auch wenn es natürlich in digitaler Form sehr gute Magazine und generell Projekte gibt, immer noch etwas besonderes und einfach irgendwie lebhafteres wenn man etwas noch im Regal stehen hat, anstatt irgendwo auf einem Rechner, einer Festplatte oder sonst wo in der digitalen Welt. Klar, die meisten werden die Ausgabe, nachdem sie sie rezipiert haben wohl gen Papiertonne bringen, aber der eine oder
andere stellt es sich vielleicht doch ins Regal, oder benutzt es als Ersatz-Sofa-Fuß, Türstopper. Quasi der Luxus-Bierdeckel-Ersatz für den fehlenden Sofafuß.

 

postmondän: Eure erste Ausgabe widmete sich dem Horrorgenre, die zweite und aktuelle läuft unter dem Oberthema „Sci-Fi aus den 70er und 80er Jahren“. Auf welche Inhalte kann sich der postmondäne Neuleser freuen?

 

Joachim: Ausgabe drei wird sich in den 80ern und sich mit den drei bzw. vier Filmgenren: Teenie-, Tanz- und Kriegs- sowie Antikriegsfilmen befassen. Wir haben gerade jetzt Mitte Mai schon mal angefangen. Das Werk soll ja schon im Dezember erscheinen und ich hoffe wir sind pünktlich vor Weihnachten mit dem Ding raus. Das wir noch das ganz große Geld mit dem Weichnachtkonsum-Ding mitnehmen können.

 

postmondän: Wenn es allein nach dir gehen würde: Welches Thema hätte Ausgabe Vier?

 

Joachim: Ausgabe Nummer Vier wird wohl eine Ausgabe über Filmbösewichte. Vielleicht auch eine Doppelausgabe über Bösewichte und Superhelden. Das kann ich zur Zeit noch nicht sagen.

 

postmondän: Eine Besonderheit eures Magazins sind sicherlich die zahlreichen Illustrationen. Schick Schick! Machen einige aus eurem Team das hauptberuflich?

 

Joachim: Ja, sogar sehr viele. Nicht nur was die Illustratoren oder Cartoonisten angeht, auch mancher Autor verdient damit hauptberuflich sein Lebensunterhalt. Ob als Drehbuchautor oder Journalismus Sektor. Bei den Sprechern sind ebenfalls einige Leute dabei die von ihrer Tätigkeit bzw. in naheliegenden Gebieten ihren Lebensunterhalt bestreiten.

 

postmondän: Blitzlichtrunde – Bitte vervollständige den Satz

 

Joachim:

Adam Sandler Filme… fallen mir grad keine ein. Bin kein Fan von dem Herrn. Aber die Deftones haben mal ein schönes Lied zu einem seiner Filme beigesteuert. Nicht extra für den Film geschrieben, aber halt für den Film Soundtrack. Sandler hat glaube ich auch mal mit Chino und Co. den Song unplugged performt. Fand ich sehr süß, muss ich schon sagen.

 

Das Internet… ist ganz interessant, besonders die letzten drei Seiten.

 

Die Hashtagkultur… kommt im allgemeinen glaube ich ganz gut ‚grad. Mein Lieblings-Hashtag ist seit Jahrzehnten: ##002#. Also für mein H-A-N-D-Y (!). Die Tastenkombination schaltet die Mailbox meines H-A-N-D-Y-s aus, oder an … kann mir das nie merken.

 

Jetzt mal ganz ehrlich: Star Wars Episode 6…. oder war es 3?

 

Andrej Tarkowski… Solaris. Es gibt bei meinem Lieblingsgriechen in Altona ein Gericht das heißt so, glaube ich. So
oder so. Würde ich sagen „ Solaris Da Da!“.

 

Ohne Satire… ist vor Satire.

 

Menschen, die im Kino den Film kommentieren… find ich interessant. Selbst hab dieses Phänomen eher selten erlebt. Das sind eventuell Leute die auch unglaublich überrascht sind wenn sie in einen Horrorfilm gehen und es dann wirklich gruselig ist.

 

postmondän: Famous last words?

 

Joachim: Trinkt mehr Wasser, mindestens drei Liter am Tag.

 


Vielen Dank an Joachim für die Beantwortung unserer Fragen und die Bereitstellung des Bildmaterials!

Eure Wege zum Kinemalismus Filmmagazin:

„Shut up and take my money!“ | Ich will Hefte kaufen!
Kinemalistische Hörproben
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Joachims Homepage

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